Émile Zola: Die Muscheln von Monsieur Chabre

Von den schwerwiegenden Folgen einer Muschelkur

Monsieur Chabre ist ein wohl situierter, langweiliger Mann in den Vierzigern. Seine Hauptsorge ist, dass seine hübsche junge Frau trotz unermüdlicher Versuche nicht schwanger wird. Der Arzt rät ihm zu einer „Muschelkur“ und sofort greift Chabre, der Muscheln eigentlich verabscheut, den Vorschlag auf und reist mit seiner Frau in einen langweiligen kleinen Badeort am Atlantik.

Während er mit Todesverachtung seine Muscheln isst, freundet sich der schüchterne Hector mit dem Ehepaar an. Bei gemeinsamen Ausflügen zum Meer, bei denen der zimperliche Chabre immer in respektvollem Abstand zum Wasser bleibt, kommen die beiden jungen Leute sich direkt unter den Augen des Ehemann näher …

Die pointierte Erzählung Die Muscheln von Monsieur Chabre unterscheidet sich von Zolas großen Romanen durch den leichten und fröhlichen Ton und das Fehlen der Dramatik, die man bei diesem Thema in einer Geschichte aus dem 19. Jahrhundert erwarten würde. Mit wachsender Schadenfreude beobachtet man als Leser den ahnungslosen Monsieur Chabre und ist am Ende nur traurig, dass die Geschichte so kurz ist.

Émile Zola: Die Muscheln von Monsieur Chabre. Manesse 2002
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