Klaus-Peter Wolf: Totenstille im Watt

Ein Serienkiller, aber doch kein Krimi

Klaus-Peter Wolf ist vor allem für seine Ostfriesenkrimis um die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen aus Norden bekannt, die regelmäßig die Spiegel-Bestsellerlisten stürmen. Inzwischen sind seit 2007 elf Bände erschienen, im Februar 2018 soll der nächste folgen.

Nun hatte Klaus-Peter Wolf aber anscheinend Lust auf etwas Neues, ohne jedoch ganz von Vertrautem abzuweichen: eine Romanserie um den Arzt Dr. Bernhard Sommerfeldt, kürzlich nach Norddeich zugezogen, in der auch Ann Kathrin Klassen eine nicht unbedeutende Nebenrolle spielt. Aber Achtung, es sind keine Krimis, obwohl mehr Blut fließt, als man es von einem Roman erwarten würde.

Der neue Protagonist, Dr. Bernhard Sommerfeldt, taucht eines Tages in Norddeich auf und eröffnet dort eine Hausarztpraxis. Niemand ahnt, dass er bisher Johannes Theissen hieß, sein Medizinstudium zugunsten der zwangsweisen Übernahme des elterlichen Bamberger Textilunternehmens an den Nagel hängen musste, im Sumpf der Modebranche kläglich scheiterte und bei Nacht und Nebel Eltern, Frau, Betrieb und Schulden verließ. Der verhassten Enge seines alten Lebens und der Gefühlkälte seiner Familie entflohen, ist er wild entschlossen, sich mit falschen Papieren eine völlig neue Existenz in Ostfriesland aufzubauen. Und noch einen zweiten Vorsatz hat er gefasst: Er möchte kein Opfer mehr sein, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen, und dafür schreckt er auch vor Mord nicht zurück. Wer würde hinter dem allseits beliebten Hausarzt, Büchernarr und Lebensgefährten der netten Grundschullehrerin schon einen planvoll und kaltblütig agierenden Serienkiller vermuten? Oder ahnt seine neue Patientin, die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, die mit der Aufklärung der Fälle befasst ist, etwas?

Für mich war Totenstille im Watt das erste Buch von Klaus-Peter Wolf und ich habe mich lange mit der Sprache schwergetan, vor allem mit dem Mangel an Nebensätzen. Einerseits wurde dadurch mein Lesefluss gebremst, andererseits passt der Stil für mich überhaupt nicht zu einem Ich-Erzähler, der ein ausgesprochener Liebhaber klassischer Literatur und Dichtung ist.

Trotzdem hat mich der Roman zunehmend gut unterhalten, nicht zuletzt wegen des gelungenen Ostfrieslandflairs. Der Reiz der Geschichte speist sich für mich darüber hinaus aus der Erzählperspektive, da die Sicht auf die Handlung so völlig auf die Wahrnehmung von Sommerfeldt eingeschränkt bleibt. Seine Rechtfertigungen vor sich selbst und sein Grübeln darüber, ob die berühmte Kommissarin mit der überragenden Aufklärungsquote ihn bereits unter Verdacht hat, waren es auf jeden Fall wert, den Roman zu lesen.

Klaus-Peter Wolf: Totenstille im Watt. Fischer 2017
www.fischerverlage.de

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