Botho Strauß: Herkunft

Erinnerungsminiaturen

Kurz vor seinem 70. Geburtstag hat der deutsche Schriftsteller und Dramatiker Botho Strauß ein sehr privates Buch über seine Kindheit, vor allem aber über seinen Vater veröffentlicht. Es sind kleine Erinnerungsminiaturen, Gedankensplitter, die den Vater, für den er sich als Kind und Jugendlicher oft geschämt hat, weil er „anders“ war, rehabilitieren. Anlass für das Zusammentragen dieser Splitter waren der posthum begangene 100. Geburtstag des Vaters im Jahr 1990 und der Umzug der Mutter ins Altersheim 1996. Letzterer ging einher mit der Auflösung der seit 42 Jahren angemieteten Wohnung in Bad Ems, Römerstraße 18, dritter Stock, die am Ende der beiden Kapitel des knapp 100 Seiten umfassenden Büchleins thematisiert wird.

Der Vater wurde 1890 in Merzig/Saar geboren. Das Medizinstudium musste er nach dem Tod seines Vaters aufgeben, damit platzte ein erster Lebenstraum und er wurde Pharmazeut. Als 24-Jähriger zog er freiwillig für das Kaiserreich in den Ersten Weltkrieg und kehrte als Kriegsversehrter mit nur noch einem Auge und als Pazifist zurück. In Naumburg brachte er es zu einer halben Firma, die ihm, dem Nazigegner, von den Kommunisten in der SBZ abgenommen wurde. Ab 1955 im Kurörtchen Bad Ems lebend, konnte er nie wieder an frühere Erfolge anknüpfen, wurde menschenscheu, schwermütig und einsam. Botho Strauß beschreibt ihn als „Mann von altem Ibsen-Format“, dem Umgangsformen, „Figur machen“ und der streng geregelte Tagesablauf Lebensinhalt waren. Der Vater starb 1971, vom Sohn zunächst nicht sehr betrauert, doch nun, selbst in vorgerücktem Alter, erkennt er die Gemeinsamkeiten und die Prägung, die er seiner Herkunft und seinem Vater verdankt, und würdigt dessen Unbeugsamkeit.

Beim Lesen dieses Büchleins erging es mir ähnlich wie vor einigen Jahren bei Jean-Paul Sartres Die Wörter: Ich bewundere die Sprache mit dem oftmals altmodischen Vokabular, ich habe große Achtung vor den sehr privaten Erinnerungen, aber ich komme den beschriebenen Personen leider nicht nahe, nicht dem Sohn, schon gar nicht der im Hintergrund bleibenden Mutter, aber auch nicht dem Vater. Außerdem ist mir die Verklärung der Vergangenheit grundsätzlich suspekt, aber ich bin eben auch noch nicht 70.

Botho Strauß: Herkunft. dtv 2016
www.dtv.de

Gil Ribeiro: Lost in Fuseta – Spur der Schatten

Licht und Schatten

Ab und zu lese oder höre ich mit Vergnügen Regionalkrimis und bei einigen Reihen bin ich inzwischen zur Wiederholungstäterin geworden, so zum Beispiel bei Jörg Maurers Allgäu-Krimis, bei Jean-Luc Bannalecs Ermittlungen in der Bretagne oder bei Remy Eyssens Provencemördern.  Etwas Ähnliches hatte ich mir von der Algarve-Reihe von Gil Ribeiro, Pseudonym eines deutschen Autors, versprochen, allerdings nur zum Teil gefunden. Grund dafür ist, dass mir der Schwerpunkt bei Lost in Fuseta – Die Spur der Schatten zu sehr auf dem regionalen Hintergrund einerseits und den Besonderheiten des autistischen Kommissars andererseits liegt. Der gut angelegte, bis in Portugals interessante Kolonialzeit und ins Parlament reichende Fall kommt dagegen zur kurz. Von der exakten Aufzählung von Straßennamen und Speisen aller Art war ich zeitweise genervt und die Überbetonung verstärkte nicht wie erwartet meinen Wunsch nach einer Algarvereise. Auch die ständig wiederholten Schilderungen zu Kommissar Losts Asperger-Syndrom waren für mich zuviel des Guten, weniger wäre in beiden Fällen mehr gewesen. Ausgesprochen originell fand ich dagegen das von Lost benutzte, bedauerlicherweise fiktive „Kompendium sinnloser Sätze“, aus dem der völlig emotionslose Alemão zitiert – entlarvend und urkomisch zugleich. Gerne verzichtet hätte ich aber auf Losts ebenso unnötige wie unglaubwürdige Liebesverwicklungen.

Der Prolog mit den drei Auftragskillern ist vielversprechend, dann beginnt der Krimi mit dem spurlosen Verschwinden der Polizistin Teresa Fiadeiro. In diesem zweiten Band der Serie, den man auch ohne Kenntnis von Band eins lesen bzw. hören kann, ermitteln die sympathische Sub-Inspektorin Graciana Rosado und der dauerhungrige Carlos Esteves von der Polícia Judicária Faro, dazu der Hamburger Austauschpolizist mit Asperger-Syndrom Leander Lost. Zusammen bilden sie ein eingespieltes, vertraut agierendes Team, in dem der gnadenlos ehrliche, humorlose Autist ohne Bauchgefühl, dafür mit einer überragenden Begabung für Logik und einem fotografischen Gedächtnis, nicht nur akzeptiert, sondern ob seiner Fähigkeiten wertgeschätzt und gemocht wird. Ergänzt wird die Ermittlergruppe unter anderem durch den eitlen Spanier Miguel Duarte, mit dem ich meinen Spaß hatte.

Lange habe ich mich gefragt, ob eine Dorfpolizistin wie Teresa ein Ziel für die professionellen Auftragskiller des Prologs sein kann, aber dann entpuppte sich der Fall als mehrere Nummern größer und auf den letzten beiden CDs nimmt die Handlung deutlich an Fahrt zu. Es braucht schließlich nicht nur einen, sondern sogar zwei Showdowns mit einigen überraschenden Wendungen, um den Fall nach sieben Tagen zufriedenstellend abzuschließend.

Sehr gut gefallen hat mir der Sprecher Andreas Pietschmann, dem ich gerne zugehört habe. Zwar kann ich seine portugiesische Aussprache nicht fachkundig beurteilen, sie klang aber für mich gut. Er liest das gekürzte Hörbuch auf sechs CDs in etwa sieben Stunden pointiert im jeweils angemessenen Tempo und hebt sowohl die komischen als auch die spannenden Teile des Textes gekonnt hervor.

Gil Ribeiro: Lost in Fuseta – Spur der Schatten. Gelesen von Andreas Pietschmann. argon hörbuch 2018
www.argon-verlag.de

Sabine Städing & SaBine Büchner: Petronella Apfelmus – Verhext und festgeklebt

Neues Leben in der alten Mühle

Seit sie den letzten Müller Gisbert Mühlstein erfolgreich vertrieben hat, lebt die Apfelbaumhexe Petronella Apfelmus zusammen mit ihrem Freund Lucius Hirschkäfer und den Apfelmännchen Gurkenhut, Spargelzahn, Rübenbach, Karottenwams und Bohnenhals friedlich im alten Mühlgarten. Kein Wunder also, dass sie gar nicht erfreut ist, als Familie Kuchenbrand mit den Zwillingen Luis und Lea in das Müllerhaus einzieht. Wäre doch gelacht, wenn eine Hexe wie sie die Eindringlinge nicht vertreiben könnte! Doch als Luis und Lea eines Tages über die magische Strickleiter zu ihr ins Apfelhaus kommen, geht der kleinen Hexe das Herz auf, denn die beiden Kinder sind eigentlich gar nicht so übel! Statt Gummispinnen und Unwetter gibt es nun leckeren Apfelkuchen für die „neugierigen Frettchen“ und dazu ein Rezept für den Kuchenbackwettbewerb, bei dem Lea und Luis unbedingt gewinnen wollen. Doch auch Herr Kümmerling, der unsympathische Ex-Chef ihres Vaters in der Bäckerei, möchte unbedingt siegen und schreckt vor nichts zurück. Ein Glück, dass die Kinder ihre neue magische Freundin haben! So wird am Ende doch noch alles gut für Lea und Luis, die ursprünglich keinesfalls ins Müllerhaus einziehen wollten, für Papa Paul, der eine neue Arbeit findet, und für Petronella, der der Trubel wider Erwarten gut gefällt…

Pünktlich zum Frühling hat der Boje Verlag das erste Abenteuer von Petronella Apfelmus und ihren Freunden Petronella Apfelmus – Verhext und festgeklebt in einer schönen Klappenbroschur und mit einem Mitmachteil im Anhang neu herausgebracht. Die originellen Schwarz-Weiß-Illustrationen stammen wie immer von SaBine Büchner und zeigen das ein oder andere zusätzliche witzige Detail. Der Text von Sabine Städing überzeugt mich durch den warmherzigen Erzählstil und die vielen zauberhaften Einfälle. Die Handlung ist sehr kindgerecht erzählt, spannend, manchmal ein bisschen gruselig, teils ernst, teils zum Lachen.

Selbständig lesen können Jungs und Mädchen das Buch dank der größeren Schrift ab Ende der zweiten oder ab der dritten Klasse, zum Vorlesen eignet es sich bereits ab fünf Jahren. Gärtnern, backen, rätseln, spielen und basteln können Kinder und Erwachsene dann nach Petronellas Anweisungen gemeinsam.

Sabine Städing & SaBine Büchner: Petronella Apfelmus – Verhext und festgeklebt. Boje 2018
www.luebbe.de/boje

Fernando Aramburu: Patria

Keine Sieger, nur Verlierer

756 Seiten Text, fünf Seiten baskisches Glossar, 126 Kapitel, neun Protagonisten, ein Thema, das sind die nüchternen Fakten zu Fernando Aramburus schwergewichtigem Roman Patria. Der Autor, der seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt, hat über das beherrschende Thema seiner baskischen Heimat seit der Gründung der ETA im Jahr 1959 geschrieben: den Terror. Obwohl die Organisation 2011 die Waffen offiziell niedergelegt und den Kampf für einen linksnationalistischen, unabhängigen Staat nach über 4000 Anschlägen und mehr als 800 Toten beendet hat, sind die Auswirkungen bis heute deutlich spürbar. Kein Wunder also, dass der Roman in Spanien mehrfach preisgekrönt wurde und reißenden Absatz findet.

Alle neun Protagonisten, Angehörige zweier einst eng befreundeter Familien in einem Dorf nahe San Sebastián, bezeichnen sich selbst als unpolitisch und sind doch tief in die Auseinandersetzungen verstrickt: Miren als Mutter eines Terroristen, Bittori als Witwe eines Anschlagsopfers. Einst waren sie fast wie Schwestern, aber als Mirens Sohn Joxe Mari in den Untergrund ging und Bittoris Mann Txato einem Anschlag zum Opfer fiel, wurden sie zu Feindinnen. Txato, guter Baske, Kleinunternehmer, großzügig, hilfsbereit und bester Freund von Mirens Mann Joxian, hatte die Revolutionssteuer für den bewaffneten Kampf der ETA nicht bezahlt. Es folgten Wandschmierereien, in denen er als Spitzel und Ausbeuter gebrandmarkt wurde, die Ächtung seiner Familie und schließlich die gezielte Hinrichtung vor seiner Haustür.

Die Besonderheit dieses Romans ist zweifellos seine Erzählstruktur. Die kurzen Kapitel sind jeweils einem der neun Protagonisten gewidmet, einzelne Sätze oder Satzteile in der Ich-Form geschrieben, teilweise werden mehrere Wortalternativen angeboten oder Sätze nicht zu Ende geführt. Da die Episoden keiner Chronologie folgen, entsteht erst ganz allmählich ein umfassendes Bild, obwohl der Einstieg die Fakten bereits präsentiert: Die ETA hat ihren Kampf beendet, Joxe Mari sitzt schon lange in verschiedenen Gefängnissen weitab der Heimat, Bittori, die seit dem Mord in San Sebastián lebt, kehrt immer öfter ins Dorf zurück und beunruhigt dadurch die Bewohnern, vor allem ihre Ex-Freundin Miren. Doch die todkranke Witwe verfolgt unbeirrbar ein letztes Ziel: Sie möchte von Joxe Mari erfahren, wer geschossen hat und seine Entschuldigung.

Aramburus Protagonisten sind allesamt Verlierer. Bittori hat der Schmerz gebrochen und sie verbringt ihre Tage im Zwiegespräch mit ihrem toten Mann auf dem Friedhof. Wie „drei Satelliten“ kreisen sie und ihre beiden erwachsenen Kinder um den Mord, entzweit durch unterschiedliche Bewältigungsstrategien. Miren ist aus Solidarität zu ihrem mordenden Sohn zur fanatischen Superrevolutionärin geworden, ihr Mann verkriecht sich aus Scham, der jüngste Sohn ist vor dem Gruppendruck im Dorf schon lange nach Bilbao geflohen und die Tochter sitzt nach einem schweren Schlaganfall stumm im Rollstuhl. Trotzdem gelingt es ausgerechnet ihr, die den bewaffneten Kampf stets abgelehnt hat, die ersten Brücken zu schlagen.

Nur kurz habe ich gebraucht, um in diesen ungewöhnlichen Roman mit den vielen Namen hineinzufinden, dann haben mich die Handlung, die Charaktere und die Erzählweise gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Oft fühlte ich mich an die Folgen des RAF-Terrors erinnert, denn das Ergebnis der Gewalt ist abseits aller Ideologien überall dasselbe für Familien, Freunde, die Gesellschaft und uns alle. Fernando Aramburu wird allen seinen Figuren gerecht und lässt doch deutlich spüren, wer für ihn die wahren Opfer sind.

Fernando Aramburu: Patria. Rowohlt 2018
www.rowohlt.de

Katharina Peters: Strandmord

Eine verlässliche Krimireihe

Strandmord ist der siebte Band der Rügenkrimi-Reihe von Katharina Peters und der fünfte, den ich gelesen habe. Das besondere an dieser Reihe: Alle Bände sind von gleichmäßig guter Qualität, die Handlungen spannend, die Ermittlerin Romy Beccare, Münchnerin mit italienischen Wurzeln und dem entsprechenden Temperament, sympathisch, die Sprache einfach, aber nicht platt. Für mich sind diese Krimis eine perfekte Bahnlektüre, auch mit der Gefahr, meine Haltestelle zu verpassen.

Ein Leichenfund an einem Strand zwischen Glowe und Juliusruh erinnert Romy in diesem Band fatal an einen schmerzlichen Fall 15 Jahre zuvor während ihrer Zeit bei der Kripo München. Damals wurden die Opfer exakt auf die gleiche Weise sadistisch misshandelt und missbraucht, haben allerdings überlebt. Dass Romy damals den Lockvogel bei der Ergreifung des Täters gespielt hat und der ihr bei seiner Verhaftung übel gedroht hat, hängt ihr immer noch nach. Nun lebt der inzwischen aus der Haft entlassene Konrad Ahlbeck in Neustrelitz. Hat er der Pharmareferentin Karola Thiel auf „altbewährte“ Weise mitgespielt oder gibt es jemanden, der seine Methode kopiert? Doch auch im Privatleben der Opfer gibt es Ungereimtheiten. Welche Bewandtnis hat es mit den regelmäßigen Zahlungen des Kinderarztes Dr. Nebert wegen angeblicher Beratungsleistungen? Welche Rolle spielt ihr Ex-Mann, der wegen Gewalttätigkeiten eine lange Haftstrafe verbüßt hat? Und welche Bedeutung hat ihre Verbindung zur SM-Szene und zu einem zwielichtigen Geschäftsmann aus dem Milieu?

So sehr sich Romy Beccare und ihr Team bemühen, inzwischen erstmals ohne den pensionierten, nur noch beratend und als Freund tätigen Kaspar Schneider, alle Verdächtigen haben anscheinend ein wasserdichtes Alibi. Mehr als sonst braucht die auch persönlich betroffene Romy die Unterstützung ihres verständnisvollen Lebenspartners und Vorgesetzten Jan Riechter vom Kriminalkommissariat in Stralsund.

Ein flüssig und leicht zu lesender Krimi für alle, die sich mehr für die Polizeiarbeit als für das Privatleben der Ermittler interessieren, die eine sympathische und geradlinige Protagonistin schätzen, nach gut 300 spannenden Seiten eine schlüssige Auflösung bekommen möchten und die von einem Regionalkrimi nicht die detaillierte Beschreibung jeder Weggabelung und jedes Baums erwarten. Ich freue mich jedenfalls schon auf Band acht.

Katharina Peters: Strandmord. Aufbau 2018
www.aufbau-verlag.de

Walko: Hase und Holunderbär – Bruchlandung am Bärenfelsen

Ein anstrengender Besucher

Das „Dings“, das eines Tages in der Ferne vom Himmel fällt, kann nur ein Heißluftballon sein, jedenfalls vermutet Hase das nach einem Blick in Holunderbärs dickes Buch. Also machen sich die beiden Freunde auf eine lange, abenteuerliche Wanderung dorthin und finden den heldenhaften Ballonfahrer Hardi Kuhlewong Koala, der gerade allerdings eher ein schlechtgelaunter, hungriger, tollpatschiger, sehr anspruchsvoller und aufschneiderischer Bruchpilot ist. Nicht nur den Freunden Hase und Holunderbär geht er auf die Nerven, auch ihre Freunde auf der Hasenheide sind nicht gerade begeistert…

Der Autor und Illustrator Walko hat mit Hase und Holunderbär – Bruchlandung am Bärenfelsen ein Abenteuer um die beiden Freunde Hase, genannt Freund Ritter wegen seines Ritterhelms, und Holunderbär für Erstleser aufbereitet. Die 47 Seiten umfassende Geschichte ist groß gedruckt und in teilweise kürzeren Zeilen im Flattersatz gesetzt. Allerdings sind die Satzstrukturen zum Teil komplex und die Absätze schon etwas länger als bei ganz einfachen Leseanfänger-Büchern, pro Seiten gibt es bis zu 12 Zeilen Text und das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt, so dass ich es eher für Jungen und Mädchen ab der zweiten Klasse empfehlen würde.

Auf großen, farbigen Bildern auf jeder Seite, die sehr gut zum Text passen, lassen sich zahlreiche zusätzliche, oft witzige Details entdecken. In diesem Band haben mir die vielen Bewohner der Hasenheide besonders gut gefallen, Tiere aller Art mit ausdrucksstarker Mimik. Wie sie es alle zusammen schaffen, dass aus Hardi doch noch ein angenehmer Zeitgenosse und Freund wird, ist so witzig und kindgerecht erzählt und illustriert, dass man es ab fünf Jahren auch sehr gut vorlesen kann.

Walko: Hase und Holunderbär – Bruchlandung am Bärenfelsen. arsedition 2018
www.arsedition.de

Walko: Hase und Holunderbär – Der Dieb in der Heide

Wer klaut die Vorräte auf der Hasenheide?

Es ist kaum zu glauben: Auf der Hasenheide gibt es einen nächtlichen Dieb, der den Tieren das Futter klaut. Kann es sein, dass gar einer der Bewohner seine Freunde bestiehlt? Die Freunde Hase und Holunderbär wollen den Dieb entlarven, aber das ist gar nicht so leicht. Es bedarf der gewohnt guten Teamarbeit der beiden, um den Fall aufzuklären und den Täter zu stellen… Wie gut, dass Hase und Holunderbär so gewitzt sind und am Ende der Frieden wiederhergestellt ist!

Der Autor und Illustrator Walko hat mit Hase und Holunderbär – Der Dieb in der Heide ein Abenteuer um die beiden Freunde Hase, genannt Freund Ritter wegen seines Ritterhelms, und Holunderbär für Erstleser aufbereitet. Die 47 Seiten umfassende Geschichte ist groß gedruckt und in teilweise kürzeren Zeilen im Flattersatz gesetzt. Allerdings sind die Satzstrukturen zum Teil komplex und die Absätze schon etwas länger als bei ganz einfachen Leseanfänger-Büchern, pro Seiten gibt es bis zu 10 Zeilen Text und das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt, so dass ich es eher für Jungen und Mädchen ab der zweiten Klasse empfehlen würde.

Auf großen, farbigen Bildern auf jeder Seite, die sehr gut zum Text passen, lassen sich zahlreiche zusätzliche, oft witzige Details entdecken. Zudem ist dieser Band der Reihe besonders spannend und die Auflösung verblüfft garantiert alle – kleine Zuhörer ab fünf Jahren, Erstleser und erwachsene Vorleser gleichermaßen.

Walko: Hase und Holunderbär – Der Dieb auf der Heide. arsedition 2018
www.arsedition.de

Walko: Hase und Holunderbär – Der Schatz auf der Holunderinsel

Ein bärenstarkes Team

Wie gut, dass Hase und Holunderbär lesen können, sonst hätten sie nie erfahren, dass am Ende eines jeden Regenbogens ein Goldschatz begraben liegt. So aber machen sie sich mit ihrem Ruderboot auf den Weg zu Holunderinsel, wo einst die Mümmelsee-Piraten ihr Unwesen trieben. Einen Schatz finden sie zwar nicht, aber es werden zwei aufregende Tage und am Ende haben sie etwas gewonnen, das „weit mehr als ein Goldschatz“ ist: einen neuen Freund.

Der Autor und Illustrator Walko hat mit Hase und Holunderbär – Der Schatz auf der Holunderinsel ein Abenteuer um die beiden Freunde Hase, genannt Freund Ritter wegen seines Ritterhelms, und Holunderbär für Erstleser aufbereitet. Die 45 Seiten umfassende Geschichte ist groß gedruckt und in teilweise kürzeren Zeilen im Flattersatz gesetzt. Allerdings sind die Satzstrukturen manchmal  komplex und die Absätze schon etwas länger als bei ganz einfachen Leseanfänger-Büchern, pro Seiten gibt es bis zu 16 Zeilen Text und das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt, so dass ich es eher für Jungen und Mädchen ab der zweiten Klasse empfehlen würde.

Auf großen, farbigen Bildern auf jeder Seite, die sehr gut zum Text passen, lassen sich zahlreiche zusätzliche, oft witzige Details entdecken. Text wie Illustrationen drücken die tiefe Verbundenheit der beiden Freunde aus, zeigen ihre Teamfähigkeit, ihr Vertrauen zueinander und ihre Hilfsbereitschaft anderen gegenüber.

Ein drolliges, spannendes, liebevoll geschriebenes und illustriertes Erstleserbuch, das man ab fünf Jahren auch sehr gut vorlesen kann.

Walko: Hase und Holunderbär – Der Schatz auf der Holunderinsel. arsedition 2018
www.arsedition.de

Katrine Engberg: Krokodilwächter

Alle Puzzleteile finden ihren Platz

Herausstechend und zweifellos preiswürdig an Krokodilwächter ist der Umschlag: eindeutig Diogenes und doch mit den Schnitten, die den Blick auf den roten Leineneinband freigeben, ganz außergewöhnlich.

Mit Schnitten ist auch die erste Leiche übersät, die Verletzungen im Gesicht wirken sogar wie ein Scherenschnitt. Julie Stender, 21 Jahre alt, wird von einem anderen Mieter ihres Mehrfamilienhauses in der Kopenhagener Innenstadt gefunden. Was diesen Fall so ganz besonders macht, ist die unglaubliche Tatsache, dass die Hausbesitzerin, die berentete Unidozentin Esther de Laurenti, an einem Krimimanuskript arbeitet, das wie ein Drehbuch genau diesen Mord beschreibt. Wer ist der von der Presse als „Messermonster“ titulierte Täter, der so gut wie keine Spuren hinterlassen hat? Wer außer Esther hatte Zugang zu diesem Manuskript? Wer ist Julies geheimnisvoller neuer Freund „Mr. Mox“? Wer postet auf Instagram Fotos der übel zugerichteten Toten? Welche Rolle spielt ihr bulldozerhafter Vater, der sie zugleich vergöttert und bevormundet hat? Wer schwebt noch in Gefahr? Und nicht zuletzt: Was in aller Welt hat es mit dem titelgebenden Krokodil auf sich?

Um es vorwegzunehmen: Die Dänin Katrine Engberg hat in ihrem Debütthriller alle wesentlichen Fragen logisch und befriedigend geklärt. Dazu bedient sie sich zweier Polizeiassistenten, dem eher ruhigen Jeppe Kørner und der manchmal aufbrausenden, eher undiplomatischen Anette Werner, und ihrem Team von der Mordkommission Kopenhagen. Jeppe, dessen Ehe vor acht Monaten am unerfüllten Kinderwunsch gescheitert ist, hat seinen trennungsbedingten Nervenzusammenbruch und seine Selbstzweifel noch nicht überwunden, was sein berufliches Verhalten zwischendurch unprofessionell und gefährlich werden lässt. Dieser Aspekt des Buches ist zwar durchaus interessant und passt letztlich sogar überraschend gut zur Haupthandlung, hätte für mich aber deutlich kürzer ausfallen dürfen. Über Anette, die in einer Musterehe lebt, erfahren wir dagegen wenig, vermutlich wird sie in einem der nächsten Bände mehr in den Fokus rücken.

Der sehr spannende Thriller – oder Krimi – spielt an nur sechs Tagen: vom achten August, dem Todestag Julies, bis zum dreizehnten August, an dem Jeppe im Gespräch mit seinem Freund die äußerst komplexen Umstände noch einmal rekapituliert, wofür ich ihm angesichts der Verwicklungen dankbar war.

Ein Ermittlerteam mit viel Potential für kommende Bände, ein gutes sprachliches Niveau, viel Kopenhagenflair für Kenner, viele sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, klug aufgebaute, nahezu durchgängige Spannung und eine gut nachvollziehbare Auflösung als Ergebnis sorgfältiger Ermittlungen zeichnen diesen dänischen Bestseller aus.

Katrine Engberg: Krokodilwächter. Diogenes 2018
www.diogenes.ch

Alain Claude Sulzer: Postskriptum

Ein Künstlerleben mit Höhen und Tiefen

Eingerahmt wird der Künstlerroman Postskriptum des Schweizers Alain Claude Sulzer von zwei Kindheitserlebnissen des 1888 in Lemberg geborenen Protagonisten Lionel Kupfer. Im Prolog wird das Ertrinken seines Bruders geschildert, das er als Sechsjähriger miterlebt, im Postskriptum geht es um die Lektüre von Goethes Ballade vom Erlkönig, mit der er zwölfjährig sein Schauspieltalent entdeckt. Dazwischen erzählt Alain Claude Sulzer ein deutsches Schauspielerleben zwischen Januar 1933, als der gefeierte Star Lionel Kupfer im berühmten Hotel Waldhaus in Sils Maria zu Gast ist, und 1963, als die durch Krieg und Exil schmerzlich unterbrochene Karriere in den USA wieder in Gang gekommen ist.

Kupfers Aufenthalt im Waldhaus wird für den jungen Silser Postbeamten Walter Staufer zum unvergesslichen Erlebnis. Als glühender Verehrer des gefeierten Schauspielers schmuggelt er sich ins Hotel, wird ihm durch einen Zufall vorgestellt und verbringt schließlich einige intime Tage mit ihm. Die Affäre endet, als Kupfers jugendlicher Liebhaber Eduard zu Besuch kommt und ihm die Nachricht vom Ende seiner Karriere als jüdischer Schauspieler in Nazideutschland überbringt.

Die Geschichte von Eduard, einem Kunstbeschaffer der Nazis in Wien, der ein doppeltes Spiel spielt und dafür mit dem Leben bezahlt, fand ich besonders interessant. Auch das Schicksal des homosexuellen Walter und seiner unverheirateten Mutter in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in der konservativen Schweiz ist sehr gut erzählt. Atmosphärisch haben mir die Kapitel im Waldhaus am besten gefallen, außerdem ist die Kulisse von real existierenden Zeitgenossen Kupfers aus der Filmbranche und anderen Bereichen des künstlerischen Lebens sehr gut gemacht. Der Protagonist Kupfer ist für mich dagegen unnahbar geblieben. Trotz des großen Unrechts, das ihm widerfährt, konnte ich nicht das nötige Mitgefühl für ihn aufbringen, da er mir anfangs zu arrogant, später zu selbstmitleidig erschien. Auch Eduard und Walter waren mir nicht besonders sympathisch, sodass ich nur mit Walters einfacher Mutter Theres wirklich mitgelitten habe.

Achim Buch, den ich bisher als Sprecher nicht kannte, liest den ungekürzten Roman auf sechs CDs in knapp siebeneinhalb Stunden sehr ruhig und angenehm. Auch wenn ich bei dieser kunstvoll erzählten Geschichte gerne zugehört habe, hatte ich doch immer noch auf irgendeine Art von Überraschung am Ende gewartet, die allerdings ausblieb.

Alain Claude Sulzer: Postskriptum. Gelesen von Achim Buch. argon hörbuch 2018
www.argon-verlag.de