Familie, Freundschaft, Liebe
Z
ugegeben, Die Schatten von Race Point sind literarisch nicht der Höhepunkt des mare-Verlagsprogramms. Da mich dieser Roman aber über knapp 600 Seiten so gut unterhalten hat, möchte ich ihn trotzdem unbedingt allen empfehlen, die einen spannenden, gut gemachten, emotionalen, flüssig geschriebenen und leicht lesbaren Unterhaltungsroman, einen richtigen Schmöker, suchen, der nebenbei ein ganz kleines bisschen kitschig ist.
Erzählt wird die Geschichte von drei Freunden über gut 30 Jahre. Hallie, Gus und Neil wachsen zusammen in dem schillernden Städtchen Provincetown an der Spitze von Cape Cod auf. Hallies verwitweter Vater, eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten des Romans, ist Arzt in Provincetown und wird von seiner Tochter und seinen Patienten gleichermaßen verehrt und geliebt.
Der Roman beginnt 1978 mit der Ermordung von Gus’ Mutter durch seinen gewalttätigen Vater. Der neunjährige Gus, schwer traumatisiert und von Selbstvorwürfen gequält, verstummt, und auch dem charismatischen Arzt gelingt es nur vorübergehend, ihn aus seinem Schweigen zu reißen. Dieses Wunder schafft schließlich Hallie, die ihn durch beharrliche Besuche und dem Vorlesen aus David Copperfield ins Leben zurückzuholen.
In den folgenden Jahren entwickelt sich der gutaussehende Gus immer mehr zum Mädchenschwarm, doch letztlich ist es Hallie, die seine große Liebe wird. Die Weichen für die Zeit nach dem Schulabschluss sind gestellt, als es bei der Abschlussfeier zur großen Katastrophe zwischen den Freunden Gus und Neil kommt, die das Leben aller drei komplett und für immer verändert.
Die ersten 400 Seiten werden von einem auktorialen Erzähler abwechseln über Hallie und Gus erzählt, später kommt eine Ich-Erzählerin dazu. Dadurch lernt man als Leser verschiedene Perspektiven kennen, die den Roman äußerst lebendig machen.
Ein bisschen Dornenvögel (durch Gus’ Entschluss, Priester zu werden), ein bisschen Vom Winde verweht (wenn Hallie sich immer wieder Kraft in ihrem Elternhaus holt), aber auch ganz viele überraschende Wendungen sind die Zutaten zu diesem Pageturner. Besonders gut gefallen haben mir auch die wunderbaren Naturbeschreibungen und die Schilderungen des Lebens in Provincetown, das man als Tourist so ganz anders erlebt.
Zuletzt war ich traurig, dass das Buch nach 600 Seiten schon ausgelesen war. Aber ich bin zuversichtlich, dass es irgendwann einen Film oder eine Serie dazu geben wird, denn dafür wäre der Stoff wie gemacht.
Und ob das Ende im Jahre 2011 ein Happy End ist oder nicht, muss jeder selber für sich entscheiden…
Patry Francis: Die Schatten von Race Point. mare 2015
www.mare.de


ier junge Frauen und vier junge Männer, alle Mitglieder eines Chores, verbringen ein gemeinsames Probewochenende, als nach einer druchzechten Nacht einer von ihnen im flachen Uferwasser des Sees ermordet aufgefunden wird. Für ihren stets betrunkenen Chef muss Maria Kallio, die junge Kommisssarin auf Zeit bei der finnischen Polizei, hin- und hergerissen zwischen dem Polizeidienst und ihrem Jurastudium, die Ermittlungen übernehmen. Eine schwierige Situation, denn aus ihrer Studentenzeit kennt sie nicht nur den Toten, sondern auch die sieben Verdächtigen, von denen einer der Täter gewesen sein muss. Schnell bröckelt die Fassade einer heilen Welt des Chorgesangs. Zum Vorschein kommen Intrigen, Eifersucht und wechsende Liebesbeziehungen.
Dieser Klassiker der Südstaatenliteratur erschien 1960 und wurde 1961 mit dem Pulitzer-Preis gewürdigt. Bis 2015 war es der einzige Roman der Amerikanerin Harper Lee, dann wurde mit Geh hin, stelle einen Wächter ein frühes Manuskript von Wer die Nachtigall stört… gefunden und veröffentlicht.
Die Niederländerin Threes Anna lässt uns eintauchen in die Kultur Indiens, umgibt uns mit den Gerüchen und der flirrenden Hitze dieses Landes.
Erholsame Ferien in ländlicher Idylle möchte die Schauspielerin Katharina Thalis mit ihrer Tochter Noa und einem Freund verbringen, deshalb hat sie ein etwas heruntergekommenes Haus in einem verschlafenen Dorf im Westerwald gemietet. Doch Noa kommt nicht zur Ruhe. Da ist einmal der Dauerkonflikt mit ihrer Mutter, die die Schauspielerin auch im Privatleben nicht ablegen kann, dann David, der Junge aus dem Dorf, in den sie sich verliebt, und darüber hinaus die unheimliche Atmosphäre, die das alte Haus, von ihr „Whisper“ genannt, ausstrahlt. Während einer mehr zum Scherz abgehaltenen abendlichen Séance erscheint dann auch prompt der Geist eines Mädchens und behauptet, vor 30 Jahren in diesem Haus ermordet worden zu sein. Noa und David beginnen zu recherchieren und stoßen im Dorf auf Schweigen, Ablehnung und Ausflüchte.
n bezauberndes Geschenk haben uns Sempé und der Diogenes Verlag mit diesem großformatigen, prächtigen Bildband zum 80. Geburtstag des Künstlers im Jahr 2012 gemacht. Nicht ins Bücherregal, sondern auf den Tisch gehört dieses Buch, in dem alle Generationen blättern und sich an der zeitlosen Lebensweisheit und dem hintergründigen Humor der Zeichnungen und Karikaturen erfreuen können.
.. es gab auf der Welt kein fahrradtechnisches Problem, das Paul Tamburin nicht gelöst hätte. Sein Ruf war so gewaltig, dass man im ganzen Landkreis zu einem Fahrrad nicht mehr Fahrrad sagte, sondern einfach Tamburin.“