Im Inneren des Literaturbetriebes
In Lila, Lila plaudert Martin Suter sozusagen aus dem Nähkästchen, denn es geht um den Literaturbetrieb.
David Kern, jung, sympathisch, etwas orientierungslos, jobbt als Aushilfe in einer Szenekneipe. Dort lernt er Marie, eine junge, literaturbegeisterte Frau kennen. Er verliebt sich in sie, hat aber keine Ahnung, wie er an die Angebetete herankommen soll. Da findet er durch Zufall in einem alten Nachttisch vom Trödler ein Manuskript mit einer wunderbaren Liebesgeschichte. Er zeigt es ihr, Marie schickt es an einen Verlag, David wird zum Shootingstar der deutschen Literatur und die Lawine ist nicht mehr aufzuhalten. Aber je größer der Erfolg, desto größer Davids Angst vor der Enttarnung. Sein Plan ist zwar aufgegangen und er hat Marie für sich gewonnen, aber kann eine Liebe Bestand haben, die auf einer Lüge gründet? Liebt ihn Marie wirklich, oder liebt sie nicht vielmehr das Bild, das sie von ihm hat? Und dann taucht auch noch jemand auf, der behauptet, er wäre der wahre Verfasser der Geschichte…
Wie fast immer bei Martin Suter hat mir der Roman beim Lesen großen Spaß gemacht. Seine sprachliche Präzision, der sympathische Held, mit dem gelitten habe, die beiden Liebesgeschichten, eine davon als „Buch im Buch“, die Spannung und die herrliche Satire auf den Literaturbetrieb haben mich niveauvoll unterhalten.
Martin Suter: Lila, Lila. Diogenes 2009
www.diogenes.ch
Dies ist kein 08/15-Krimi, sonst wäre er nicht bei Suhrkamp erschienen und würde nicht die Krimi-Bestenliste der Zeit im Juni 2016 anführen. Außergewöhnliches Personal, ein sehr pointierter, lässiger Stil, geistreiche, oft sogar witzige Dialoge und eine durchdachte Handlung zeichnen ihn aus.
Im vierten Band von Arne Dahls Reihe um das Stockholmer A-Team der Reichskriminalpolizei geht es um Frauenhandel in der Ukraine, NS-Forscher und die Verwicklung schwedischer Wissenschaftler und die organisierte Kriminalität in Italien.
Nachdem die Stockholmer Sonderermittlergruppe für komplexe Fälle der schwedischen Reichskriminalpolizei am Ende des zweiten Bandes der Reihe, Böses Blut, wegen desaströser Leistungen aufgelöst und die Ermittler verstreut eingesetzt worden waren, erhält das sog. A-Team in diesem dritten Band eine neue Chance, denn es scheint eben doch nicht ohne sie zu gehen.
Dies ist sicherlich kein gewöhnlicher skandinavischer Krimi, auch wenn
Wow, was für eine sympathische, nimmermüde achtjährige Buxtehuder Quasselstrippe, diese Pernilla Petersen, die uns auf knapp 300 Seiten erzählt, wie sie und ihre Brüder die Familie vor dem finanziellen Ruin und einem Umzug vom Haus in eine Vierzimmerwohnung bewahren.
Drei Handlungsstränge und zwei Zeitebenen, erzählt in sieben Teilen und einem kunstvollen Prolog, die sich erst nach und nach in Beziehung zueinander bringen lassen, bilden das Gerüst dieses ausgesprochen empfehlenswerten Romans.
Dieses Buch hatte mich wegen des interessanten Themas sofort angesprochen. Über die sog. „Deutschenmädchen“ in Norwegen und den „Lebensbornverein“ hatte ich schon gehört, wusste aber nicht genau Bescheid. Hier habe ich in diesem Roman durchaus Neues erfahren, v. a. auch durch das interessante Nachwort der Verfasserin.
Dunkelgrün wie das Meer ist ein thematisch, sprachlich und gestalterisch wunderbares Kinderbuch in hochwertiger Aufmachung, wie es das Feuilleton und Eltern lieben. Vielleicht greifen Kinder nicht spontan danach, denn es ist weder grellbunt, noch verspricht es die ganz große Spannung, aber wir sollten sie dazu ermutigen, es zu lesen, denn hier werden Gefühle thematisiert, die sicher jedes Kind schon einmal erlebt hat.
Als säße Isabel Allende hier an meinem Kaffeetisch erzählt sie über ihr Familienleben und die Zeit nach dem frühen Tod ihrer Tochter Paula 1992. Insofern ist Das Siegel der Tage die Fortsetzung ihres Romans Paula, geschrieben für ihre Tochter („Ich will dir erzählen, was seit 1993 aus uns geworden ist“), kein magischer Realismus wie in Das Geisterhaus, sondern eine detaillierte Beschreibung der Trauer und des Neubeginns.