Andrea Busfield: Mauertänzer

Afghanistan aus der Sicht eines Elfjährigen

Fawad hat im Krieg gegen die Taliban Vater und Bruder verloren, die Schwester wurde entführt. So leben er und seine Mutter leidlich geduldet bei deren Schwester und ihrer Familie in Kabul. Während Fawad das abenteuerliche und gefährliche Leben in den Straßen Kabuls genießt und mit seinen Freunden versucht, an die Devisen der Ausländer in der Chicken Street heranzukommen, leidet die Mutter sehr unter den unwürdigen Lebensbedingungen.

Doch dann findet sie eine Stelle im Haushalt einer WG dreier westlicher Ausländer. Der Kulturschock für Fawad, der die drei von einer Mauer aus beobachtet, ist gewaltig: Die Engländerin George raucht, trägt Jeans und hat dazu noch ein Liebesverhältnis mit einem mächtigen Paschtunen, der trinkfeste James liegt mit nacktem Oberkörper im Garten und May liebt Frauen. Fawad ist hin- und hergerissen zwischen Schock und Faszination.

Mauertänzer ist kein Buch über den Krieg, sondern eines über das Leben der Menschen in Afghanistan, spannend, tragisch, aber auch voller Humor, und wirkt authentisch durch die Perspektive des Kindes. Es lässt uns auch verstehen, warum unsere gut gemeinte Unterstützung so oft scheitert.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema Afghanistan, das meiner Ansicht nach jedoch nicht ganz an Drachenläufer heranreicht.

Andrea Busfield: Mauertänzer. Aufbau 2010
www.aufbau-verlag.de

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