Lisa-Marie Dickreiter & Andreas Götz & Nikolai Renger: Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen

  Super-Berti oder Was für eine Woche!

Lisa-Marie Dickreiters beklemmender Debütroman Vom Atmen unter Wasser hat mich vor einigen Jahren sehr beeindruckt. Ihr Kinderbuch Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen, das sie zusammen mit Andreas Götz verfasst hat, hat mich nun davon überzeugt, dass sie auch dieses Genre beherrscht.

„Gibt’s was Blöderes als große Brüder?“ fragt der fünfjährige Berti, der schwer unter dem zwölfjährigen Harald, dem elfjährigen Sture und dem zehnjährigen Erik zu leiden hat. „Die Wikinger“ verbreiten Angst und Schrecken, lassen das „Baby“ nicht mitspielen und zeigen sich nicht einmal dankbar, wenn er ihnen aus der Patsche hilft. Ganz schlimm wird es in einer Woche in den Sommerferien, als sich die Mutter für die Beendigung ihrer Doktorarbeit in ihrem Zimmer einschließt und der Vater mit den vier Jungs heillos überfordert ist. Als er sich breitschlagen lässt, und den Wikingern die seit langem ersehnten, von der Mutter abgelehnten Superman-Kostüme spendiert, fühlen die sich erst richtig stark. Nun muss die Welt gerettet werden, und weil weit und breit kein Bösewicht in Sicht ist, wird kurzerhand die riesige Schokoladenkugel im Schaufenster des Süßwarenladens zur „Schokoladenkugel des Bösen“ und zur „schlimmsten Bedrohung der Welt, die es gibt“ erklärt. Klar, dass Berti mit seinem Piratenkostüm wieder mal außen vor bleibt. Aber wetten, dass sie auf Dauer nicht auf seine Hilfe verzichten können?

Obwohl ich nicht zur Zielgruppe der Grundschuljungen und -mädchen zähle, hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht. Die beiden Autoren erzählen sehr gradlinig und kindgerecht eine spannende Geschichte mit äußerst fantasievollen Protagonisten, wobei stets klar bleibt, was gut ist und was man besser nicht tun sollte. Dass der gefürchtete Lehrer Schmidtke nicht der große Bösewicht ist, für den die Jungs ihn halten, und dass es als Nebencharakter ein starkes Mädchen gibt, das ihnen ihre Grenzen aufzeigt, hat mir ebenfalls gut gefallen. Wenn die Einsamkeit einer Person damit beschrieben wird, dass das Sofa nur eine Kuhle hat, nämlich dort, wo immer nur einer alleine sitzt, dann finde ich das literarisch sehr gut gelungen und für Kinder klar verständlich. Nicht ganz so gut wie Sprache und Inhalt gefallen mir die 70 comicartigen Illustrationen in Schwarz, Weiß, Rot und Blau von Nicolai Renger, die für mich auch nicht immer exakt zum Text passen, beispielsweise wenn der schrecklich böse Hund Sternchen eher wie ein bedauernswertes Hündchen wirkt. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass die Zeichnungen bei der Zielgruppe gut ankommen.

Ein hochwertig hergestelltes, empfehlenswertes Kinderbuch zum Vorlesen für Jungen und Mädchen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab der dritten Klasse.

Lisa-Marie Dickreiter & Andreas Götz & Nikolai Renger: Berti und seine Brüder – Die Schokoladenkugel des Bösen. Oetinger 2019
www.oetinger.de

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