Lisa Lercher: Faule Marillen

Mord in dörflicher Idylle

Inzwischen gibt es kaum mehr eine Region, in der nicht schriftstellerisch gemordet wird, und dank Lisa Lercher gehört nun auch die wunderschöne Wachau dazu.

Im Mittelpunkt des Buches, das hoffentlich den Beginn einer Serie darstellt, steht Major Paul Eigner, erfahrener Ermittler aus Wien mit Wurzeln in der Wachau, der nach privaten und gesundheitlichen Tiefschlägen auf eigenen Wunsch zunächst zur Probe in sein Heimatdorf Klein Dürnspitz versetzt wird. Wenn er geglaubt hat, dass es hier nur Bagatelldelikte aufzuklären gibt, hat  er sich getäuscht, denn gleich zu Beginn finden sein Enkel und dessen Freunde beim Spielen menschliche Knochen, die dort schon länger zu liegen scheinen.

Paul Eigners Ermittlungen, die er oft gegen den Widerstand seines Wiener Chefs und des hochnäsigen Kommissars vom LKA aus Krems führen muss, führen zu einem seit 10 Jahren unaufgeklärten Vermisstenfall zurück. Nachdem klar ist, dass es sich um einen Mord handelt, sind schnell zahlreiche Verdächtige aus dem Dorf und der in der Nähe ansässigen Christlichen Gemeinschaft vorhanden, trotzdem kann die Auflösung noch einmal gehörig überraschen.

Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen, einerseits weil durch die eingebauten Dialektwörter (mit Glossar am Ende) und die Landschaftsbeschreibungen die Wachau, die ich noch nicht kenne, sehr lebendig wurde. Zum anderen nimmt die Autorin sich so viel Zeit mit der Charakterisierung von Eigner, seiner Familie und vielen anderen Dorfbewohnern, dass sie einem ungewöhnlich vertraut werden. Und so ist es hier wie bei vielen Regionalkrimis: Der Kriminalfall ist nur der Aufhänger für die Geschichte, im Mittelpunkt stehen die Region und ihre Bewohner. Das heißt aber nicht, dass der Fall nicht spannend wäre, denn ich habe beim Lesen ganz schön geknobelt.

Ein Wort noch zu Ausstattung: Das Buch liegt sehr gut in der Hand, die Schriftgröße ist gerade noch angenehm, die abgerundeten Ecken und das Cover sind sehr gelungen. Eines kann ich allerdings als Buchhändlerin überhaupt nicht verstehen, auch wenn viele sich darüber freuen: Warum nur verramscht der Haymon Verlag das E-Book für 99 Cent? Das steht für mich in keinerlei Verhältnis zum Wert der Ware und ist ein absolutes Ärgernis (das aber natürlich nicht in die Bewertung einfließt…). Diese Preispolitik ist auch für den Verkauf der gedruckten Ausgabe hinderlich, denn kann ich einem Kunden das Buch wirklich guten Gewissens empfehlen, wenn er das E-Book so viel günstiger bekäme??? Bitte, liebe Verlagsleute, überdenkt diese Politik, wir alle, Verlage, Buchhändler, Autoren, können so nicht überleben.

Lisa Lercher: Faule Marillen. Haymon 2015
www.haymonverlag.at

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