Moral in Zeiten der Diktatur
Ich wollte diesen Roman des katalanischen Liedermachers Lluís Llach vor allem deshalb lesen, weil mich die neuere spanische Geschichte sehr interessiert, der Spanische Bürgerkrieg, die Franco-Diktatur und in neuerer Zeit die Autonomiebestrebungen Kataloniens. Ich kenne die Romane Hemingways, den Roman Auf der Plaça del Diamant der Katalanin Mercè Rodoreda und Der Feind meines Vaters von Almudena Grandes, die sich alle mit diesen Themen beschäftigen, nun war ich neugierig auf die Perspektive von Lluís Llach in seinem ersten ins Deutsche übersetzten Roman. Llach musste, da er sich gegen die Unterdrückung der katalanischen Sprache und Kultur im spanischen Einheitsstaat unter Franco wehrte, ins Exil nach Paris. Vor allem sein Kultsong „L’Estaca“ („Der Pfahl“) wurde zur (verbotenen) Hymne der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.
Egal ob man das Buch als politischen Roman des heute für die Unabhängigkeit Kataloniens kämpfenden Autors oder als Roman über drei starke Frauen – Maria die Alte, ihre Tochter Maria Magí und deren Tochter Maria Costa liest – es ist auf jeden Fall ein beglückendes Leseerlebnis.
Aufhänger für die Erzählung der Lebensgeschichten der drei Marias ist ein Mord aus dem Jahr 1936. Damals wurde der ehemalige Vorarbeiter des Weinguts La Principal in Katalonien verstümmelt in einem Sack vor der Tür des Guts gefunden. Die Ermittlungen der Polizei kamen durch den Ausbruchs des Bürgerkriegs zum Stillstand, nun, 1940, möchte der Inspektor Lluís Recader aus Rius, Agatha-Christie-Fan und der ständigen Jagd auf Regimegegner müde, den Fall neu aufrollen. Seine Ermittlungen reichen zurück in die Zeit vor 1900, als Maria die Alte als einzige Tochter das Gut erbte, weil die vier Brüder zum Studium nach Barcelona geschickt wurden, was für sie zunächst wie eine Demütigung und Verbannung war. Doch aus der enttäuschten Frau wurde die mächtigste Person des Dorfes, die ihrer Tochter Maria Magís ein finanziell gesundes Gut hinterließ. Mutter wie Tochter trafen bei ihrer Heirat aus Liebe eine ungewöhnliche Wahl und Maria Magís musste wegen des Mordes alle Register ihrer weiblichen List ziehen…
Sehr geschickt erzählt Lluís Llach die Geschichte der drei Frauen in Rückblenden, auf mehreren Zeitebenen und z. T. durch die Augen der urigen Úrsula, der Hausangestellten und absolut loyalen Dienerin der beiden ersten Marias. Sein großes Verdienst ist es, dass er die Puzzleteile aus den Leben der drei Marias so geschickt arrangiert, dass man jederzeit gut den Überblick behalten kann, wenn man bereit ist, sich ganz in diese Geschichte zu versenken.
Für mich hat sich die Lektüre gleich in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Ich habe vieles über die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs und die Franco-Diktatur in Katalonien mit ihren Unterdrückungsmechanismen nicht nur der Sprache erfahren. Die politische Haltung sowohl der Herrinnen auf La Principal als auch der Dorfbevölkerung, der katholischen Kirche und der Polizei haben die Zeit sehr lebendig werden lassen. Der Kriminalfall mit einem überraschenden, den politischen Umständen geschuldeten Ende, war sehr unterhaltsam zu lesen, ebenso wie die Familiengeschichte der drei ungewöhnlichen Frauen und die Randinformationen zum Weinbau im letzten Jahrhundert.
Ein Buch also, das ich absolut empfehlen kann!
Lluís Llach: Die Frauen von La Principal. Insel 2016
www.suhrkamp.de
Die besten Freunde der Welt sind Ben und Fritz, der Ich-Erzähler. Aber die Mütter machen ihnen das Leben schwer: Bens Mutter ist wegen seines angeborenen Herzfehlers überfürsorglich und möchte ihren Sohn am liebsten in Watte packen: kein Fußball, kein Tennis, kein Schwimmen, kein Schulsport, obwohl Ben längst gesund ist. Fritz dagegen wird von seiner Mutter mit Terminen so eingedeckt, dass er überhaupt keine Zeit für andere Aktivitäten hat.
Der Roman Zornige grüne Insel des irischen Autors Liam O’Flaherty (1896-1984) erschien auf Deutsch bereits unter verschiedenen Titeln: Das braune Segel (1942), Das schwarze Tal (1952) und Hungersnot (1965).

Nach der letzten Seite dieses Romans war ich zunächst einmal sprachlos: sprachlos vor Ergriffenheit und sprachlos vor Begeisterung. Wann ist es mir zuletzt passiert, dass ich einen Roman nicht in der Bahn weiterlesen konnte, weil mir die Tränen kamen? Und das nicht etwa, weil das Buch rührselig oder kitschig wäre, sondern weil es mich so tief berührt hat.
Die Els und ich ist ein Jugendroman aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, geeignet vor allem für Mädchen ab ca. elf Jahren.
Die in London lebende, beim Independent arbeitende britische Journalistin Julia Stuart hat mit Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette ihren ersten Roman vorgelegt. Es ist ein typisches Buch für Schlechte-Laune-Tage oder einen Strandurlaub, vergnüglich, aber ohne großen Tiefgang.
Zwei Menschen erzählen sich gegenseitig die Lebensgeschichte ihrer Vorfahren: Ray aus New York die seines Großvaters, Elena aus Rumänien die ihrer Mutter. Der rumänischstämmige Autor Catalin Dorian Florescu, der heute in der Schweiz lebt und seine Romane auf Deutsch verfasst, hat dies jedoch nicht in Form einer Rahmenhandlung mit Rückblenden gestaltet, sondern lässt die beiden Erzähler erst in den letzten zwei Kapiteln unter apokalyptischen Bedingungen aufeinandertreffen.
Verfluchter Stinkezinken: Da freut sich Ricky wie Bolle auf seinen achten Geburtstag und dann die absolute Oberpleite: das falsche Geschenk (weil Väter ja nie zuhören), der falsche Kuchen und die Spaßbremse Hauke, größter Geburtstagsfeier-Kaputtmacher, vom Vater eingeladen. Auch der Besuch im Vergnügungspark Rasti-Land, mit dem die Geburtstagsparty so richtig cool werden soll, lässt sich zunächst – dank Hauke – wie eine lahme Windelkackerparty an.
Der Beruf des Ginsengjägers existiert wirklich und der namenlose Ich-Erzähler im Roman des in Japan lebenden US-Amerikaners Jeff Talarigo, der für dieses Buch zahlreiche Nordkoreaner interviewt hat, übt ihn aus.