Paula McLain: Lady Africa

Ein fiktional-autobiografischer Roman über eine unkonventionelle, interessante Frau

Dieses Buch besticht zunächst durch eine auffällig geglückte Aufmachnung und Ausstattung. Der lehmbraune Leineneinband und das sonnengelbe Vorsatzblatt lassen sofort Afrika vor mir erscheinen, das Bild des Schutzumschlags ist eine gut komponierte Mischung aus historischer Fotografie und moderner Gestaltung und die stabile Bindung sowie das dunkelrote Lesebändchen stehen für Hochwertigkeit. Ob der deutsche Titel Lady Africa allerdings passender ist als das englische Original Circling the Sun ist, möchte ich bezweifeln.

Paula McLains Roman über die Flugpionierin Beryl Markham (1902 – 1986) ist eine fiktive Autobiografie, geschrieben deshalb aus der Ich-Perspektive. Stützen konnte sich die Autorin dabei auf eine 1942 erschienene Autobiografie unter dem Titel West with the Night und unter anderem auf Karen Blixens Erinnerungen Afrika, dunkel lockende Welt, verfilmt unter dem Titel Jenseits von Afrika, in der Beryl Markham allerdings keine Erwähnung findet.

Beryl Markham kam unter dem Namen Beryl Clutterbuck in England zur Welt, ihre Eltern wanderten jedoch bereits 1904 nach Britisch Ostafrika aus, wie Kenia zu dieser Zeit noch genannt wurde. Da die Mutter bereits zwei Jahre später mit dem älteren Bruder nach England zurückkehrte, wuchs Beryl sehr frei bei ihrem pferdezüchtenden Vater und in engem Kontakt mit den Eingeborenen auf. Alle Versuche einer geregelten Schulbildung scheiterten an ihrem Freiheitsdrang und ihrer Wildheit.

Beryls Leben war geprägt einerseits durch Superlative, denn sie war mit 18 Jahren die erste lizensierte Pferdetrainerin Kenias und mit 34 Jahren die erste Frau, die alleine den Atlantik in einem Motorflugzeug überquerte, andererseits durch private Misserfolge wie die Insolvenz der Farm des Vaters, unglückliche Männerbeziehungen und gescheiterte Ehen sowie das immer wiederkehrende Scheitern an Grenzen, die Frauen zu dieser Zeit gesetzt waren und die auch sie nicht immer überwinden konnte. Der einzige Mann, den sie wohl wirklich geliebt hat, der britische Aristokrat, Frauenschwarm und Großwildjäger Denys Finch Hatton, bekannt als die große Liebe von Karen Blixen, konnte sich nie zu einer festen Beziehung durchringen, jedoch verdankt sie ihm ihre Leidenschaft für die Fliegerei.

Paula McLains Roman, der von einem Prolog und einem Epilog vom 4. September 1936, dem Tag des legendären Atlantikflugs eingerahmt wird und deshalb nur Beryls Leben bis dahin zum Inhalt hat, liest sich leicht und unterhaltsam. Er vermittelt ein interessantes Bild einer leidenschaftlichen und beharrlichen Frau. Ich habe es aber bedauert, dass den immer neuen Männerbeziehungen Beryls ein so großer Raum eingeräumt wurde, während Naturbeschreibungen, die Karen Blixen so wunderbar beherrschte, Mangelware bleiben. Auch die Kolonialpolitik und die Lebenssituation der einheimischen Bevölkerung kommt nach meiner Ansicht leider viel zu kurz. Trotzdem lohnt die Lektüre!

Paula McLain: Lady Africa. Aufbau 2015
www.aufbau-verlag.de

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