Leena Lehtolainen: Zeit zu sterben

Ein ungewöhnlicher Krimi

Säde Vasara, 35-jährige Sozialarbeiterin im Frauenhaus Schutzhafen in Helsinki, war Zeit ihres Lebens ein braves Mauerblümchen: Ersatzmutter für die kleinen Brüder, Liebling der Lehrer, Notenwartin im Chor und für die Umwelt fast unsichtbar. Brav hat sie jahrelang die Linie ihres Chefs mitvertreten, der unter allen Umständen die Ehen und Familien der misshandelten Frauen erhalten wollte. Doch als eine ihrer Dauerklientinnen von ihrem Mann zu Tode geprügelt wird, platzt ihr der Kragen und sie beginnt, die Probleme der Frauen auf ganz andere Art zu lösen…

Zeit zu sterben ist für mich der beste Krimi der exzellenten finnischen Autorin Leena Lehtolainen, obwohl die sympathische Kommissarin Maria Kallio hier nur eine Nebenrolle spielt.

Lehtolainen geht das Thema häusliche Gewalt sensibel, sehr dirkt, aber gut lesbar an. Die Ich-Erzählerin Säde wird nicht zur brutalen Killerin, sondern hilft lediglich dem Schicksal hier und da à la Ingrid Noll etwas nach und wartet am Ende selber mit einer großen Überraschung auf.

Mein Lieblingszitat aus dem Buch: „Das Schicksal regelt die Angelegenheiten unserer Klientinnen neuerdings mit ziemlich drastischen Mitteln“ (Maisa, Sozialarbeiterin im Frauenhaus Schutzhafen).

Leena Lehtolainen: Zeit zu sterben. Rowohlt 2002

www.rowohlt.de

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