Den Blick auf neue Horizonte richten
In ihrem knapp 600 Seiten starken dritten Roman Wenn ich jetzt nicht gehe, in Spanien das meistverkaufte Buch des Jahres 2015, erzählt die 1964 geborene María Dueñas ein Jahr im Leben des Mauro Larrea.
Nach dem frühen Tod seiner Frau mit zwei Kleinkindern von Spanien nach Mexiko ausgewandert, hat Mauro Larrea es vom Bergarbeiter zum reichen Silberminenbetreiber gebracht und bewohnt einen prachtvollen alten Palast in Mexiko-Stadt. Nur dieser, mit einer hohen Hypothek belastet, bleibt ihm, als er knapp 50-jährig nach einem hochriskanten Geschäft bankrottgeht. Der Sezessionskrieg hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und unverschuldet steht er vor dem Ruin.
Vier Monate Zahlungsziel räumt ihm der Wucherer Tadeo Carrús im perfidesten Vertrag seines Lebens ein, bevor er seinen Palast dem Erdboden gleichmachen will. Doch wo und wie soll Mauro Larreo so schnell zu Geld kommen? Sein abenteuerlicher Weg führt ihn über Kuba zurück ins Mutterland Spanien, nach Jerez de la Frontera, immer in dem Bestreben, das Kapital zusammenzubekommen, um nach Mexiko zurückzukehren, „sein Eigentum, seinen Status, seine Vergangenheit zurückzuerobern“ und „um mit gestärktem Selbstvertrauen wieder in die Haut des Mannes zu schlüpfen, der er einmal gewesen war.“
Von der ersten Seite an, auf der man von Mauro Larreos Bankrott erfährt, habe ich Partei für diesen Mann ergriffen und bin ihm gerne auf seinem abenteuerlichen Weg über zwei Kontinente gefolgt. Untergang, Verrat, Intrigen, ein altes Familiengeheimnis, verzweifeltes Verlangen nach Liebe und ein spannender Kampf gegen die Zeit sind die Zutaten zu diesem opulenten historischen Roman. Daneben hat mir auch die Zeichnung der Charaktere gefallen, die nie nur schwarz oder weiß sind, ebenso wie die historischen Hintergründe des Verhältnisses zwischen dem spanischen Mutterland und dem südamerikanischen Kontinent.
Ein flüssig erzählter, spannender historischer Roman in einem geografischen Kontext, über den ich bisher noch nicht viel gelesen hatte.
María Dueñas: Wenn ich jetzt nicht gehe. Insel 2017
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„Mama, ich habe
Ein Glücksmädchen, wie es der Titel des Buches und ihr Name suggerieren, ist Lycke wahrlich nicht. Die Achtjährige lebt nach der Scheidung ihrer Eltern Helena und Harald vor vier Jahren wochenweise abwechselnd bei beiden Elternteilen. Helena hat keine emotionale Bindung zur Tochter und ist beruflich als Immobilienmaklerin stark eingespannt, Haralds neue Frau Chloé ist eifersüchtig auf Lycke und fürchtet deren Konkurrenz für ihren kleinen Sohn. Einziger Lichtblick für Lycke, die auch keine Freunde hat, ist die Nanny Mona, ihre einzige Vertraute, die jedoch kurz vor der Pensionierung steht.
Oetinger34 ist ein Imprint des renommierten Oetinger Verlags und eine Onlineplattform. 2014 gestartet, kommen hier Autoren, Illustratoren, Juniorlektoren und Leser zusammen und die besten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit erscheinen anschließend in der Edition Oetinger34. für mich war Wie König Böhnchen die wahrhaft wütende Prinzessin Rikiki fand der erste Titel dieses Imprints und sofort ein Volltreffer.
Vor einigen Jahren habe ich Henning Mankells hervorragendes, aber tief deprimierendes Buch Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt gelesen, in dem es um das Thema Aids in Afrika geht. Ich war deshalb sehr gespannt und etwas skeptisch, ob dieses Thema als Stoff für ein Jugendbuch taugen kann. Nach der Lektüre des bereits 2005 erschienenen Titels Worüber keiner spricht bin ich jedoch begeistert über die Umsetzung durch den kanadischen Autor Allan Stratton, der dafür zurecht zahlreiche Preise in verschiedenen Ländern erhalten hat.
2007 scheint Jende Jonga es nach drei harten Jahren endlich geschafft zu haben. Der 33-jährige Kameruner, der mit einem Besuchervisum in die USA eingereist ist, einen Asylantrag gestellt und eine befristete Arbeitserlaubnis bekommen hat, seine Freundin Neni und seinen kleinen Sohn Liomi nachholen und endlich heiraten konnte, erhält einen Job als gut bezahlter Chauffeur der Familie des Lehman-Investmentbankers und Managers Clark Edwards. Der „American Dream“ scheint sich für die Jongas zu erfüllen. Neni, der man in Kamerun stets eingebläut hat, nichts vom Leben zu erwarten, ist mit ihrem Studentenvisum auf dem Weg zu einem Pharmaziestudium und arbeitet nebenbei illegal bei einem Pflegedienst und im luxuriösen Sommerhaus der Edwards‘ in den Hamptons. Spätestens bei Liomi, da sind Neni und Jonga sich einig, soll sich der Aufstieg verwirklichen.
Ein doppelter Tod ist der Ausgangspunkt von Rolf Lapperts 2015 erschienenem Roman Über den Winter, der wie schon 2008 sein Debüt Nach Hause schwimmen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand.
Zorro, der kleine Mops, heißt zwar wie ein Superheld, hat aber zu seinem großen Bedauern noch nie ein richtiges Abenteuer erlebt. Doch als in Bummelhausen nacheinander der Spezialschraubenschlüssel seiner besten Freundin, Professorin Hamsterine, der Spiegel der piekfeinen Distelfinkdame Irmhild von Irmhausen zu Irmhildlandia, das Kissen des schwerhörigen Hundeseniors Bernhardinowitsch, die Stühle von Herrn Igel, vier Joggingschuhe von Potz Tausendfüßler, unzählige Taucherbrillen von unzähligen Kaulquappenkindern von Olof Ochsenfrosch, Zorros goldener Fressnapf und diverse andere Besitztümer der Bewohner verschwinden, sieht der Mopsjunge seine Chance gekommen. Hauptverdächtig ist in den Augen der Tiere das sagenhafte vielköpfige Ungeheuer, das in der alten Fabrik im Bammelwald hausen soll. Unter der Führerschaft von Hamsterine und Zorro hecken die Tiere einen Plan zur Wiederbeschaffung der gestohlenen Gegenstände aus, was vielleicht gar nicht nötig gewesen wäre, wenn Herr Igel den von ihm abonnierten „Bammelwalder Boten“ wirklich lesen könnte, in dem genau am Tag des großen Abenteuers ein aufschlussreicher Artikel erscheint…