Jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise“, beginnt Lew Tolstois Roman Anna Karenina.
Unglücklich sind auch die Mitglieder der irischen Familie Madison in Anne Enrights Familienroman Rosaleens Fest. Als sie sich im zweiten Teil des Romans 2005 auf Wunsch der 76-jährigen Mutter Rosaleen vor dem Verkauf des Elternhauses noch einmal zum gemeinsamen Weihnachtsfest versammeln, bringen die vier Kinder „auf der Schwelle zum mittleren Alter“ die unterschiedlichsten Lebens- und Beziehungsschicksale mit. Gemeinsam ist allen, dass sie ihr Glück nicht gefunden haben, dass sie sich nicht von ihrer fordernden, launischen Mutter abnabeln konnten, einer Frau, „die nichts tat und alles erwartete“, egal wie weit weg sie inzwischen leben. Rosaleen ihrerseits fühlt sich verlassen, nicht gewürdigt und unbedeutend. „Warum sie nicht nett zu ihnen sein konnte, sie wusste es nicht. Sie liebte sie so sehr.“ Dennoch übt sie eine Macht über ihre Kinder aus, der diese sich offensichtlich nicht entziehen können.
Über 25 Jahre verfolgt die irische Autorin Anne Enright das Leben der einzelnen Familienmitglieder distanziert, entlarvend und zuweilen, wie mir schien, unbarmherzig. Gut gefallen hat mir der Aufbau des Romans, in dem im ersten Teil die vier Kinder Hanna, Dan, Constance und Emmet, auf typisch irische Weise in alle Winde verstreut, und die Mutter Rosaleen an scheinbar zufällig ausgewählten Punkten ihres Lebens zwischen 1980 und 2005 porträtiert werden, um dann 2005 erstmals nach langer Zeit wieder aufeinanderzutreffen.
Anne Enright hat für ihren Roman Das Familientreffen 2007 den Man Booker Price erhalten und auch Rosaleens Fest stand 2015 auf der Longlist. Mich konnte diese recht düstere Familiengeschichte dagegen nicht überzeugen, denn die Grundaussage, dass das Unglück der Kinder allein durch das Wesen der Mutter hervorgerufen wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Zwar wurde mir Rosaleen genau wie ihre Kinder nie sympathisch, doch schien mir ihr Verhalten nicht so einengend und grauenvoll, dass die Kinder fern von zuhause nicht hätten ihres Glückes Schmied werden können. Immerhin schafften sie den Absprung vom Elternhaus und hätten meinem Empfinden nach – Mutter hin, Mutter her – mit etwas mehr Zielstrebigkeit einen für sie zufriedenstellenderen Weg einschlagen können.
Auch in Bezug auf die Sprache bin ich eher gespalten. Einerseits haben mir die Präzision und der an manchen Stellen deutlich durchschimmernde Spott gut gefallen, ebenso wie die poetischen Passagen, wenn es um die Beschreibung der faszinierenden irischen Landschaft geht. Andererseits fand ich die Sprache aber stellenweise unnötig und unpassend vulgär.
Trotz meiner Kritik werde ich sicher auch noch Das Familientreffen lesen, um zu testen, ob mir dieser frühere Roman besser gefällt.
Anne Enright: Rosaleens Fest. DVA 2015
www.randomhouse.de
Eine Geschichte rund um den Fall des Eisernen Vorhangs, um den Gorbatschow-Besuch in Honeckers Ost-Berlin und die Barrikadenkämpfe vor dem Weißen Haus in Moskau, das klang vielversprechend für mich. Auch das ungewöhnliche, typografielastige Cover mit den poppigen Farben orange und lila sowie der erzählende Untertitel haben mich neugierig gemacht. Was ich nicht erkannt habe: Boris Schumantskys zweiter Roman Die Trotzigen gehört zum Genre „Schelmenroman“, dem ich leider nichts abgewinnen kann. Weder Die Abenteuer des Huckleberry Finn, noch Candide, Die Abenteuer des Simplicissimus oder Die Blechtrommel konnten mich ansprechen, ihr Humor blieb mir verborgen und leider erging es mit mit Die Trotzigen nicht besser.
Nach den Bestsellern Die Kunst des klaren Denkens und Die Kunst des klugen Handelns von Rolf Dobelli gibt es jetzt Die Kunst des klugen Essens von Melanie Mühl und Diana von Kopp. Bereits das gelungene Äußere mit der frechen Illustration macht Lust auf dieses kleinformatige Hardcover aus dem Carl Hanser Verlag. Die Feuilleton-Redakteurin der FAZ, Melanie Mühl, und die Diplom-Psychologin und Mitarbeiterin der FAZ im Blog „Food Affair“, Diana von Kopp, präsentieren mit einem Augenzwinkern „42 verblüffende Ernährungswahrheiten“ in ebenso vergnüglicher wie fundierter Art und Weise.
1952 waren das Wiedergutmachungsabkommen mit Israel, die Westintegration und die Wiederbewaffnung großen Themen der deutschen Politik, von einer Aufarbeitung der Nazi-Gräueltaten konnte dagegen keine Rede sein. Nicht nur von weiten Teilen der eigenen Bevölkerung, auch von Seiten radikaler Kräfte in Israel wurden die Wiedergutmachungsleistungen der Bundesrepublik Deutschland abgelehnt. Doch der junge Staat Israel brauchte die Gelder dringend zum Aufbau seiner Infrastruktur, und so war der Mossad sehr interessiert daran, den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer vor Anschlägen wie dem gescheiterten Paketbombenattentat vom März 1952 durch jüdische Fanatiker zu schützen.
Verschwindet ein Kind, liegt der Fokus der Medien zunächst auf der betroffenen Familie. Taucht das Kind jedoch wieder auf, stehen Opfer und Täter im Mittelpunkt des Interesses, das Verbrechen und der Prozess.
Paula & Pelle – Eiscremebunter Sommerspaß ist ein fröhlich-bunt illustriertes Kinderbuch mit einer unternehmungslustigen, einfallsreichen Protagonistin namens Paula. So ein Mädchen möchte einen sonnigen Sommersonntag natürlich nicht zu Hause verbringen sondern ins Freibad, egal was ihre Eltern und Pelle, ihr kraul- und vanillekekssüchtiger Mischling dazu meinen. Bei einem Kind wie Power-Paula ist Widerstand zwecklos und kurze Zeit später kommen die vier Ausflügler im Freibad an. Zwar dürfen Hunde nicht ins Wasser, aber wenn Pelle sich als Gummitier ausgibt, merkt doch keiner was – oder? Fast wäre es gutgegangen, doch dann droht der fiese Finn, der Schrecken der 3B, alles an den Bademeister zu verraten…
Lesedetektive heißt die Erstleserreihe aus dem Duden Verlag, bei der die beiliegenden Lesezeichen als Lösungsschlüssel für die eingestreuten Quizfragen dienen. Die Bände der Reihe sind nach Klassen unterteilt. Ich selber bevorzuge eine Einteilung in verschlüsselte Lesestufen, da man schlechten Leserinnen und Lesern so auch ein Buch für eine niedrigere Stufe in die Hand geben kann, ohne sie damit zu beschämen.
Lesedetektive heißt die Erstleserreihe aus dem Duden Verlag, bei der die beiliegenden Lesezeichen als Lösungsschlüssel für die eingestreuten Quizfragen dienen. Die Bände der Reihe sind nach Klassen unterteilt. Ich selber bevorzuge eine Einteilung in verschlüsselte Lesestufen, da man schlechten Leserinnen und Lesern so auch ein Buch für eine niedrigere Stufe in die Hand geben kann, ohne sie damit zu beschämen.
Dieses Buch hat mir vor Augen geführt, wie leicht ein Autor seine Leser zu manipulieren vermag. Ohne dass es je explizit ausgesprochen wird, gehen wir automatisch von bestimmten Annahmen aus, und in diesem Fall brachte erst das Nachwort die entscheidende Information, die das ganze Geschehen des Romans in ein völlig neues Licht taucht. Spontan hat das Ende in mir den Wunsch geweckt, mit der Lektüre unter diesen veränderten Voraussetzungen noch einmal von vorn zu beginnen. Eine schriftstellerische Meisterleistung!
Wer sagt denn, dass Vampire gierige Blutsauger sind, die sich in finsteren Särgen mit Spinnenweben zudecken?