W. Somerset Maugham: Liza von Lambeth

Ein wacher Blick auf die Schattenseiten der Industrialisierung

Liza von Lambeth war William Somerset Maughams (1874 – 1965) erster Roman und der bescheidene Erfolg veranlasste ihn, seinen Beruf als Armenarzt in London im Alter von nur 23 Jahren aufzugeben, um sich fortan ausschließlich der Schriftstellerei zu widmen.

Ort der Handlung ist die Londoner Vere-Street im Armen- und Arbeiterviertel Lambeth südlich der Themse, geprägt durch Armut, Gewalt und Alkohol. Dort lebt die 18-jährige Fabrikarbeiterin Liza, ein hübsches, selbstbewusstes und lebenslustiges Mädchen, bei ihrer verwitweten, alkoholabhängigen Mutter. Ihr Verehrer Tom ist ein solider, ehrlicher junger Mann, der ihr ein bescheidenes Leben bieten könnte, doch stattdessen verliebt Liza sich in einen älteren, verheirateten Familienvater aus dem Viertel. Auf eine kurze Phase des heimlichen Glücks folgt eine Tragödie.

W. Somerset Maugham schildert die Verhältnisse in einem Arbeiterslum um 1900 minutiös und unsentimental. Der Roman trug ihm beim Bürgertum viel Kritik ein, weil er einerseits die moralische Wertung dem Leser überließ und es andererseits als unpassend galt, die Welt der Arbeiter so naturalistisch abzubilden.

Ein gut zu lesender Roman, der aber weit von meinem absoluten Lieblingbuch Der bunte Schleier vom gleichen Autor entfernt ist.

W. Somerset Maugham: Liza von Lambeth. Diogenes 2005
www.diogenes.ch

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