Sehr schräg, aber nie albern: eine Perle im Literaturmarkt
Auf den ersten Blick hat mich dieser lange, umständlich anmutende Titel angesprochen. Zusammen mit dem schrillen Cover und dem Qualitätsgaranten Arche Verlag waren meine Erwartungen hoch und wurden nicht enttäuscht! Dieser dünne Roman ist ein Kleinod, nicht nur für Frankreich-Liebhaber.
Die Mittdreißigerin Marie aus Toulouse bestellt einen neuen Kühlschrank, doch als der Lieferservice weg ist, muss sie feststellen, dass das Gerät defekt ist. Sie ruft die Hotline an, anschließend den Kundendienst und tritt damit eine weltweite Lawine los, die weder sie noch die beteiligten Akteure stoppen können. Am Ende versperren 17 Kühlschränke ihre kleine Wohnung, doch sie hat die Liebe gefunden, wo sie sie nie vermutet hätte, sich mit ihrem Vater ausgesöhnt und ist überhaupt eine ganz andere geworden.
Wer nun denkt, dass der Roman nur 160 Seiten lang Skurrilitäten aneinander reiht, liegt völlig daneben. Zwar ist die Handlung oft deutlich überzeichnet, doch wer schon mit Hotlines, Kundendiensten oder dem Kunstmarkt zu tun hatte, weiß, dass die Realität dort oft jede Satire toppt…
Eine Besonderheit dieses Romans ist sicherlich die Sprache. Es berichtet ein allwissender Erzähler, der uns immer wieder in die Handlung mit einbezieht, gleichzeitig sachlich, trocken, distanziert, liebevoll anteilnehmend und zugleich poetisch ist, und genau auswählt, welche Informationen er preisgibt und welche nicht. So verschweigt er uns sowohl Maries Beruf als auch die Namen der Männer ihrer Umgebung, doch wir erfahren alles, was für den Verlauf der Geschichte Bedeutung hat. Ein Lob hier auch an die Übersetzerin, die den Ton wunderbar trifft und durchhält.
Für mich ist „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ eine wahre Perle am diesjährigen Literaturmarkt, beste Unterhaltung, schräg ohne je albern zu werden und mit einigem Tiefgang, den Monnier gekonnt hinter einem Augenzwinkern verbirgt.
Alain Monnier: Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe. Arche 2015
www.arche-verlag.com


e kann man als Mutter weiterleben, wenn der größte Alptraum Realität geworden, das eigene Kind vor den Augen spurlos verschwunden ist? Für Beth, nach traumatischer Trennung seit kurzem Single und in ständiger Sorge um das einzige Kind, die 8-jährige Carmel, wird genau das wahr. Während sie mit Carmel ein Geschichtenfestival besucht, wird das sensible, verträumte und etwas altkluge Kind, das unter der Überfürsorge der Mutter und dem Verlust des Vaters leidet, scheinbar vom Nebel verschluckt.
ne Landschaften – tragische Geschichte“, so fasst Klaus Bednarz, pensionierter ARD-Journalist, die Eindrücke seiner Reise durch Karelien zusammen. Das hoch im rauen Norden gelegene Grenzland zwischen Finnland und Russland gehört zu den ältesten Kulturlandschaften des Kontinents. Zeugnisse der bewegten Geschichte von den Jahrtausende alten Steinzeichnungen über die Gräueltaten in den verheerenden Kriegen bis zum ersten Gulag Stalins, grandiose Natur, einzigartige Kulturdenkmäler wie Holzkirchen und Klöster sowie eindrucksvolle Porträtaufnahmen der dort lebenden Karelier, Samen und Wepsen, die heute um den Erhalt ihrer Traditionen und Sprachen kämpfen, hat die Fotografin Gabi Mühlenbrock eingefangen. Entstanden ist ein wunderbarer Bildband mit informativen und einfühlsamen Texten, der die Sehnsucht nach diesem einsamen, vorwiegend von Seen und Wäldern bedeckten Land weckt.
ver dieses Buches ist eines der gelungensten und passendsten Cover, die ich kenne. Denn auch wenn das Wort „voran“ drei Mal im Titel vorkommt, in Wirklichkeit geht es hier nicht oder kaum „voran“.
sanfter Tod ist das Protokoll Simone de Beauvoirs zum dreißig Tage währenden Todeskampf ihrer Mutter, aber zugleich auch ein Rückblick auf ihrer beider Leben und die Analyse ihrer Konflikte, die erst angesichts des nahen Todes allmählich aufgehoben werden.
e Charaktere von Menschen, auch die von Hamstern sind sehr verschieden. Und so kracht es nicht nur in der Patchworkfamilie der 12-jährigen Kira zwischen ihr und ihrem „Zwangsbruder“ Heiko, sondern genauso im Hamsterstall. Auch dessen Bewohner leben in einer Zwangsgemeinschaft, trotzdem müssen sich der abenteuerlustige, karatebegeisterte Neo, der verfressene Chang und der philosophierende eingebildete Kranke Lee notgedrungen vertragen, denn sonst droht die Kastration …
anonymen Mietshaus am Montmartre wohnen Nathalie, die französische Buchhändlerin mit einem Faible für alte französische Chansons und der deutsche Betriebswirtschaftler Robert, der in der Pariser Dependance einer Reutlinger Korkenfabrik arbeitet und Postkarten von Stillleben sammelt. Beide haben sich nach einer Enttäuschung in ihrem Singledasein eingerichtet, doch spürt man eine uneingestandene Sehnsucht. Trotzdem wären sie wohl nie über ein Kopfnicken hinausgekommen, wäre da nicht der Wasserrohrbruch in Nathalies Appartement, der ein wahres Gefühlschaos heraufbeschwört…