Potzblitz! – oder Polly folgt ihrem Herzen
Wer sagt denn, dass Vampire gierige Blutsauger sind, die sich in finsteren Särgen mit Spinnenweben zudecken?
Polly Schlottermotz jedenfalls ist eine ganz normale Achtjährige mit einer netten Familie, einer tollen Freundin und den gemeinsamen Ponys Gulasch und Suppe, die in Kalifornien an der Ostsee auf einem idyllischen Bauernhof lebt. Doch dann wächst ihr über Nacht für den ausgefallenen Eckzahn ein riesiges, spitzes Etwas nach und für die Eltern steht fest, dass bei Polly das längst verloren geglaubte Vampirgen der Vorfahren durchgeschlagen hat. Dass sie gleichzeitig auch noch Riesenkräfte entwickelt, sobald sie wütend wird, ruft die Vampirpolizei in Gestalt der sieben Altvampire im Siebenschläferrat auf den Plan. Ultimativ fordern sie Polly auf, in Hamburg die hochallerehrwürdigste Siebenschläferprüfung abzulegen und schweren Herzens nimmt Polly Abschied, um vorübergehend zur Vampir-Großtante Winnie in die Hansestadt zu ziehen.
Was Polly im Turmzimmer auf Winnies Hausboot, in der neuen, ganz normalen Schule und in der Parallelwelt der Vampire erlebt, ihre Bekanntschaft mit dem sehschwachen Fledermäuserich Adlerauge und Isabella von Zappenduster aus dem Bilderrahmen, die aufreibende Prüfungsvorbereitung und das Heimweh, das alles erzählt die mit einer ungeheuren Erzählfreude begabte, vor Einfällen sprühende Autorin so leicht, logisch, warmherzig und überaus witzig, dass wirklich jedes Kapitel ein Gewinn für Vorleser und Zuhörer ist. Polly, das Mädchen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, das jederzeit eigene Interessen hinter denen Schwächerer zurückstellt, wächst einem mit jeder Seite mehr ans Herz. Das überwiegend sympathische Vampiruniversum, das Lucy Astner hier geschaffen hat, bietet nicht nur ständig neue Überraschungen, es regt auch die Fantasie der Kinder an und bietet – potzblitz! – genug Stoff für hoffentlich viele weitere Bände. Dabei schießt die Autorin mit ihren Einfällen aber nie über das Ziel hinaus und bringt, bei allem Sprachwitz und aller Komik, unbemerkt noch jede Menge brandaktuelle Themen und sogar ein bisschen Moral unter.
Ein in jeder Hinsicht herausragendes Kinderbuch, liebevoll mit kleinen, pfiffigen Schwarz-Weiß-Illustrationen versehen von Lisa Hänisch, zum Vorlesen ab sechs, zum Selberlesen wegen der bereits umfangreichen Textmenge frühestens ab der dritten Klasse. Wetten, dass die Jungs es trotz der weiblichen Hauptrolle und des eher mädchenhaften Äußeren auch lieben werden?
Lucy Astner: Polly Schlottermotz. Planet! 2016
www.thienemann-esslinger.de
Im winterlichen Fjällbacka wird die Leiche der reichen, schönen und selbstbewussten Alexandra Wijkner gefunden, kunstvoll drapiert in einer Badewanne und von Eis umschlossen wie eine Eisprinzessin.
Der Kunsthistoriker und Fotograf Michael Brix hat in diesem Bildband den Garten von Schloss Vaux le Vicomte bei Paris, das erste Werk des Gartenarchitekten André Le Nôtre, dokumentiert. Den Auftraggeber, seinen Finanzminister Nicolas Fouquet, ließ Ludwig XIV. dafür einsperren. Er verzieh ihm die Demonstration von Modernität, Eleganz und Aufstieg nicht.
Ein Tipp vorweg: Hätte ich das Nachwort von Stefan Moster zur politischen Situation 1972 in Finnland vor der Lektüre des Romans gelesen, hätte ich manches besser verstanden.
Mit seinem Lachen bezaubert Anton den kleinen Gustav schon in der Vorschule. Gustav, dessen Liebe zur Mutter nicht erwidert wird, der vaterlos und bitterarm in der Nachkriegszeit in Matzlingen im Schweizer Mittelland aufwächst und zur Selbstbeherrschung erzogen wird, liebt und bewundert den klavierspielenden Bankierssohn vom ersten Augenblick an und fühlt sich in dessen Familie geborgen. Doch über 50 Jahre müssen vergehen, viele falsche Wege beschritten werden, bis beide ihr Zuhause finden.
Anlässlich des 125. Geburtstages von Stefan Zweig, einem der großen Autoren des 20. Jahrhunderts, erschien 2006 Oliver Matuscheks Biografie Drei Leben – Eine Biographie. Ich habe mich gefragt, ob es dieser angesichts von Stefan Zweigs herausragender Autobiografie Die Welt von gestern überhaupt bedarf, aber da er selber nur äußerst sparsam über sein eigenes Leben und viel mehr über die Zeit berichtet („Es wird eigentlich nicht so sehr mein Schicksal sein, das ich erzähle, sondern das einer Generation.“), erfahren wir bei Matuschek durchaus viel Neues.
Da hat sich der kleine Esel Ferdinand, den alle immer nur auf später vertrösten, so auf Emmi, die Enkelin seiner Besitzer gefreut. Bei ihr will er endlich ein richtiger Kinder-Führesel werden, aber dann findet Emmi Esel langweilig und möchte lieber ein Pony. Welche Enttäuschung!
Tariq Ali, 1943 in Pakistan geboren, der inzwischen als Journalist, Schriftsteller, Historiker und Fillmproduzent in London lebt, und den Daniel Cohn-Bendit als „Grenzgänger zwischen der westlichen und arabischen Welt“ charakterisiert, lässt in diesem historischen Roman das Osmanische Reich des Jahres 1899 wiederauferstehen.
Dies ist kein durchgängiger Roman, es ist aber auch keine zufällige Sammlung von Kurzgeschichten zum Thema Liebe, denn je länger man liest, desto mehr Verbindungen zwischen den vier Geschichten kann man entdecken, und genau daran hatte ich beim Lesen großen Spaß. Am Ende finden die Geschichten wunderbar zusammen und bilden doch ein Ganzes, obwohl sich die Figuren nur am Rande begegenen, fast wie Kugeln auf einem Billardtisch, die einander streifen oder zusammenprallen und dann wieder auseinanderdriften. Dass dies wie unausweichliche Fügungen und nicht im Mindesten konstruiert auf mich gewirkt hat, ist der Erzählkunst des Franzosen Grégoire Delacourt zuzuschreiben, der die Handlung mit spielerischer Leichtigkeit erzählt.