Ein Stinktier fürs Leben

Für die meisten Menschen ist der zehnte Geburtstag ein Geburtstag wie jeder andere, aber für manche, wie z. B. für Zora, ist es ein ganz besonderer. Sie bekommen dann nämlich ihre „Begleiter“, sog. „Totemtiere“, die von nun an lebenslang nicht mehr von ihrer Seite weichen und für alle ohne Begleiter unsichtbar sind. Auch Zora hat bisher nichts von Lasse, dem Eisbären ihres Vaters, oder Mathilde, dem Zebra ihrer Schwester, geahnt, genausowenig wie ihre begleiterlose Mutter.
Doch dann taucht an Zoras zehntem Geburtstag plötzlich Dieter auf, das respektlose, freche, selbstbewusste, verfressene Stinktier, das gerne auch seine Stinkbomben als Waffe einsetzt. Zora ist entsetzt, erst recht, als sie feststellt, dass die coole Jessica und deren Freundin Lili ein tolles Einhorn und einen kuscheligen Fuchs haben. Nur die Außenseiter der Klasse, Leon und Anna, haben Tiere, die Zoras Stinktier vergleichbar sind: Leon die hyperaktive Ratte Jasper und Anna das Faultier Paula. Zoras Wunsch, endlich in Jessicas coole Clique aufgenommen und zu ihrer Party eingeladen zu werden, rückt in unerreichbare Ferne. Aber lohnt es sich wirklich, sich den Zicken Jessica und Lili anzudienen? Sind der unscheinbare Leon und die stille Anna nicht vielleicht sogar die interessanteren Freunde? Hat Dieter recht, wenn er Jessica und Lili als „doofe Schnepfen“ bezeichnet? Und dann hat Zora ja auch noch ihre beste Freundin Kati, die erst in einem Monat ihren zehnten Geburtstag feiert. Soll sie ihr von Dieter erzählen und wird Kati ihr überhaupt glauben?
Vordergründig ist Gegen uns könnt ihr nicht anstinken vor allem ein sehr lustiges, witzig illustriertes Kinderbuch, das man ab sechs Jahren vorlesen und ab der dritten Klasse selber lesen kann. Hinter der Geschichte um Freundschaften, Außenseiter, Mobbing und vermeintlich coole Cliquen steckt aber viel mehr als nur sehr gute Unterhaltung. Den wahren Wert von Menschen (und Begleitern) zu erkennen, Coolness von Zickigkeit zu unterscheiden, sich nicht vom äußeren Anschein blenden zu lassen und zu erkennen, dass, was auf den ersten Blick furchtbar erscheint, sich als Glück entpuppen kann, denn dass Dieter mehr als ein „stinkender Käse auf vier Beinen“ ist, erkennt Zora bald, dafür möchte dieses Buch wichtige Gedankenanstöße und Gesprächsgrundlagen geben. Ich kann es deshalb Mädchen und Jungen empfehlen und verspreche auch den Vorlesern viel Spaß und gute Unterhaltung.
Rüdiger Bertram: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken. cbj 2016
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Auf einer CD mit ca. 87 Minuten Laufzeit liest die Schauspielerin Suzanne von Borsody zwei Kurzkrimis der bedeutendsten, vielfach ausgezeichneten französischen Krimiautorin Fred Vargas.
Nachdem ich in der Vorbereitung auf die Fortsetzung zu Cornelia Funkes 1997 erschienenem Drachenreiter den ersten Band noch einmal mit Begeisterung gelesen hatte, war ich skeptisch, ob ein zweiter Band die hohe Vorgabe des ersten würde halten können, doch die Zweifel waren unbegründet. Der neue Band Drachenreiter – Die Feder eines Greifs steht dem ersten weder in der Spannung noch in der Fantasie oder Sprache im Geringsten nach und ist durch die vielen Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die Zitate am Anfang jedes Kapitels und den sehr detaillierten zwölfseitigen Anhang über Figuren und Orte noch deutlich mehr ausgeschmückt.
Auf vier CDs liest Monty Arnold Cornelia Funkes geniales Fantasymärchen Drachenreiter mit angenehmer, nuancenreicher Stimme, ergänzt durch kurze Musiksequenzen von Ulrich Maske. Monty Arnold bringt die Stärken des Textes sehr gut zur Geltung, indem er den vielfältigen Charakteren durch die Stimmveränderungen noch mehr Leben einhaucht.
Neben Herr der Diebe ist der 1997 erschienene Drachenreiter mein Favorit im umfangreichen Werk von Cornelia Funke, obwohl ich sonst eher keine Fantasyleserin bin. Mag sein, dass es daran liegt, dass der Roman so märchenhafte Anklänge hat, dass die vielen Arten von Fabeltieren so ausgeprägte Charaktere haben und meist sehr sympathisch sind, und dass Cornelia Funke völlig auf gewalttätige Szenen verzichtet.
Im Gegensatz zu den meisten historischen Romanen lese ich historische Krimis sehr gerne. Die Einbettung des Kriminalfalls in einen geschichtlichen Kontext, die langsamere Gangart der Ermittlungen durch die eingeschränkten technischen Möglichkeiten und die dadurch bedingte größere Bedeutung des polizeilichen Spürsinns und der Intuition der Ermittler machen für mich den Reiz dieses Genres aus. Wenn der Krimi dann auch noch so atmosphärisch und spannend wie Der Angstmann von Frank Goldammer geschrieben ist, und der Verlag sowohl bei der Gestaltung als auch beim Klappentext gute Arbeit geleistet hat, sind alle meine Erwartungen erfüllt.
Diese Lebensgeschichte des Nelson Mandela stammt aus der Biografien-Reihe für Jugendliche ab ca. 14 Jahren aus dem Verlag Beltz & Gelberg und ist durchaus auch für Erwachsene als Einstieg empfehlenswert.
Hatte Jonathan den Nix, den thermoskannengroßen „Seejungmann“ mit den grünen Haaren, dem Fischschwanz und dem Dreizack, am Ende von Band eins, Verflixt – ein Nix, an die Ostsee zurückgebracht, so ist er ein Jahr später in Band zwei einfach wieder da!
Für den siebenjährigen Jonathan verläuft der Start in die zweite Klasse mehr als holprig, denn in einem Muscheleimer hat er versehentlich einen Nix, also eine männliche Nixe, einen „Seejungmann“, von der Ostsee mit nach Hause genommen, und der ist zwar niedlich, macht ihm aber jede Menge Scherereien. Nicht nur, dass der thermoskannengroße Nix mit den grünen Haaren, dem Fischschwanz und der dreizackigen Gabel immer nur sichtbar wird, wenn das Wasser rauscht, er verursacht ein Chaos im Bad, überschwemmt die Wohnung, fordert Fisch als Nahrung, quengelt gerne herum und bringt Jonathans ganze Klasse durcheinander. Als er sich dann auch noch in die Lehrerin, Frau Kägele, verliebt, und sie unbedingt „retten“ will, um berühmt wie Arielle zu werden, ist Jonathan mit seinem Latein am Ende. Sein frischverliebter Vater und die ansonsten so liebe Frau Kägele verlieren allmählich die Geduld mit ihm, denn ihnen zeigt der Nix sich natürlich nicht und Jonathan glaubt ja leider keiner!
Claudie Gallays Roman Les déferlantes aus dem Jahr 2008, der 2010 auf Deutsch unter dem Titel Die Brandungswelle erschien, stand damals nicht nur monatelang auf der französischen Bestsellerliste, sondern war auch für mich eine ganz große Entdeckung. Mehr noch als die Handlung hat mich damals die Beschreibung der Natur, der Vogelwelt und des Meeres, die die eigentlichen Protagonisten sind, begeistert.