Biografie und Zeitzeugnis

Bisher kannte ich Ali Mitgutsch nur aus seinen Wimmelbüchern, unzählige Male angeschaut mit den Kindern und immer wieder Neues entdeckend. Den Zeichner hinter den Büchern kannte ich bisher nicht, habe ihn nun aber dank der Biografie über seine Kindheit aus Anlass seines 80. Geburtstags kennengelernt. Ingmar Gregorzewski, sein Freund und Berater, hat zahlreiche Gespräche mit Ali Mitgutsch geführt und diese so niedergeschrieben, dass man den Plauderton des Erzähler jederzeit durchspürt, ohne dass die Sprache zu sehr wie gesprochene Sprache wirkt. Dieser schwierige Spagat ist durchgehend sehr gut geglückt, ebenso wie die richtige Balance zwischen offener Sympathie und journalistischer Distanz.
Ali, eigentlich Alfons, Mitgutsch wurde 1935 als Nesthäkchen und Nachzügler in eine kleinbürgerliche Münchner Familie geboren. Seine Kindheit fiel somit in die Kriegs- und Nachkriegszeit und es verwundert nicht, dass zu seinen ersten Erinnerungen die Bombennächte in den Kellern gehören. In der Familie sehr geborgen, lernte er doch das harte Leben im Krieg, die Zerstörungen, das Leid, als der geliebte ältere Bruder fiel, die Schrecken der Evakuierung, das Mobbing durch Kameraden und Lehrer und den Hunger und Mangel im Nachkriegsdeutschland kennen. Gleichzeitig war diese Kindheit mit ihren zahlreichen kleinen und großen Abenteuern und den anregenden Erzählungen der Mutter sicher prägend für die Fantasie, die aus jedem seiner Bilder spricht. Ein bisschen hat mich Ali Mitgutschs Werdegang an Sempé erinnert, der nach einer alles anders als heiteren Kindheit immer nur glückliche Menschen zeichnen wollte und Groß und Klein mit seinen zugleich humorvollen und ernsten Cartoons begeistert.
Herzanzünder ist eine Aneinanderreihung von heiteren und bedrückenden Anekdoten, so dass ich in Anlehnung an seine Bilder von einem „Wimmel-Lesebuch“ über seine Kindheit sprechen möchte. Auch hier wird man beim wiederholten Lesen immer wieder Neues entdecken. Als Kindheitszeugnis steht es stellvertretend für viele Kindheiten der in den 1930er-Jahren geborenen Generation, und es ist ungeheuer wichtig, dass diese Zeitzeugenerzählungen jetzt aufgeschrieben werden, bevor sie endgültig verloren gehen.
Das Buch lässt sich sehr gut auch Kindern vorlesen, am besten von den Großeltern oder Urgroßeltern, die ihre eigenen Erinnerung ergänzen können.
Ingmar Gregorzewski & Ali Mitgutsch: Herzanzünder. dtv 2015
www.dtv.de
Die Niederländerin Threes Anna lässt uns eintauchen in die Kultur Indiens, umgibt uns mit den Gerüchen und der flirrenden Hitze dieses Landes.
Erholsame Ferien in ländlicher Idylle möchte die Schauspielerin Katharina Thalis mit ihrer Tochter Noa und einem Freund verbringen, deshalb hat sie ein etwas heruntergekommenes Haus in einem verschlafenen Dorf im Westerwald gemietet. Doch Noa kommt nicht zur Ruhe. Da ist einmal der Dauerkonflikt mit ihrer Mutter, die die Schauspielerin auch im Privatleben nicht ablegen kann, dann David, der Junge aus dem Dorf, in den sie sich verliebt, und darüber hinaus die unheimliche Atmosphäre, die das alte Haus, von ihr „Whisper“ genannt, ausstrahlt. Während einer mehr zum Scherz abgehaltenen abendlichen Séance erscheint dann auch prompt der Geist eines Mädchens und behauptet, vor 30 Jahren in diesem Haus ermordet worden zu sein. Noa und David beginnen zu recherchieren und stoßen im Dorf auf Schweigen, Ablehnung und Ausflüchte.
n bezauberndes Geschenk haben uns Sempé und der Diogenes Verlag mit diesem großformatigen, prächtigen Bildband zum 80. Geburtstag des Künstlers im Jahr 2012 gemacht. Nicht ins Bücherregal, sondern auf den Tisch gehört dieses Buch, in dem alle Generationen blättern und sich an der zeitlosen Lebensweisheit und dem hintergründigen Humor der Zeichnungen und Karikaturen erfreuen können.
.. es gab auf der Welt kein fahrradtechnisches Problem, das Paul Tamburin nicht gelöst hätte. Sein Ruf war so gewaltig, dass man im ganzen Landkreis zu einem Fahrrad nicht mehr Fahrrad sagte, sondern einfach Tamburin.“
ährend der erste Schnee des Winters in Stockholm fällt, beobachten wir den Mord an dem Altertumsforscher Carl Petersson, ausgeführt von Mari, seiner Geliebten.
Lena Christ, unehelich geborene Häuslerstochter, verlebte bis zu ihrem achten Lebensjahr eine glückliche Kindheit bei den Großeltern. Ihr Leidensweg begann, als Mutter und Stiefvater sie als billige Arbeitskraft in ihre Gaststätte holten, wo sie schwer misshandelt wurde. Mit 19 Jahren floh sie in die Ehe mit einem Trinker, der sie ebenfalls misshandelte und vergewaltigte. Von den drei Kindern verlor sie bei der Trennung den Sohn an die Schwiegereltern. Es folgte der vollkommene soziale Abstieg in einer heute kaum vorstellbaren Ausprägung.
ommissar Martin ist doppelt im Stress: Privat steht er zwischen seiner Exfrau Myriam und seiner neuen Freundin Marion und seine Tochter ist ungewollt schwanger, dienstlich hält ihn ein psychpatischer Serienmörder, der es auf schlanke, große, brünette Frauen abgesehen hat und sie mit einer Spielzeugarmbrust hinrichtet, in Atem. So hört er auch nur mit halbem Ohr zu, als Myriam ihm von ihrer Angestellten Rosexyne erzählt, die sich in letzter Zeit so auffällig verändert hat.
ebastian Lukasser kennt Madalyn seit ihrer Geburt, denn sie lebt mit ihren Eltern im selben Haus in Wien. Das einsame, offene Kind mit den wilden Locken und den älteren Schriftsteller, den Köhlmeiers Leser bereits aus seinem Roman Abendland kennen, verbindet schon lange eine ganz besondere Freundschaft. Deshalb zieht sie ihn ins Vertrauen, als sie mit 14 ihre erste Liebesgeschichte erlebt, denn Moritz, der Junge aus der Klasse über ihr, ist alles andere als einfach. Er gilt als schwer erziehbar, lebt in unübersichtlichen Familienverhältnissen, knackt Automaten, lügt sie an und ist ihr untreu.
Ken, der kleine, dickliche Privatdetektiv aus Tokio, ermittelt wieder, unfreiwillig allerdings, denn eigentlich hat er seinen Beruf an den Nagel gehängt und strebt nun eine Karriere als Folksänger an. Zu seinem Leidwesen ist er aber von Banausen umgeben: Seine deutsche Freundin Susanne verlässt ihn, seine Vermieterin droht ihm wegen des Lärms mit der Kündigung und Sony Music reagiert nicht auf seine Demo-Kassette. Da wird er zu einer alten Bekannten gerufen, die ihm sterbend noch ihren kleinen Enkel in die Hand drückt. So sehr er sich auch dagegen strebt: Er ist mitten in seinem zweiten Fall. Mit dem ewig schreienden Baby am Hals ermittelt er in Kreisen einer Sekte, einer betrügerischen Bank und der Organmafia.