Ernest van der Kwast: Fünf Viertelstunden bis zum Meer

Es ist nie zu spät für die Liebe

Seit ich Die Eismacher von Ernest van der Kwast mit Freude gelesen habe, wollte ich seinen früheren Roman Fünf Viertelstunden bis zum Meer nachholen. Nun ist mir das Buch bei der Karlsruher Bücherschau im Mare-Regal begegnet und ich habe ziemlich genau fünf Viertelstunden in einer ruhigen Ecke gebraucht, um die kurze Geschichte zu lesen und zu genießen.

Für den 23-jährigen Ezio Ortolani ist es Liebe auf den ersten Blick, als er im Juli 1945 am Strand von San Cataldo in Apulien die 20-jährige Giovanna Berlucchi in ihrem in zwei Teile gerissenen Badeanzug aus dem Meer steigen sieht. Schnell macht er ihr einen Heiratsantrag, später, am Ende eines glücklichen Sommers, noch einen, die die unabhängige junge Frau jedoch ablehnt.

Ezio, den sie für sein ganzes Leben verzaubert hat, flieht 1082 km nach Norden. Als Apfelpflücker, im Winter als Melker, später als Rentner, verbringt er die nächsten 62 in der Nähe von Bozen, bis ihn im Alter von 84 Jahren unerwartet der lang ersehnte Brief erreicht…

Völlig ohne Kitsch breitet der in Südtirol lebende holländisch-indische Autor Ernest van der Kwast diese wunderschöne Liebesgeschichte vor uns aus und vermittelt die Hoffnung, dass es nie zu spät ist, Fehler zu korrigieren. Auf 96 Seiten erzählt er nicht nur zwei ganze Leben, ein ruhiges und ein ruheloses, sondern gibt auch einen kurzen Abriss über die Geschichte Südtirols und die Erfindung des Bikinis.

Ernest van der Kwast: Fünf Viertelstunden bis zum Meer. btb 2016
www.randomhouse.de

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