Deon Meyer: Fever

 Nach dem viralen Tsunami

Nico Storm und sein Vater Willem gehören zu den zwei Millionen Südafrikanern, die das große Fieber, den „viralen Tsunami“, der 95% der Weltbevölkerung ausgelöscht hat, und das anschließende Chaos überlebt haben. 30 Jahre später schreibt Nico seine Erlebnisse während der ersten fünf Jahre nach dem Ende der Epidemie nieder, angereichert durch protokollierte Zeugenberichte. Er beginnt mit den Worten: „Ich will euch von dem Mord an meinem Vater erzählen. Ich will euch erzählen, wer ihn ermordet hat und warum. Denn dies ist die Geschichte meines Lebens. Und es ist auch die eures Lebens, ihr werdet es sehen.“

Die Erzählung beginnt, als Nico 13 Jahre alt ist. Er muss nicht nur den Verlust seiner Mutter, seiner Freunde und seiner Heimat verkraften, er erkennt auch schnell, dass sein Vater zwar sehr klug, sensibel und sanft, aber kein Held ist, und dass er ihn deshalb in Zukunft beschützen muss. Willem Storm, Geograph, Jurist und eine Art Universalgelehrter, hat nach dem Untergang der alten Welt eine Vision: Er möchte am Staudamm in Vanderkloof eine neue Siedlung nach dem Vorbild von Platons idealem Staat gründen, eine Gemeinschaft, die moralisch handelt, ethnische Grundsätze hat und in der Mitmenschlichkeit herrscht.

Amanzi, wie die neue Siedlung genannt wird, wächst dank Willems unermüdlicher Arbeit und seinem unbeirrbaren Optimismus kontinuierlich, erobert sich nach und nach viele Errungenschaften der alten Welt zurück, doch tauchen bald auch die überwunden geglaubten Konflikte wieder auf, im Inneren genauso wie durch Bedrohungen von außen.

Deon Meyer, Südafrikas bekanntester Krimiautor, begeistert mich seit vielen Jahren mit seinen Büchern um den Ermittler Bennie Griessel und sein  Porträt der südafrikanischen Gesellschaft. Nur deshalb habe ich mich nun an seine Dystopie gewagt, ein Genre, das ich üblicherweise eher nicht lese. Nach der Lektüre der 700 Seiten kann ich sagen, dass die Grundidee des Romans mir gut gefallen hat und ich ganz besonders die einfühlsame Darstellung der konfliktreichen Vater-Sohn-Beziehung sehr gelungen finde. Auch die Diskussionen im „Komitee“, der Regierung von Amanzi, sind sehr interessant, egal ob es um die richtige Staatsform, Fragen der Religion, der Armee, das Grundgesetz oder praktische Alltagsprobleme geht. Allerdings war mir der mittlere Teil des Buches zu langatmig und die Szenen mit den bewaffneten Konflikten nehmen mir zu viel Raum ein. Hier wäre eine starke Straffung in meinen Augen angebracht gewesen. Auf den letzten gut 100 Seiten stieg die Spannung dann aber wieder deutlich an und das Ende hat mich ausgesprochen überrascht.

Selbst wenn ich in Zukunft wieder bevorzugt zu seinen Krimis greifen werde, die mir auch sprachlich besser gefallen, war es interessant, Deon Meyer hier einmal ganz anders kennenzulernen. Fans von Dystopien kommen bei Fever auf jeden Fall auf ihre Kosten, bei mir gibt es 3,5 Sterne.

Deon Meyer: Fever. Rütten & Loening 2017
www.aufbau-verlag.de

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