Boris Schumatsky: Die Trotzigen

Ein deutsch-deutsch-sowjetisch-russischer Schelmenroman

Eine Geschichte rund um den Fall des Eisernen Vorhangs, um den Gorbatschow-Besuch in Honeckers Ost-Berlin und die Barrikadenkämpfe vor dem Weißen Haus in Moskau, das klang vielversprechend für mich. Auch das ungewöhnliche, typografielastige Cover mit den poppigen Farben orange und lila sowie der erzählende Untertitel haben mich neugierig gemacht. Was ich nicht erkannt habe: Boris Schumantskys zweiter Roman Die Trotzigen gehört zum Genre „Schelmenroman“, dem ich leider nichts abgewinnen kann. Weder Die Abenteuer des Huckleberry Finn, noch Candide, Die Abenteuer des Simplicissimus oder Die Blechtrommel konnten mich ansprechen, ihr Humor blieb mir verborgen und leider erging es mit mit Die Trotzigen nicht besser.

Boris Schumatsky schickt seine beiden jungen Protagonisten, den russischen Dolmetscher Sascha aus Moskau und die deutsche Ex-Slawistik-Studentin Anna, zwischen Moskau und Berlin hin und her. Die beiden sind mal ein Paar und mal nicht, sie scheinen nicht ohne, aber auch nicht miteinander zu können. Den Moskauer Putschversuch gegen Gorbatschow im August 1991 erleben sie in vorderer Front, dann treffen sie sich wieder in Berlin, wo Sascha und sein Freund Denis mit einem Besuchervisum und den Etiketten „Jude“ und „Schwuler“ versuchen, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erschleichen. Zwei Jahre später treffen die drei und ihre Freunde in Moskau erneut aufeinander, und wieder wird ein Putsch versucht…

Leider hat das Buch nicht meinen Erwartungen an einen politischen Roman entsprochen. Kaum politische Dispute, wenig Erklärungen und vieles, was ich trotz meines Interesses für die neuere sowjetische und russische Geschichte einfach nicht verstanden habe, haben mich etwas frustriert zurückgelassen. Zu viele Details gab es stattdessen über Drogenkonsum und Sex, wobei die Wörter „vögeln“ und „ficken“ gefühlt die am häufigsten vorkommenden Vokabeln im ganzen Buch waren. Vielleicht habe ich mich mit dem Roman aber auch deshalb so schwergetan, weil die Protagonisten mir in ihrem Handeln und Denken fremd blieben und ich keine Sympathien für sie entwickeln konnte.

Bei Lesern mit mehr Vorkenntnissen über die neuere Geschichte Russlands und einer Affinität zu Schelmenromanen könnte das Buch sicher auf größere Zustimmung stoßen. Für mich war es dagegen leider definitv die falsche Leküre.

Boris Schumatsky: Die Trotzigen. Blumenbar 2016
www.blumenbar.de

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