Silke Schlichtmann: Pernilla oder Warum wir nicht in den sauren Apfel beißen mussten

Ganz normaler Familienwahnsinn

Wow, was für eine sympathische, nimmermüde achtjährige Buxtehuder Quasselstrippe, diese Pernilla Petersen, die uns auf knapp 300 Seiten erzählt, wie sie und ihre Brüder die Familie vor dem finanziellen Ruin und einem Umzug vom Haus in eine Vierzimmerwohnung bewahren.

Dabei sieht am Anfang alles ganz traurig aus: Der Vater, Bestattungsunternehmer Petersen, bekommt seit knapp drei Monaten keine Aufträge mehr und die Mutter, Krimiautorin, hat die Verleumdungsklage eines angeblich wegen ihres neuen Buches um seine Umsätze gebrachten Obstbauern am Hals. Kleinere Katastrophen wie ein Strafreferat über den Harz, Massennachwuchs beim vermeintlich männlichen Mäusepaar Ernie und Bert und ähnliches kommen dazu.

Doch Pernilla und ihre Brüder, der fünfzehnjährige Lars, der zehnjährige Ole und der einjährige Sten, lassen sich so leicht nicht unterkriegen. Eine Arbeitsgruppe mit dem Namen „Goslar go home“ wird gebildet und die Probleme werden systematisch – oder wie Pernilla sagt: multiperspektivisch – angegangen: Observierung der Bestatterkonkurrenz und Ermittlung und Auskundschaftung des klagenden Obstbauers. Jedes Kind stellt seine Talente in den Dienst der guten Sache, kleinere Projekte wie die Regenwurmrettung müssen erst mal auf die lange Bank geschoben werden und obwohl die Mission zwischendurch fast zur „Mission impossible“ wird, heißt es schließlich doch: Ende gut, alles gut!

Obwohl ich nicht zur Zielgruppe gehöre, hat mir das Lesen dieses vor Fantasie nur so sprühenden, fröhlichen Kinderbuchs um eine leicht skurrile Großfamilie einen Heidenspaß gemacht. Der Autorin merkt man eine geradezu überbordende Schreibfreude an, die sich in einer unglaublichen Zahl von Einfällen bis hin zum Buchtitel und den Kapitelüberschriften niederschlägt. Allein die Szenen am Frühstückstisch lohnen bereits das Lesen! Gut gefallen hat mir außerdem die für ein Kinderbuch durchaus anspruchsvolle Sprache. Da Pernilla neue Wörter sowie die Sprüche ihrer Oma Hilde gerne mit Erklärungen versehen weitergibt, dient das Buch so ganz nebenbei und unbemerkt auch der Erweiterung des kindlichen Wortschatzes.

Hervorheben möchte ich außerdem die wieder einmal hervorragend zum Text passenden, sehr ausdrucksstarken Illustrationen von Susanne Göhlich und die gewohnt wertige Herstellung durch den Hanser Verlag, die das Buch auch optisch zu einem Genuss machen.

Obwohl ich Band eins, Pernilla oder Wie die Beatles meine viel zu große Familie retteten, noch nicht kenne, war das Lesen problemlos möglich. Empfehlen möchte das Buch zum Vorlesen ab ca. sieben Jahren, zum Selberlesen für gute Leser beiderlei Geschlechts ab der dritten Klasse.

Silke Schlichtmann: Pernilla oder Warum wir nicht in den sauren Apfel beißen mussten. Hanser Kinderbuch 2016
www.hanser-literaturverlage.de

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