Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer

 Was der alte Gärtner zu erzählen hat

Mercè Rodoreda (1908 – 1983) ist eine der oder sogar die bedeutendste katalanische Schriftstellerin. Bisher kannte ich von ihr nur La plaça del diamant, einen Roman über den Spanischen Bürgerkrieg. Dank Roger Willemsen, der ein sehr lesenswertes Nachwort verfasst hat, und dem mareverlag liegt der Roman seit 2014 in einer sehr hochwertigen, äußerst liebevoll gestalteten Ausgabe im Schuber und mit Lesebändchen auf Deutsch vor.

Die Geschichte spielt in den 1920er-Jahren, also vor Beginn der Franco-Diktatur. Jeden Sommer begibt sich die Oberschicht Barcelonas zusammen mit ihren Gästen in ihre Sommervillen am Meer, um dort eine unbeschwerte Zeit zu verbringen. Eine diese Villen betreut seit langer Zeit der alte Gärtner, der einst zwei Lieben hegte: die zu seiner Frau und die zu seinem Garten. Seine Frau ist lange tot, geblieben ist ihm der Garten, in dem er jede Pflanze und jeden Halm kennt und hegt. Voller Ehrfurcht blickt er auf seinen Garten, eher nüchtern dagegen auf seine wechselnde Herrschaft, die in vergängliche Leidenschaften, in Intrigen und Lebenslügen verstrickt im Haus dem Müßiggang frönt. Als das Nachbaranwesen einen neuen Besitzer bekommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf…

Bescheiden, unaufdringlich, bedächtig und vertrauenswürdig berichtet der Gärtner vom Lauf der Jahreszeiten, von der Vergänglichkeit der Natur und der Liebe. Vieles scheint in diesem Buch zu schweben, manches versteckt sich zwischen den Zeilen und über dem ganzen hängt ein Hauch von Melancholie.

Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer. mare 2014
www.mare.de

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