Almudena Grandes: Der Feind meines Vaters

Erwachsenwerden in der Franco-Diktatur

Almudena Grandes ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Autorinnen Spaniens. Ihr Hauptthema heute ist die Franco-Diktatur und ihre Nachwirkungen. Dabei bezieht sie klar Position für die Linke. Ihr Verdienst ist es, dass sie anspricht, worüber in Spanien bis heute kaum gesprochen wird: 150.000 Verschwundene und 250.000 Kinder, die mit Hilfe der katholischen Kirche ihren „roten“ Eltern geraubt und in „anständige“ Familien gegeben wurden.

Ihr Roman Der Feind meines Vaters spielt in den Bergen Andalusiens in der Zeit von 1945 bis 1947, als auch nach Beendigung des Bürgerkriegs noch unvermindert Jagd auf die „Roten“ gemacht wurde, die als Widerstandskämpfer in den Bergen lebten.

Nino, der Ich-Erzähler, ist zu Beginn neun Jahre alt und Sohn eines Guardia-Civil-Beamten. Die Familie lebt in der Kaserne des kleinen Ortes. Nachts hört er die Schreie der Gefolterten und erlebt, wie mutmaßliche „Rote“ „auf der Flucht erschossen werden“. Da die Ermordeten die Kinder seiner Klassenkameraden sind, schlägt ihm in der Schule Misstrauen und Hass entgegen.

Zwei Dinge helfen ihm, mit der Situation klarzukommen: seine Freundschaft zu Pepe, einem Portugiesen und Außenseiter, der alleine in der alten Mühle lebt, und seine Liebe zu Büchern, die zu seinem persönlichen Stück Freiheit wird. Und eines steht für ihn fest: Er will auf keinen Fall zur Guardia Civil!

Almudena Grandes‘ Roman ist ein bewegendes Buch über das Erwachsenwerden unter unvorstellbaren Bedingungen. Zugleich ist es ein Buch über die Liebe zur Literatur, was in dem besser passenden spanischen Originaltitel El lector de Julio Verne viel deutlicher zum Ausdruck kommt. Außerdem ist es eine packende Freundschaftsgeschichte und eine Abhandlung über Schuld und Sühne. Allerdings ist die Geschichte aufgrund der vielen Personen nicht ganz einfach zu lesen.

Almudena Grandes: Der Feind meines Vaters. dtv 2014
www.dtv.de

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