#frauenzählen, #vorschauenzählen und meine persönliche Bilanz 2019

#frauenzählen
2018 habe ich die Diskussion über den von männlichen Autoren und Kritikern dominierten literarischen Rezensionsbetrieb mit Interesse verfolgt. Die Pilotstudie „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ des Buchbranchenprojekts #frauenzählen wertete im März 2018 2036 Rezensionen und Literaturkritiken in 69 deutschen Medienformaten (Print, Hörfunk und TV) aus. Die auf der Frankfurter Buchmesse 2018 präsentierten Ergebnisse zeigten unter anderem:

  • dass zwei Drittel der besprochenen Bücher von Männern verfasst wurden
  • dass drei Viertel der Kritiken von Männern stammen und die wiederum zu drei Vierteln Werke männlicher Autoren rezensierten
  • dass die Bilanz für Autorinnen in den Genres Sachbuch und Krimi am ungünstigsten ausfiel
  • dass nur im Bereich Kinder- und Jugendbuch ein Gleichgewicht bestand.

#vorschauenzählen
Unter dem Hashtag #vorschauenzählen auf Twitter haben die Literaturwissenschaftlerinnen Berit Glanz und Nicole Seifert zum Auszählen von Vorschauen aufgerufen und untersucht, ob das Ungleichgewicht bereits in den Verlagsprogrammen besteht. Grundlage waren die Frühjahrsvorschauen 2020 der literarischen Verlage, die in den letzten drei Jahren einen Titel auf der Longlist des Deutschen Buchpreises oder im Laufe des Jahres 2019 einen Titel auf der SWR-Bestenliste hatten. Dabei ergab sich ein Verhältnis von 60 : 40 zwischen Autoren und Autorinnen, wobei von größeren Verlagen Klett-Cotta mit 12,5 Prozent Autorinnen-Anteil, Hanser mit 22 Prozent, Hoffmann & Campe sowie Diogenes mit 25 Prozent, S. Fischer mit 27 Prozent und Rowohlt mit 29 Prozent am schlechtesten abschnitten. Ausgeglichen war das Verhältnis unter anderem bei Dumont, der Frankfurter Verlagsanstalt und Luchterhand, überdurchschnittlich schnitten Hanser Berlin mit 60 Prozent sowie Hanser Blau und Kein & Aber mit je 67 Prozent ab. Im Sachbuch Hardcover reichte das Spektrum von 20 bis 55 Prozent, im Kinder- und Jugendbuch von 46 bis 94 Prozent. Das detaillierte Ergebnis ist hier nachzulesen.

Meine persönliche Bilanz 2019
Nach all der Zählerei war ich sehr gespannt auf meine persönliche Bilanz 2019. Ich suche meine Bücher nicht bewusst unter dem Gesichtspunkt Autor/Autorin aus und hatte auch kein Gefühl dafür, wie das Ergebnis ausfallen würde.

82 Bücher habe ich 2019 auf meinem Blog rezensiert, drei davon hatten zwei Autoren bzw. Autorinnen und wurden deshalb doppelt gezählt. Damit ergab sich folgendes Ergebnis:

  • In der Erwachsenenliteratur, schwerpunktmäßig Romane, dazu 11 Krimis und drei Sachbücher bzw. Biografien, stehen 37 Autorinnen 31 Autoren gegenüber.
  • Bei den Kinder- und Jugendbüchern finden sich 12 Autorinnen und nur 5 Autoren.
  • Alle drei Sachbücher bzw. Biografien wurden von Autorinnen verfasst.
  • Bei den Krimis ist das Verhältnis dank eines Autorinnenduos mit 6 : 6 ausgeglichen.
  • Bei meinen persönlichen Lese-Highlights 2019 liegt das Verhältnissen Autorinnen zu Autoren bei 5 : 2.

Interessant ist, dass gerade auch Verlage mit einem ungünstigen Geschlechterverhältnis zu meinen Lieblingsverlagen gehören, darunter Hanser, Diogenes, Klett-Cotta und C.H. Beck, während ich keine Bücher aus den 100-Prozent-Autorinnenverlagen wie Diana oder Goldmann Wundertraum lese. Es ist also durchaus möglich, gegen den Kritiker- oder Verlagstrend auszuwählen, selbst wenn man sich, wie ich, hauptsächlich in Presse und Verlagsvorschauen über neue Bücher informiert.

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