Friedrich Christian Delius: Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus

Träume leben

Paul Gompitz, Ex-Maschinenschlosser, Wehrdienstverweigerer, verstoßener Jurastudent, Hobby-Philosoph und jetzt Kellner auf einem Ostsee-Ausflugsdampfer hat einen Lebenstraum:

Er möchte einmal im Leben nach Italien, nach Syrakus, und danach in seine Heimat zurückkehren. Seit er in der Schule Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 gelesen hat, ist dieser Wunsch in ihm gereift und lässt ihn nicht mehr los.

Doch als Bürger der DDR gibt es für ihn keine Reisefreiheit, objektiv betrachtet besteht keine Chance auf eine Umsetzung. Weil er aber besessen von seiner Idee ist, beginnt er im Sommer 1981 mit der Aufstellung eines „Fünfjahresplans“ und verbringt die folgenden sieben (!) Jahre damit, sein Projekt kreativ in die Tat umzusetzen, wobei ihn kein Rückschlag aufhalten kann…

Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus ist eine kleine, ruhige, eindringliche, witzige und spannende Erzählung nach einer realen Begebenheit, die zeigt, was möglich ist, wenn man seine Träume nur konsequent genug verfolgt.

Friedrich Christian Delius: Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus. Rowohlt 2013
www.rowohlt.de

Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer

 Was der alte Gärtner zu erzählen hat

Mercè Rodoreda (1908 – 1983) ist eine der oder sogar die bedeutendste katalanische Schriftstellerin. Bisher kannte ich von ihr nur La plaça del diamant, einen Roman über den Spanischen Bürgerkrieg. Dank Roger Willemsen, der ein sehr lesenswertes Nachwort verfasst hat, und dem mareverlag liegt der Roman seit 2014 in einer sehr hochwertigen, äußerst liebevoll gestalteten Ausgabe im Schuber und mit Lesebändchen auf Deutsch vor.

Die Geschichte spielt in den 1920er-Jahren, also vor Beginn der Franco-Diktatur. Jeden Sommer begibt sich die Oberschicht Barcelonas zusammen mit ihren Gästen in ihre Sommervillen am Meer, um dort eine unbeschwerte Zeit zu verbringen. Eine diese Villen betreut seit langer Zeit der alte Gärtner, der einst zwei Lieben hegte: die zu seiner Frau und die zu seinem Garten. Seine Frau ist lange tot, geblieben ist ihm der Garten, in dem er jede Pflanze und jeden Halm kennt und hegt. Voller Ehrfurcht blickt er auf seinen Garten, eher nüchtern dagegen auf seine wechselnde Herrschaft, die in vergängliche Leidenschaften, in Intrigen und Lebenslügen verstrickt im Haus dem Müßiggang frönt. Als das Nachbaranwesen einen neuen Besitzer bekommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf…

Bescheiden, unaufdringlich, bedächtig und vertrauenswürdig berichtet der Gärtner vom Lauf der Jahreszeiten, von der Vergänglichkeit der Natur und der Liebe. Vieles scheint in diesem Buch zu schweben, manches versteckt sich zwischen den Zeilen und über dem ganzen hängt ein Hauch von Melancholie.

Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer. mare 2014
www.mare.de

Keigo Higashino: Böse Absichten

Falsche Fährten

Es ist sehr schwierig, über diesen japanischen Krimi etwas zu sagen, ohne schon zu viel an Spannung vorwegzunehmen, deshalb vorab die Empfehlung: Erst das Buch lesen, dann die Rezensionen!

Am Abend vor seiner Übersiedlung nach Kanada wird der japanische Bestsellerautor Kunihiko Hidaka in seinem Haus von seinem Freund, dem weniger erfolgreichen Kinderbuchautor Osamu Nonoguchi, und seiner Ehefrau Rie ermordet aufgefunden. „Wer“ und „warum“ sind die entscheidenden Fragen für Kommissar Kaga, der einst Lehrerkollege von Nonoguchi war, und der sich still und beharrlich in diesen Fall verbeißt, in dem alles immer wieder anders ist, als es scheint…

Selten hat mich ein Krimi so auf eine falsche Fährte gelockt wie dieser. Nicht nur, dass ich in Bezug auf die Lösung des Mordfalls zunächst völlig danebenlag, auch meine Verteilung von Sympathiepunkten musste ich im Laufe der Lektüre komplett revidieren.

Keigo Higashino hat seinen Krimi aus der Sicht von Nonoguchi und Kaga, die jeweils als Ich-Erzähler auftreten, verfasst. Stets höflich-japanisch im Umgang miteinander umschleichen sie sich, beobachten sich, und fast hat man den Eindruck, das Ganze wäre ein Spiel.

Der nüchterne Schreibstil, die vielen Überraschungen, die intelligent durchdachte Auflösung, das japanische Flair und die sehr ansprechende Aufmachung als Klappenbroschur mit einem sowohl farblich als auch vom Motiv sehr ansprechenden Cover machen diesen Krimi zu einem besonderen Buch.

Keigo Higashino: Böse Absichten. Klett-Cotta 2015
www.klett-cotta.de

Richard von Schirach: Die Nacht der Physiker

Heisenberg, Hahn, Weizsäcker und die deutsche Bombe

Als die Amerikaner im April/Mai 1945 gezielt zehn deutsche Physiker entführten, die an der Entwicklung der Uranbombe gearbeitet hatten, wollten sie damit verhindern, dass die Wissenschaftler und ihre Entdeckungen den Russen oder den als unzuverlässig geltenden Franzosen in die Hände fielen.

Die Forscher, unter ihnen Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker, wurden auf Umwegen nach England gebracht und vom 3. Juli 1945 bis zum 3. Januar 1946 in Farm Hall bei Cambridge versteckt.

Für seine hochspannende Dokumentation über die Zeit dieser Internierung, während der die deutschen Forscher vom Abwurf der amerikanischen Bomben über Japan förmlich überrumpelt wurden, hat Richard von Schirach unter anderem die 1993 freigegebenen Abhörprotokolle aus dieser Zeit ausgewertet, die tiefe Einblicke in die Denkweise und den unterschiedlichen Umgang mit der eigenen Verantwortung geben.

Daneben geht er aber auch ausführlich auf die amerikanische Uranforschung im Rahmen des Manhattan-Projekts  und verschiedene andere international bedeutende Forscher, wie z. B. Lise Meitner und Nils Bohr ein. Auch die technischen Details der Forschung weiß der gelernte Sinologe Schirach für Nicht-Physiker gut verständlich darzustellen.

Eine faszinierende Auseinandersetzung mit der Verantwortung der deutschen Uranforscher, nach deren Lektüre die Legende über den angeblich freiwilligen Verzicht der deutschen Wissenschaftler auf den Bau der Atombombe endgültig hinfällig ist.

Richard von Schirach: Die Nacht der Physiker. Rowohlt 2014
 

Sigge Eklund: Das Labyrinth

Kein Krimi, aber ein absolut empfehlenswertes Drama!

Fast alles hat der DuMont Buchverlag bei diesem Buch richtig gemacht: Die Klappenbroschur liegt angenehm in der Hand, das Cover ist ansprechend, die schnörkellose Schrift auf dem Cover passt wunderbar zur Sprache des Textes, nur den Vergleich mit „Gone Girl“ hätte man besser unterlassen, denn so wurden falsche Erwartungen geweckt und teilweise die falschen Leser angezogen. Schade!

Wie schon deutlich auf dem Cover zu lesen ist, ist Das Labyrinth kein Krimi, erst recht kein Thriller, sondern ein Roman, besser noch ein Psychodrama, um vier Erwachsene und ein elfjähriges Mädchen. Magda, das Mädchen, verschwindet im Mai 2010 spurlos aus ihrem Bett, während die Eltern Åsa und Martin in einem hundert Meter entfernten Restaurant zu Abend essen. Während man in neun Kapiteln, die jeweils mit einem Namen eines der vier Erwachsenen und einem genauen Zeitraum zwischen Dezember 2009 und März 2011 überschrieben sind, die Gefühlwelt eben dieser Protagonisten detailliert kennenlernt, bleibt Magda ein Phantom. Wir erfahren von ihr nicht mehr, als dass sie ein verschlossenes, einzelgängerisches, schwieriges Kind ist. Dem Vater und den Klassenkameraden fremd, von der Mutter, einer fanatischen Psychologin, nach ideologischen Grundsätzen, aber mit wenig Liebe erzogen, kommt der Leser ihr nicht näher, und dass am Ende die überraschende Auflösung ihres Verschwindens so unspektakulär wie tragisch ist, passt zu ihrer Unscheinbarkeit.

Im Mittelpunkt des Dramas steht also nicht Magda, die nur der Anlass für den Roman ist, sondern ihre Eltern Åsa und Martin sowie ein weiteres Paar, Tom und Katja. Zwischen den vier Hauptpersonen gibt es mannigfaltige Verbindungen, von denen der Leser erst im Laufe der Handlung puzzlestückhaft erfährt. Keine der Hauptpersonen war mir besonders sympathisch, alle tragen so viel Ballast mit sich herum, dass sie kaum Empathie für ihre Umgebung aufbringen. Trotzdem wäre ohne Magdas Verschwinden vielleicht alles weitergelaufen wie bisher. Aber nun sind Welten aus den Fugen geraten, besonders bei den Eltern, gegen die sich der erste Verdacht der Polizei richtet.

Besonders interessant ist die gewählte Erzählweise: Obwohl die Kapitel nicht in der Ich-Form abgefasst sind, sondern ein auktorialer Erzähler berichtet, ist dieser nicht immer vertrauenswürdig, wie man es erwarten würde. Man muss also mehrere Versionen lesen, um die Wahrheit zu erkennen. Da nicht chronologisch erzählt wird, sind die Anforderung an den Leser nicht gering, eine Anstrengung, für die man mit einer höchst spannenden, psychologisch tiefgehenden Handlung belohnt wird.

Mir hat dieser Roman ausnehmend gut gefallen. Die nüchterne Sprache, das durchgängig hohe Spannungsniveau, die psychologisch sehr gut ausgearbeiteten Charaktere, die mosaikhafte Erzählweise und die Tatsache, dass am Ende die losen Fäden kunstvoll verknüpft werden, machen dieses Drama für mich absolut empfehlenswert!

Sigge Eklund: Das Labyrinth. DuMont 2015
www.dumont-buchverlag.de

Rosamund Lupton: Liebste Tess

 Nichts ist so, wie es scheint

Als Beatrice vom Verschwinden ihrer jüngeren Schwester, Kunststudentin in London und ihr charakterlich völlig unähnlich, erfährt, beginnt sie unverzüglich mit den Nachforschungen. Im Gegensatz zur Polizei, die nach dem Fund der Leiche von einem Selbstmord ausgeht, kann und will Beatrice dies nicht glauben und recherchiert ohne Rücksicht auf sich selbst alleine weiter…

Rosamund Lupton hat ihren ersten Roman in Form eines Briefes von Beatrice an ihre tote Schwester geschrieben, in dem sie von ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen, den verschiedenen von ihr verfolgten Spuren und ihrem eigenen Leben erzählt – bis zum völlig überraschenden Showdown.

Rosamund Lupton: Liebste Tess. dtv 2012
www.dtv.de

Boris Pfeiffer: Unter der Stadt

Gruselig und spannend

Unsichtbar und trotzdem da heißt diese Kinder-Krimi-Serie für Leser ab ca. neun Jahren. Unter der Stadt ist bereits der zweite Band, doch kann man ihn auch unabhängig lesen, da alle nötigen Informationen gegeben werden. Gleichzeitig sind aber so viele spannende Details aus dem ersten Band erwähnt, dass man ihn unbedingt auch kennenlernen möchte…

Im Mittelpunkt der Serie stehen die drei Berliner Freunde und Kinderdetektive Jenny, Addi und Ağan, die aus völlig unterschiedlichen sozialen Milieus stammen und sich vielleicht genau deshalb so perfekt ergänzen. Der vierte im Bunde ist Goffi, ein intelligentes Äffchen, das für manches Schmunzeln sorgt. Die Bande macht es sich zunutze, dass Kinder im allgemeinen Getümmel oft übersehen werden, daher ihr Name „Unsichtbar-Affen“, und wenn sie einmal nicht übersehen werden und trotzdem unsichtbar bleiben wollen, haben sie ihre Ablenkungstricks.

Im vorliegenden Fall kommen die drei Freunde einer geheimnisvollen Diebesbande auf die Spur. Die Bande des „schönen Christian“,  die wiederum von diesem betrogen wird, schlägt bei ihren Einbruchstouren Schaufensterscheiben ein und verschwindet in einem gigantischen Nebel ebenso spurlos, wie sie aufgetaucht ist. Wie diese Raubzüge mit den Erlebnissen von Ağan bei einer geheimnisvollen, schrecklichen U-Bahn-Fahrt zusammenhängen, bei der er der einzige Passagier ist und auf einer unbekannten Strecke fährt, ist ebenso gruselig wie spannend.

Die 10 Kapitel mit einer gut lesbaren Schrift, übersichtlichen Gestaltung und ansprechenden Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind für Kinder ab ca. neun Jahren gut zu bewältigen. Die Handlungsabläufe stellen dabei durchaus Ansprüche an Konzentration und Fantasie. Hilfreich wäre ein Stadt- oder U-Bahn-Plan von Berlin, um die Handlungsorte zu lokalisieren, vielleicht könnte man das sogar bei einer späteren Auflage vorne eindrucken.

Mir hat bei der Lektüre besonders gut gefallen, wie respektvoll die drei Freunde miteinander umgehen. An keiner Stelle wird Ağan wegen seiner Ängste vor dem U-Bahn-Dschinn lächerlich gemacht und jeder steht für die anderen ein.

Ein sehr empfehlenswertes Kinderbuch für alle, die spannende Serien mögen.

Boris Pfeiffer: Unter der Stadt. Kosmos 2011
www.kosmos.de

Anke Gebert: Über Kreuz

Für den Strand oder die Hängematte

Diese Rezension fällt mir nicht ganz leicht, denn es gibt ein großes „Einerseits-andererseits“. Einerseits habe ich festgestellt, dass mir so kurze Krimis eigentlich zu wenig sind. Für meinen Geschmack fehlen die tiefergehenden Charakterstudien, es gibt zu wenig Personal und zu wenig lose Enden, die zuletzt idealerweise verknüpft werden. Genaugenommen beschränkt sich hier die Ermittlungsarbeit auf 100 Seiten (ab dem Betreten des Schiffes), und das ist einfach zu wenig, um komplexe Strukturen aufzubauen. Das Ende kam daher sehr unvermittelt.

Andererseits: Nicht jeder mag 400-Seiten-Krimis, und für diese Leser ist Über Kreuz eine durchaus empfehlenswerte Lektüre. Obwohl es schon der dritte Band einer Krimiserie ist, bekommt man alles Wissenswerte der ersten beiden Bände mitgeteilt, so dass man problemlos hier einsteigen kann.

Die Privatermittlerin Nina, vor kurzem von Hamburg in ihre Heimatstadt Travemünde zu ihrem Freund gezogen, erhält von einer reichen Nachbarin, Monica, den Auftrag, im Tod von deren Mann Pierre zu ermitteln, der durch eine Verwechslung von Bernstein mit Phosphor verbrannt ist. Die Polizei geht von einem Unfall aus, Monica von Mord, zumal Pierre, ein anerkannter Kunstexperte, einem Fälscher-Ehepaar auf die Spur gekommen ist und dieses anzeigen wollte. Da die Fälscher auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten, starten Monica und Nina zu einer Kreuzfahrt. Während Nina ermittelt und dabei in akute Gefahr gerät, hat Monica noch eine Rechnung mit der Entertainmentchefin offen…

Gut gelungen ist in diesem Krimi die Beschreibung von Travemünde und des Lebens auf dem Kreuzfahrtschiff und auch Pierres Todesart fand ich äußerst originell. Dass aber auch noch die Familiengeschichte von Nina eine so große Rolle spielt, war mir für 170 Seiten zu viel. Hier wäre mir eine größere Fokussierung auf die Ermittlungsarbeit lieber gewesen. Nebenbei gesagt hat mich auch gestört, dass ständig(!) geraucht oder getrunken wurde.

Wer also einen Krimi sucht, den man gut am Strand oder in der Bahn lesen kann, der schön gestaltet und gut gedruckt ist und keine allzu hohen Anforderungen an die Konzentration stellt, dem kann ich Über Kreuz durchaus empfehlen.

Anke Gebert: Über Kreuz. Emons 2015
www.emons-verlag.de

Martin Kluger: Die Gehilfin

Die Berliner Charité um 1900

Wissenschaftshistorische Romane haben Konjunktur, das sieht man z. B. an Kehlmanns Bestseller Die Vermessung der Welt. Auch Martin Klugers Roman Die Gehilfin gehört in dieses Genre, allerdings stellt Kluger im Gegensatz zu Kehlmann eine erfundene Figur in den Mittelpunkt: Henrietta Mahlow.

Bei ihrer Geburt in der Berliner Charité in den 1880er-Jahren stirbt ihre Mutter. Ihr Vater, ein kleiner Schreiner, verfällt zunehmend dem Alkohol. Aus Mitleid bieten Mitarbeiter der Charité ihm eine Tätigkeit als Krankenpfleger bei den Tuberkulosekranken an. So wächst Henrietta in der Charité auf, ihre Kindheit und Jugend verbringt sie zwischen Krankensälen, Leichenkellern, Nährbodenküchen und Laboratorien und wird zum Maskottchen der Ärzte, die in diesen Jahren die Medizin revolutionieren: Rudolf Virchow, Robert Koch, Emil Behring und Paul Ehrlich.

Das vertraute Verhältnis findet jedoch ein abruptes Ende, als die intelligente, neugierige und ehrgeizige junge Frau Medizin studieren und forschen will. So fortschrittlich man in der Charité in medizinischen Fragen denkt – die gesellschaftlichen Strukturen sind zementiert. Doch so leicht lässt sich Henrietta nicht entmutigen: Als Student verkleidet, schleicht sie sich in Hörsäle und beginnt, auf eigene Faust zu forschen …

Martin Kluger erzählt in Die Gehilfin eines der spannendsten Kapitel deutscher Forschungsgeschichte und zugleich die traurige Geschichte einer Frau, die aufgrund ihrer Herkunft und ihres Geschlechts weder ihren Lebenstraum noch ihre große Liebe verwirklichen kann.

Leider konnte mich die Geschichte trotz des interessanten Hintergrunds nicht vollständig überzeugen, zu bemüht und zu konstruiert wirkte sie auf mich.

Martin Kluger: Die Gehilfin. DuMont 2006
www.dumont-buchverlag.de

Kirsten Boie: Die Medlevinger

Fantasy-Krimi für alle ab zehn Jahren

Kirsten Boies Die Medlevinger beginnt mit zwei scheinbar unverknüpften Geschichten, die drucktechnisch so gestaltet sind, dass man immer sofort sieht, in welcher Geschichte man sich gerade befindet. Da ist einmal die Geschichte von Johannes, zwölf Jahre alt, der zusammen mit seiner Mutter in einer Hamburger Erdgeschosswohnung mit Zugang zu einem Hinterhof wohnt, und seiner Freundin Line, die aus Geldnot illegal mit ihrem arbeitslosen Vater auf einer Barkasse im Hafen lebt.

Daneben gibt es die Geschichte aus dem Medlevingerland. Die Medlevinger sehen aus wie kleine Menschen und haben bis vor 500 Jahren friedlich mit den Menschen auf der Erde zusammengelebt, bis einer von ihnen von einem Menschen aus Goldgier ermordet wurde. Seitdem haben sie sich in ihr Land unter der Erde zurückgezogen und sowohl bei den Medlevingern als auch bei den Menschen kennt kaum noch jemand die alte Geschichte. Doch nun sind zwei Medlevinger verschwunden und die beiden Medlevingerkinder Nis und Moa gehen sie suchen. Als sie durch einen langen Gang nach oben gehen, landen sie geradewegs in Johannes‘ Hinterhof …

Die Medlevinger ist ein wirklich außergewöhnliches und sehr detailreiches Kinderbuch, das nicht nur unglaublich spannend bis zum dramatischen Showdown ist, sondern auch – trotz aller Fantasy – die alltäglichen Sorgen und Ängste der Kinder und Jugendlichen aufnimmt. Mal ernst und oft sehr witzig lösen die Kinder ihre Probleme durch ihren Zusammenhalt fast ohne die Hilfe der Erwachsenen, die mit ihren eigenen Nöten zu kämpfen haben.

Definitiv einer meiner Favoriten unter den Büchern für Kinder ab zehn!

Kirsten Boie: Die Medlevinger. Oetinger 2004
www.oetinger.de