Jennifer Clement: Gebete für die Vermissten

Wo bleibt die Hoffnung?

Trotz aller Zeitungsmeldungen – so hoffnungslos und brutal wie in diesem Buch geschildert hätte ich mir die Situation in Mexiko doch nicht vorgestellt. Ein Land im Würgegriff der Drogenkartelle, in dem ein (Frauen-)Leben nichts wert ist, geschildert aus der Sicht eines jungen Mädchens, das keine Kindheit hatte, auf erschreckend fatalistische Art und Weise. Schade nur, dass das Ende relativ offen bleibt. Gerne hätte ich erfahren, wie es mit Ladydi und ihrem Kind weitergeht!

Jennifer Clement: Gebete für die Vermissten. Suhrkamp 2014
www.suhrkamp.de

Rainbow Rowell: Eleanor & Park

Fünf Sterne und mehr…  

Wenn man ein Buch in der Hand hält, das perfekt gestaltet ist und von überall her nur mit Lob überschüttet wurde, hat man Angst davor, beim Lesen enttäuscht zu werden. Jedenfalls ging es mir vor dem Lesen so. Aber zum Glück war die Angst unbegründet, denn dieser Jugendroman hat wirklich jedes positive Wort, das über ihn gesagt wurde, verdient. Und am liebsten hätte ich beim Lesen mit dem Textmarker angestrichen, so schön sind einzelne Passagen und Sätze!

„Das Leben ist ein Mistkerl“, schimpft Eleanor gegen Ende des Romans, aber kann man das wirklich sagen, wenn man eine solche Liebe erlebt hat? Eleanor und Park lernen sich im Schulbus kennen. Eleanor hat ein Jahr in einer Pflegefamilie verbracht und ist jetzt in ihre richtige Familie zurückgekehrt, zu ihrer Mutter, ihren Geschwistern und dem Stiefvater. Die Verhältnisse dort sind untragbar. Der Stiefvater, Alkoholiker und drogensüchtig, schlägt die Mutter und demütigt die verunsicherten Kinder. Die Wohnverhältnisse und die gesamte finanzielle Situation der Familie sind katastrophal, so dass Eleanor schon allein durch ihre Kleidung zum Gespött der neuen Schulkameraden werden muss. Park, der hübsche Halbkoreaner, ebenfalls Außenseiter, lässt sie zwar aus Mitleid im Bus neben sich sitzen, baut aber eine Mauer zwischen ihnen auf, die erst nach und nach fällt. Er scheint aus einer perfekten Familie zu kommen, doch auch dort gibt es Brüche und Probleme, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.

Wie Park und Eleanor trotz ihrer großen Verschiedenheit zueinander finden und sich doch auch wieder verlieren(?), erzählt die Autorin Rainbow Rowell meisterhaft einfühlsam und trotzdem völlig ohne jeden Kitsch und ohne Klischees. Dass abwechselnd aus Sicht beider Protagonisten erzählt wird, aber zum Glück nicht in der oft so holprigen Ich-Form, macht das Buch noch spannender und unmittelbarer. Und nicht zuletzt ist dem Hanser-Verlag zu danken für einen druckfehlerfreien Text und eine ästhetisch rundherum ansprechende Gestaltung sowie der Übersetzerin für die gute Sprache, die ich besonders bei einem Jugendroman für enorm wichtig halte!

Rainbow Rowell: Eleanor & Park. Hanser 2015
www.hanser-literaturverlage.de