Jakob Wassermann: Der Fall Maurizius

Viel mehr als ein Kriminalroman

Jakob Wassermann (1873 – 1934) war mit Thomas Mann, Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler befreundet und zu Lebzeiten, in den 1920er-Jahren, einer der meistgelesenen Autoren in Deutschland.

Der Fall Maurizius war sein letzter Roman und kreist um das Thema, das Wassermann zeitlebens beschäftigt hat: Gerechtigkeit. Vorlage für das Buch war ein Justizirrtum aus dem Jahr 1906.

1928. Der Oberstaatsanwalt Wolf Frhr. von Andergast ist beruflich wie privat hart und gefürchtet. Da er die Mutter seines 16-jährigen Sohnes Etzel wegen eines Fehltritts verstoßen hat, lebt er mit ihm alleine. Der Kontakt zwischen Mutter und Sohn ist seit zehn Jahren untersagt.

Grundstein für Andergasts Karriere war ein Indizienprozess vor knapp 20 Jahren, bei dem der Kunsthändler Leonhart Maurizius wegen Mordes an seiner 15 Jahre älteren Frau zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Etzel glaubt an ein Fehlurteil und möchte den Fall Maurizius neu aufnehmen. Dazu flieht er nach Berlin, um den Hauptbelastungszeugen, den Juden Gregor Waremme, aufzuspüren…

Dieser fesselnde Roman ist vieles in einem: spannender Kriminalroman, psychologischer Entwicklungsroman, ein Vater-Sohn-Drama und ein Porträt der Gesellschaft in der Weimarer Republik mit einer Anklage gegen die Zustände in den Zuchthäusern und gegen eine unmenschliche Justiz.

Die Hörspielfassung auf 4 CDs umfasst 300 Minuten. Die Produktion des WDR ist ausgesprochen empfehlenswert, da sowohl die Bearbeitung und Regie von Gert Westphal als auch die Sprecher Wilhelm Borchert, Siegfried Wischnewski und Kurt Horwitz herausragen.

Jakob Wassermann: Der Fall Maurizius. LangenMüller 2004
www.herbig.net

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