„Du kannst die Zukunft ändern“ (Papina)
Aus
gangspunkt für den ersten Roman des Briten Richard Kurti, der in Cambridge Philosophie und Englisch studiert und bisher als Drehbuchautor und Regisseur gearbeitet hat, ist eine wahre Begebenheit. Als es in New Delhi durch die angriffslustigen und frech stehlenden wilden Rhesusaffen zu einem tragischen Unfall mit Todesfolgen kam, sah sich die Stadtverwaltung zu Gegenmaßnahmen gezwungen. Da gläubige Hindus Affen als Verkörperung des Affengottes Hanuman ansehen und ein direktes Vorgehen der Behörden dadurch nicht möglich war, wurde mit der Ansiedlung der den Rhesus körperlich überlegenen Languren versucht, erstere zu vertreiben.
Kurtis Roman spielt in Kalkutta und beginnt mit einem brutalen Massaker von Languren an einer Rhesushorde, die seit langem friedlich auf einem alten Friedhof haust. Die übrig gebliebenen Rhesusweibchen und ihre Jungen fliehen und schlagen sich zunächst mühsam auf der Straße durch, bevor sie in einem übervölkerten Ghetto für vertriebene Rhesus Unterschlupf finden, die Languren beziehen den Friedhof. Zwei junge Affen erleben den Beginn dieses Bürgerkriegs hautnah mit: der kleine Langur Mico, der nun ein fantastisches neues Zuhause übernimmt, aber schon bald entdeckt, mit welcher Grausamkeit es erkauft wurde, und die kleine Rhesusäffin Papina, die nicht nur ihren Vater, sondern auch ihre Heimat verloren hat.
Als der Anführer der Langurenhorde, Lord Gospodar, bald darauf unter ungeklärten Umständen stirbt, setzt sich der kluge aber durchtriebene und vollkommen skrupellose Tyrell an die Spitze der Languren. Sein Machthunger ist unstillbar, bald träumt er davon, nicht nur seine Affengegner, sondern die Menschen der Stadt auszurotten oder zu beherrschen. Jedes Mittel ist ihm recht und er schreckt vor keiner Lüge zurück, um seine Ziele zu erreichen. Während er seine Macht immer mehr ausbaut und dazu sogar Berberaffen als Söldner anheuert, werden seine Languren immer unfreier und unselbständiger.
Der kluge Mico, der aus Berechnung in Tyrells Diktatur immer weiter aufgestiegen ist, führt ein Doppelleben: Mit seiner heimlichen Freundschaft zu Papina überbrücken die beiden als einzige die feindlichen Gräben und hoffen darauf, mit Micos Insiderinformationen aus dem Machtzentrum der Languren dem Frieden zwischen den verfeindeten Stämmen näher zu kommen.
Richard Kurtis großartig erzählter Roman, der immer wieder an George Orwells Animal Farm erinnert, ist eine lange, düstere Parabel, in der sich immer wieder die Frage stellt, inwieweit und aus welchen Beweggründen der einzelne in einem Unrechtsregime kollaborieren darf. Er zeigt aber auch, wie die Affen sich durch den Entzug der Freiheit verändern, und dass es sich lohnt, mit List gegen scheinbar übermächtige Gegner vorzugehen. Und nicht zuletzt ist es die Geschichte einer Freundschaft über Gräben hinweg.
Ein ausgesprochen empfehlenswerter Roman mit vielen Denkanstößen für alle ab 16 Jahren, wegen einiger sehr grausamer Szenen aber nicht früher.
Richard Kurti: Krieg der Affen. dtv 2015
www.dtv.de


m 200. Geburtstag von Charles Darwin ist in der Reihe „Abenteuer und Wissen“ von Maja Nielsen ein Band erschienen, der Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren den großen Theologen und Naturforscher auf spannende und lebendige Weise nahe bringt. Der Schwerpunkt der reich bebilderten, gut verständlichen und übersichtlichen Biografie liegt bei Darwins fünf Jahre dauernder Reise auf der Beagle und seinen spektakulären Funden. Sehr anschaulich wird erklärt, warum er 20 Jahre brauchte, bis er seine Ergebnisse veröffentlichte, und warum seine Forschungen die Welt veränderten.
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wiebelfische sind im Buch- und Zeitungsdruck falsch gesetzte Lettern. In den Zwiebelfisch-Kolumnen von Bastian Sick bei SPIEGEL ONLINE stehen sie analog für „falsch gesetzte Wörter“.