Henning Mankell: Wallanders erster Fall

  Wenig Wallander-Feeling im Hörspiel

Als großer Wallander-Fan kenne ich selbstverständlich alle acht Bände um diesen fast schon zu den Klassikern der Kriminalliteratur zählenden Ermittler. Nach Abschluss der Serie hat Henning Mankell 1999 noch einen Band mit fünf Kurzgeschichten über Kurt Wallanders Leben vor dem 8. Januar 1990, dem Beginn von Mörder ohne Gesicht, nachgeschoben, der 2002 unter dem Titel Wallanders erster Fall auf Deutsch erschien. Die erste dieser Kurzgeschichten ist  Grundlage des Hörspiels von 2003.

1969 ist Kurt Wallander 21 Jahre alt und Streifenpolizist. Er möchte so schnell wie möglich zu Kripo, doch um ein Haar hätte eine schwere Stichverletzung seinem Leben ein frühes Ende gesetzt. Dabei ist er in diesen ersten Fall rein zufällig hineingestolpert, als er nämlich seinen Nachbarn Artur Hålén, einen pensionierten Seemann, tot in dessen Wohnung findet. Kriminalkommissar Hemberg, eine Legende in Polizeidiensten, geht von Beginn an von einem Selbstmord aus, was die Obduktion bestätigt. Doch Wallander will sich damit nicht zufriedengeben, denn er ist überzeugt, dass es für diesen Suizid tiefergehende Gründe geben muss. Trotz der ausdrücklichen Warnung von Hemberg nimmt er eigenmächtig Ermittlungen auf. Nicht nur, dass er dadurch seine Freundin Mona ein ums andere Mal versetzt und die Beziehung ernsthaft gefährdet, bringt er sich auch leichtsinnig in Lebensgefahr. Und doch hat er am Ende seine Eignung zum Kripobeamten bewiesen.

Dass man in der Kurzgeschichte nicht entscheidend mehr über Kurt Wallander erfährt als in den Rückblicken der Serie, wusste ich noch von der Lektüre vor einigen Jahren. Der politische Ansatz Mankells ist aber auch hier zu spüren und die Krimihandlung ist nicht aufregend, aber doch unterhaltsam. Allerdings hat mir bei der einstündigen Hörspielfassung auf einer CD die typische Atmosphäre der Wallander-Krimis gefehlt und ich habe wieder einmal festgestellt, dass ich Lesungen Hörspielen deutlich vorziehe. Die Musik und die Geräusche sind mir zu unangemessen dramatisch und zu laut und ich hatte Mühe, die an sich angenehme Stimme von Andreas Bisowski als diejenige Kurt Wallander zu akzeptieren. Gut gefallen hat mir die Interpretation des erfahrenen Hemberg durch Jürgen Thormann, dem ich die wohlwollende, väterlich-mahnende Strenge gegenüber dem Newcomer jederzeit abnehmen konnte.

Henning Mankell: Wallanders erster Fall / Hörspielbearbeitung: Moritz Wulf Lange. Der Hörverlag 2003
www.randomhouse.de

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