Stefan Zweig: Joseph Fouché

Ein Chamäleon der Politik

Den „psychologisch interessantesten Charakter seines Jahrhunderts“ hat Balzac den stets im Hintergrund agierenden Politiker Joseph Fouché (1759 – 1820) genannt und Napoleon hat auf St. Helena über ihn gesagt: „Ich habe nur einen wirklichen, vollendeten Verräter gekannt: Fouché!“

Mit seiner meisterhaften Gabe, sich in Gestalten aus Kultur und Geschichte hineinzuversetzen, erzählt Stefan Zweig in dieser Romanbiografie das Leben eines weitgehend unbekannten Mannes, der 25 Jahre lange die Politik Frankreichs aus dem Hintergrund maßgeblich mitbestimmt hat. Mönch und Kirchenplünderer, Kommunist und später Millionär und Herzog, Königsmörder und Royalist, Polizeiminister unter dem Direktorium genauso wie unter Napoleon und Ludwig XVIII, diese unglaublichen Stationen eines Lebens im revolutionären Frankreich zeichnet Stefan Zweig minutiös nach.

Wie kann es sein, dass ein solcher Mann, der acht verschiedene Treueeide leistete, von denen jeder mit einer Kehrtwende verbunden war, so unbekannt blieb? Anschaulich erklärt Zweig, wie das Chamäleon Fouché das Licht scheute und stets von der Angst getrieben wurde, zur Minderheit zu gehören.

Für mich ist diese Romanbiografie spannend wie ein Psycho-Thriller und anschaulicher als ein Geschichtsbuch und mein absoluter Favorit unter Stefan Zweigs Büchern.

Stefan Zweig: Joseph Fouché. Fischer 1988
www.fischerverlage.de

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