Hannah O’Brien: Irische Nacht

  Mörderische Geometrie

In ihrem dritten Fall nach Irisches Verhängnis und Irisches Roulette bekommen es die Leiterin des Morddezernats von Galway, Grace O’Malley, und ihr loyaler Kollege Rory Coyne mit einem Mord in der „irischsten aller irischen Nächte“ zu tun. Samhain (gesprochen Saaum), das höchste Fest im keltischen Kalender in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November und Ursprung von Halloween, wird auf den Aran-Inseln bis heute laut, maskiert und mit viel Alkohol gefeiert. Als es im Laufe der wie für ein Verbrechen geschaffenen Nacht tatsächlich zu einem Mord auf Inis Méain, der mittleren der drei Aran-Inseln, kommt, weiß niemand, wer sich hinter der Maskerade als „Green Man“ oder „Lustiger Müllbeutel“ versteckte. Oder hatte doch jemand mehr gesehen, als gut für ihn war? Bald gibt es nach der Leiche des reichen, allseits unbeliebten Farmers Michael Lynch ein weiteres Opfer. Ein Vertuschungsmord? Und wo liegt das Motiv für den Mord an Lynch? Verdächtige gibt es schnell, im privaten wie im geschäftlichen Bereich, und doch will für Grace und Rory lange nichts so recht zusammenpassen. Bis Grace beginnt, die Geometrie der Verbrechen in einem anderen Licht zu sehen…

Irland als Schauplatz von Regionalkrimis
Die Irlandkrimis der Journalistin und Autorin Hannah O’Brien, die selbst lange an der irischen Westküste gelebt hat, lese ich vor allem wegen des regionalen Hintergrunds und wegen der sehr gut eingebundenen Informationen zur irischen Geschichte, Landschaft, Kultur, Tradition und Lebensweise gerne. Ausgesprochen hilfreich sind das Glossar und die Landkarte, die ich immer wieder gern zu Rate ziehe. Bis auf Rorys „zweites Gesicht“, mit dem ich nichts anfangen kann, so irisch es auch sein mag, sind diese Zutaten auch im aktuellen Fall wieder gut gelungen. Allerdings haben mich Teilaspekte der Ermittlung dieses Mal nicht ganz so überzeugt wie bei den beiden vorhergehenden Bänden, beispielsweise der eher zögerliche Beginn, die ebenso durchsichtig wie kitschig geratene „wundersame Familienzusammenführung“ der jungen Gerichtsmedizinerin Aisling und der etwas hölzerne Showdown an den Ashleigh Falls, dessen es so nicht bedurft hätte. Gut gefallen hat mir dagegen wieder das Ermittlerteam um die reflektierte Grace O’Malley, die endlich auch dem hilfsbereiten Privatdetektiv Peter Burke ein Stück näherkam, und die Auflösung der Morde.

Hannah O’Brien: Irische Nacht. dtv 2017
www.dtv.de

Bd. 1
Bd. 2

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.