Dörthe Binkert: Weit übers Meer

Äußere und innere Stürme

Als der Ozeandampfer Kroonland mit 1500 Passagieren an Bord am 23. Juli 1904 Antwerpen verspätet verließ, ging als Letzte eine junge Dame im weißen Abendkleid und mit Diamantohringen an Bord, die sich bald als blinde Passagierin zu erkennen gab.

Die Gerüchteküche kochte hoch: eine Juwelendiebin? eine Kurtisane? oder eine vornehme Damen, die vor ihrem bisherigen Leben davonlaufen wollte? Mit dem Nachdenken über die Fremde kamen die anderen Passagiere ins Grübeln über ihr eigenes Leben, ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit, ihre Freiheit oder Unfreiheit. Waren sie bereit, ihr bisheriges Leben radikal zu ändern? Nicht nur draußen tobt ein Sturm, auch in ihrem Inneren braut sich einiges zusammen…

In ihrem Debütroman Weit übers Meer greift Dörthe Binkert eine wahre Begebenheit auf. Sie verwebt das Schicksal der geheimnisvollen Frau während der neun Tage dauernden Überfahrt nach Amerika mit den Schicksalen verschiedener Passagiere, was an sich ein sehr interessanter Ansatz ist. Es gelingt ihr gut, ein Sittengemälde der Zeit zu zeichnen, allerdings war mir das Buch an vielen Stellen zu melodramatisch.

Dörthe Binkert: Weit übers Meer. dtv 2012
www.dtv.de

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