Richard von Schirach: Die Nacht der Physiker

Heisenberg, Hahn, Weizsäcker und die deutsche Bombe

Als die Amerikaner im April/Mai 1945 gezielt zehn deutsche Physiker entführten, die an der Entwicklung der Uranbombe gearbeitet hatten, wollten sie damit verhindern, dass die Wissenschaftler und ihre Entdeckungen den Russen oder den als unzuverlässig geltenden Franzosen in die Hände fielen.

Die Forscher, unter ihnen Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker, wurden auf Umwegen nach England gebracht und vom 3. Juli 1945 bis zum 3. Januar 1946 in Farm Hall bei Cambridge versteckt.

Für seine hochspannende Dokumentation über die Zeit dieser Internierung, während der die deutschen Forscher vom Abwurf der amerikanischen Bomben über Japan förmlich überrumpelt wurden, hat Richard von Schirach unter anderem die 1993 freigegebenen Abhörprotokolle aus dieser Zeit ausgewertet, die tiefe Einblicke in die Denkweise und den unterschiedlichen Umgang mit der eigenen Verantwortung geben.

Daneben geht er aber auch ausführlich auf die amerikanische Uranforschung im Rahmen des Manhattan-Projekts  und verschiedene andere international bedeutende Forscher, wie z. B. Lise Meitner und Nils Bohr ein. Auch die technischen Details der Forschung weiß der gelernte Sinologe Schirach für Nicht-Physiker gut verständlich darzustellen.

Eine faszinierende Auseinandersetzung mit der Verantwortung der deutschen Uranforscher, nach deren Lektüre die Legende über den angeblich freiwilligen Verzicht der deutschen Wissenschaftler auf den Bau der Atombombe endgültig hinfällig ist.

Richard von Schirach: Die Nacht der Physiker. Rowohlt 2014
 

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