Stefan Gemmel: Im Zeichen der Zauberkugel – Das Abenteuer beginnt

Das Abenteuer hat gerade erst begonnen…

Wenn ein Buch mit dem Satz „Das Abenteuer hatte gerade erst begonnen…“ endet, weiß man, dass weitere Bände folgen werden. In diesem Fall sind noch sechs geplant, und die Geschichte hat dafür mehr als genug Potential.

Was macht ein aufgeweckter Junge wie Alex, der mit seinen beiden nervigen Stiefschwestern, den Zwillingen Sally und Liv, seine Ferien bei Oma Ilse und deren Katze Kadabra verbringt, wenn es dort einen verbotenen, gefährlichen Raum auf dem Dachboden gibt?  Klar, er verschafft sich bei nächster Gelegenheit Zutritt, zumal die Kammer die Hinterlassenschaft seines verschwundenen Großvaters, des Professors für Magie, Zauberei und Rituale Aurelius Baumann enthält. In einer Truhe entdeckt Alex ein ledergebundenes, zerschlissenes Buch mit dessen Aufzeichnungen, die als Geschichte in der Geschichte typografisch geschickt abgesetzt im Buch wiedergegen sind, und eine Zauberkugel mit einem roten Edelstein. Wie gut, dass Alex bei diesem zweiten Fund bereits die Notizen seines Großvaters aufmerksam gelesen hat, denn sonst hätte er Sahli nie kennengelernt, hätte nie erfahren, dass der ihm drei Wünsche erfüllen kann, und wäre nie dem Geheimnis um den Verbleib seines Großvaters näher gekommen…

Das Buch liest sich teilweise wie ein Abenteuer aus Tausend und einer Nacht und lässt die kleinen Leserinnen und Leser genauso wie die Vorleser eintauchen in die orientalische Welt des kleinen Kamelhüterjungen Sahli, der trotz seiner Schlauheit und List vor langer, langer Zeit vom bösen Dschinn Argus in eine Zauberkugel eingesperrt wurde und dort auf seine Befreiung wartet.

Mir hat dieser Beginn des Abenteuers um Alex, Sahli, den Professor und den bösen Dschinn ausgesprochen gut gefallen, weil der Spagat zwischen einer Geschichte im Hier und Jetzt und der orientalischen Märchenwelt so gut gelungen ist. Alex und Sahli sind mutige, aufgeweckte Jungen, die trotzdem ab und zu ihre Angst zeigen können, die dem Bösen mit List und Vorsicht entgegentreten und die mit der Kraft ihres gemeinsamen Handelns den Kampf gegen Argus aufnehmen.

Die 14 kurzen Kapitel mit der etwas größeren Schrift, vielen Dialogen und einem Umfang von knapp 170 Seiten eignen sich für Jungs wie Mädchen ab ca. acht Jahren, zum Vorlesen eventuell auch früher. Die Mehrschichtigkeit der Erzählung erfordert eine gewisse Leseerfahrung. Sprachlich wie erzählerisch hebt sich der Text wohltuend vom Durchschnitt der Kinderliteratur ab. Die sehr gut zum Inhalt passenden Schwarz-Weiß-Illustrationen unterstreichen den Inhalt und bieten viele zusätzliche Entdeckungsmöglichkeiten.

Stefan Gemmel: Im Zeichen der Zauberkugel – Das Abenteuer beginnt. Carlsen 2015
www.carlsen.de

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