Barbara Kunrath: Schwestern bleiben wir immer

Eine „unkaputtbare“ Schwesternbeziehung

Das erste Lob für diesen typischen Frauenroman gebührt der Herstellungsabteilung des Ullstein Verlags. Die Klappenbroschur im Taschenbuchformat mit der angenehmen Oberfläche liegt ausgesprochen gut in der Hand, zeigt auch nach dem Lesen nicht die sonst bei Taschenbüchern üblichen Gebrauchsspuren, ist farblich innen wie außen sehr ansprechend und spiegelt mit dem Cover den Roman gut wider – und das zu einem günstigen, aus Buchhändlersicht sogar zu niedrigen Preis.

Erzählt wird der Roman um die beiden Schwestern Alexa und Katja zum größten Teil aus der Ich-Perspektive der älteren Schwester Alexa, zum kleineren Teil in auktorialer Erzählweise über Katja. Die Beiden sind sich nicht nur äußerlich gänzlich unähnlich, sie haben nach einer lieblosen Kindheit bei ihrer unberechenbaren, gefühlskalten, sie vernachlässigenden und zu Depressionen neigenden Mutter völlig unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen. Während die harmoniesüchtige, hausmütterliche, von tiefen Minderwertigkeitsgefühlen geprägte Alexa eine typische Hausfrauenehe führt und in ihrer Mutterrolle aufgeht, zieht die unabhängige, selbstbewusste und bindungsunfähige Journalistin Katja ihren Sohn alleine groß und reiht Affäre an Affäre.

Doch nun, Anfang bzw. Mitte vierzig, stehen beide vor den Scherben ihres Lebenskonzepts. Alexa gibt sich eine Mitschuld am Tod ihrer schwerbehinderten Tochter drei Jahre zuvor und ihre Ehe ist am Ende. Ihr Mann verlässt sie wegen einer jüngeren Geliebten und die beiden pubertierenden Kinder folgen ihm angesichts der Schwermütigkeit ihrer Mutter. Katja dagegen dringt nicht mehr zu ihrem 15-jährigen Sohn durch und steht dessen beginnenden Drogen- und Alkoholproblemen hilflos gegenüber.

Als Alexa im Nachlass der kürzlich verstorbenen Mutter einen nicht zu Ende gebrachten Brief entdeckt, wird die Neugier der Schwestern geweckt und sie machen sich gemeinsam daran, die fehlenden Puzzleteile aus ihrer Vergangenheit zu suchen. Warum hat der Vater einst die Familie überstürzt verlassen, als sie gerade sieben und vier Jahre alt waren? Warum wurde ihre Mutter so, wie sie war? Eine spannende Spurensuche beginnt…

Wer einen leichten Frauenroman, eine unterhaltsame Urlaubslektüre oder ein Buch für zwischendurch sucht, das sich auch sprachlich einfach und schnell lesen lässt und ein versöhnliches Happy End bietet, ist mit Barbara Kunaths Schwestern bleiben wir immer gut beraten und sollte sich von meinen drei Sternen nicht abhalten lassen. Mir war das Buch ein bisschen zu rührseelig, der Papiertaschentuchverbrauch von Alexa zu hoch, ihre Affäre zu schnell und nicht zu ihr passend, das Ende zu glatt und manches, wie die problemlose Auskunft beim Einwohnermeldeamt und die Tatsache, dass im Zeitalter des Internets keine der Schwestern je auf die Idee kam, den Namen des vor 38 Jahren verschwundenen Vaters zu googlen, zu unglaubhaft. Gut gefallen hat mir dagegen der lebenslange Zusammenhalt der Schwestern trotz vieler Belastungen und die Erkenntnis, dass sie trotz aller offensichtlichen Unterschiede eigentlich gar nicht so verschieden sind.

Barbara Kunrath: Schwestern bleiben wir immer. Ullstein 2016
www.ullsteinbuchverlage.de

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