Zu viele Geister für meinen Geschmack
Ich hatte mich sehr auf dieses kleine Büchlein gefreut, da die Gestaltung der sehr hochwertig hergestellten Klappenbroschur, die auch nach dem Lesen keinerlei Gebrauchsspuren zeigt, außerordentlich gut gelungen ist. Das Cover mit den federleicht schwebenden Blüten und der angenehmen Farbgebung passt sehr gut zum Titel und so hatte ich zunächst den Eindruck, eines „meiner“ Bücher in Händen zu halten.
Die Japanerin Banana Yoshimoto, geboren 1964, erzählt in Lebensgeister vom Kampf einer jungen Frau zurück ins Leben. Die Ich-Erzählerin Sayoko hat bei einem Autounfall ihren Lebenspartner verloren und wurde selbst schwer verletzt. Dabei wiegen die seelischen Wunden noch schwerer als die ebenfalls gravierenden körperlichen, denn der Künstler Yōichi war Sayokos große Liebe.
Konnte ich die Geister im ersten Teil der Geschichte, ihr verstorbener Großvater und ihr Hund, denen sie an der Schwelle zwischen Leben und Tod begegnet, noch gut akzeptieren, so sind mir die Geister von Verstorbenen, die sie nicht kannte und im zweiten Teil bei fortgeschrittener Heilung immer wieder sieht, zu viel geworden. Ob es daran liegt, dass mir jeglicher Sinn für Übersinnliches und Esoterik komplett abgeht? Auch die Menschen, die Sayoko neu kennenlernt, der Barkeeper aus ihrer Stammkneipe, in der sie jeden Abend trinkt, und der schwule Ataru sind mir fremd geblieben. Gut gefallen hat mir dagegen, wie Sayoko schließlich den Absprung aus der Wohnung ihrer liebevoll-besorgten Eltern schafft, ihr Verhältnis zu Yōichis Eltern, das dem einer Tochter sehr nahekommt, und das Bemühen um seinen künstlerischen Nachlass. Interessant fand ich auch das Bild des Nabels, den Sayoko verloren hat, und ihr Bemühen darum, ihn wieder zu finden.
Da ich bisher zu wenig japanische Literatur gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob ich lediglich zu diesem Titel der Bestsellerautorin keinen guten Zugang gefunden habe, oder ob mir die Literatur dieses Landes generell fremd ist. An der Arbeit des Übersetzers Thomas Eggenberg hat es jedenfalls nicht gelegen, denn mit den vielen erklärenden Fußnoten hat er mich als japanunkundige Leserin bestens unterstützt.
Banana Yoshimoto: Lebensgeister. Diogenes 2016
www.diogenes.ch
Grund für die irische Finanzkrise 2008 waren eine Aufblähung des Finanzsektors durch den Kapitalzufluss ausländischer Unternehmen und riskante Immobilieninvestments. Zunächst verdienten die meisten Iren mit, dann kam der jähe Zusammenbruch, der von einigen als die schlimmste Zeit seit der großen Hungersnot in den 1840er-Jahren beschrieben wird.
Mag sein, dass ein Teil meiner Begeisterung für dieses Buch einerseits meiner Verehrung für Henning Mankell und andererseits meiner Liebe zu Schweden und zur Schärenlandschaft geschuldet ist. Mankells Tod im Oktober 2015 hat mich erschüttert und das Wissen, hier seinen letzten Roman in Händen zu halten, der von so tiefer Melancholie durchzogen ist, hat mich stark bewegt. Die Themen Einsamkeit, Alter und Tod stehen im Mittelpunkt, viel mehr als die eigentliche Handlung, und mit dem Wissen um Mankells schwere Erkrankung lesen sich die Gedanken und Gefühle seines Protagonisten Fredrik Welin mit einer selten empfundenen tiefen Intensität.
Auch der zweite historische Roman der geborenen Stuttgarterin Petra Gabriel spielt in Südbaden, allerdings dieses Mal nicht wie Zeit des Lavendels im 16., sondern im Falle von Die Gefangene des Kardinals im 17. Jahrhundert.
Zum Reformationsjubiläum 2017 passt der historische Roman Zeit des Lavendels von Petra Gabriel, in dem es um das dramatische Schicksal einer jungen Frau Mitte des 16. Jahrhunderts geht. Der Bauernkrieg ist kaum 20 Jahre vorbei, die Buntschuhler noch in den Wäldern, Luthers Lehren faszinieren immer mehr Menschen, obwohl die katholische Kirche die „Ketzer“ verfolgt, und die Hexenverfolgungen sind auf ihrem Höhepunkt.
Auf einer dreiwöchigen Rundreise durch Irland haben wir Heinrich Bölls Klassiker Irisches Tagebuch als Vorleselektüre während längerer Autofahrten gewählt, und soweit die Straßen nicht zu holprig zum Lesen waren, war es die perfekte Unterhaltung. Auch wenn es Bölls in 18 Miniaturen beschriebenes Irland so heute natürlich nicht mehr gibt, ja nicht einmal das im nachgestellten Essay 13 Jahre bzw. „gefühlte eineinhalb Jahrhunderte später“, so erkennt man doch auch heute vieles von dem, was er mit so scharfsinniger Beobachtungsgabe hochliterarisch beschreibt, wieder.
Bevor Lola Rosa Salz im Jahr 1990 85-jährig ins Schattenreich des Komas hinübergleitet, in dem sie bis zu ihrem Tod im Alter von 110 Jahren verharren wird, ist ihr Leben geprägt von Schatten – vorhandenen und fehlenden – und vom Leipziger Hotel Fürstenhof.
Zur Mädchen-Pferde-Reihe Lotta & Knuffel von Berit Bach für kleine Erstleserinnen ab Ende der ersten Klasse gehört der auch unabhängig problemlos zu lesende Band Aufregung um Knuffel. Knuffel, Lottas geliebtes Pony, das sie einst vor dem Schlachter gerettet hat, mag zuerst einfach nicht über Hindernisse springen und ist dann plötzlich spurlos verschwunden. Hat es ihr übelgenommen, dass sie ihm keinen Apfel gegeben hat? Oder hängt sein Verschwinden mit dem Zirkus Herkules zusammen, zu dem es früher gehört hat und der gerade wieder in der Stadt gastiert? Zusammen mit ihrer Reiterfreundin Lena macht Lotta sich auf die Suche.
Für absolute Leseanfänger sind die Erstleserbücher der ersten Lesestufe nach der Silbenmethode aus der Reihe Leserabe sehr empfehlenswert. Die große Fibelschrift, kurze Textabschnitte mit maximal sieben kurzen Zeilen im Flattersatz, überwiegend ein- und zweisilbige Wörter und die farblich abgesetzen Silben machen das Lesenlernen einfach und verhelfen den Leseanfängern zu ersten Erfolgserlebnissen. Durch die farbige Aufteilung der Wörter in Buchstabengruppen werden die Wörter strukturiert und ihr Sinn ist leichter zu erfassen. Mit Hilfe der Rätselfragen am Ende des Buches können die Kinder ihr Leseverständnis zusätzlich testen.