Hannah O’Brien: Irisches Verhängnis

Das keltische Ei

Manche Bücher bekommt man durch Zufall genau im richtigen Moment in die Hände und bei Irisches Verhängnis ist mir genau das passiert. Ein Regentag während einer Rundreise durch Irland und wir hatten gerade exakt die darin beschriebene Gegend bereist, es hätte einfach nicht besser passen können. Vertraut mit den Orten und deren Geschichte, konnte ich mir vieles sehr gut vorstellen, anderes habe ich zusätzlich erfahren. Ein Glücksfall also, der das auch im Buch zur Genüge beschriebene irische Wetter vergessen ließ.

Grace O’Malley oder Graínne Ni Mháille, wie der Name auf Irisch lautet, ist erst vor kurzem nach fünfjähriger Tätigkeit in Dänemark nach Hause auf die Insel zurückgekehrt, wo sie dank der Einflussnahme eines Mitglieds der wichtigen O’Malley-Familie einen leitenden Posten bei Garda, der irischen Polizei, in Irlands viertgrößter Stadt Galway bekommen hat. Ihr Start wird überschattet von der Missgunst und dem Misstrauen einiger Kollegen und vom Verschwinden ihrer 14-jährigen Tochter Roisin, die seit ihrer Geburt bei der Familie von Graces‘ Bruder in Dublin lebt. Während Grace noch überlegt, dorthin zu fliegen, wird in Galway die Leiche einer jungen Doktorandin der Meeresbiologie gefunden. Grace und ihr loyaler, sehr sympathischer Kollege Rory nehmen die Ermittlungen auf. Annie, die Tote, hatte mehrere Putzstellen bei einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft, die ihr ihre Freundin und Mitbewohnerin Carol vermittelt hat. Sind hier Motiv und Täter zu finden?

Für Grace beginnt ein Kampf an verschiedenen Fronten: Da ist zum einen der Fall, der immer komplizierter wird und weitere Opfer fordert, zum zweiten ihr Streben nach Anerkennung am neuen Arbeitsplatz und zum dritten die Sorge um den Verbleib ihrer Tochter. Alle drei Bereiche haben etwas mit einem typisch irischen Thema zu tun: Familie und Familienkonstellationen, das „keltische Ei“, außen perfekt, aber wenn man es aufschlägt, stinkt es zum Himmel…

Hannah O’Brien, deutsche Journalistin und Autorin, hat lange in Irland gelebt, und das merkt man ihrem spannenden, gut durchdachten und flüssig zu lesenden Krimi deutlich an. Das Kernthema „Biopiraterie“ war mir in dieser Form neu und daher sehr interessant für mich, die private Geschichte um die nach einer in Irland sehr bekannten Piraten-Vorfahrin benannten Grace gut erzählt und unterhaltsam.

Band zwei, Irisches Roulette, liegt nach meiner Rückkehr nach Deutschland zum Lesen bereit, und ich bin gespannt, ob er sich zuhause genauso gut liest wie vor Ort.

Ein Wort noch zum Text auf der Rückseite des Buches und zur Inhaltsangabe vorn. Hier habe ich mich gefragt, ob der Verfasser oder die Verfasserin den Krimi überhaupt gelesen hat, denn die Abfolge und Zusammenhänge der Ereignisse sind völlig falsch dargestellt. Außerdem werden überraschende Entwicklungen aus der zweiten Hälfte des Buches vorweggenommen, was der Spannung Abbruch tut. Also keinesfalls vorher lesen und die Bitte an dtv, bei diesen Texten sorgfältiger und überlegter zu arbeiten!

Hannah O’Brien: Irisches Verhängnis. dtv 2015
www.dtv.de

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