Robert Brack: Die rote Katze

Empfehlenswerter historischer Krimi mit technischen Schwächen

Wer gerne historische Krimis liest, ist mit diesem zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamburg, Schwerpunkt St. Pauli, spielenden Buch bestens bedient. Die Schilderung der Zeit- und Lebensumstände ist großartig gelungen und die Charaktere sind glaubhaft und facettenreich angelegt. Obwohl der Krimi mit einem Paukenschlag, der Ermordung einer Revue-Tänzerin, beginnt, wird das Tempo dann der Zeit angepasst und die Ermittlungen laufen für unser heutiges Verständnis gemütlich. Das habe ich keinesfalls als negativ empfunden, im Gegenteil fand ich die ausführliche Schilderung jedes Ermittlungsschritts und der neuen Ermittlungsmethoden (Fingerabdrücke) ausgesprochen interessant, aber wer einen Thriller erwartet, sollte die Hände von diesem Buch lassen. Ebenfalls gut gefallen haben mir die Rückblenden in das Leben des soeben von der Marine in den Polizeidienst übergewechselten Protagonisten Heinrich Hansen und seiner Jugendfreunde. Es ist sehr spannend zu erleben, was aus der Jugendbande der Piraten geworden ist.

Dass ich trotzdem nur 4 von 5 Sternen vergebe, ist erstens dem Umstand geschuldet, dass die sehr häufigen fehlerhaften Zeilenumbrüche bei diesem jetzt nur als E-Book erschienen Titel, den es 2005 schon mal als Taschenbuch gab, den Lesefluss erheblich stören. Auch ist die Darstellung auf dem Bildschirm nicht immer korrekt. Zweitens stört es mich als Buchhändlerin erheblich, dass der Titel für nur 3,99 Euro „verramscht“ wird. Mühelos könnte ich das Buch als gedrucktes Taschenbuch für ca. 10 Euro verkaufen und als E-Book für 2 Euro weniger. Weder Verlag noch Buchhandel können von diesen Preisen leben, warum also diese ruinöse Preisgestaltung?

Robert Brack: Die rote Katze. Midnight 2015
midnight.ullstein.de

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