Der Katastrophenfall

Normalerweise will ich mit der Vergabe von „nur“ drei Sternen eher von einem Buch abraten, im vorliegenden Fall ist das etwas anders. Das Thema eines Ausfalls der europäischen, später auch außereuropäischen Stromnetze ist dermaßen fesselnd und beängstigend, dass sich eigentlich jeder einmal damit befasst haben sollte. Trotzdem konnte mich die Umsetzung des Themas nur bedingt überzeugen.
Als an einem Wintertag innerhalb einer Dreiviertelstunde fast das gesamte europäische Stromnetz zusammenbricht, glauben die Verantwortlichen mehrheitlich zunächst an eine Wiederherstellung der Versorgung innerhalb weniger Stunden. Doch die Trennung von Stromerzeugern und Netzbetreibern, die durch die Energiewende bedingte Zunahme sensibler Schnittstellen und die Vernetzung über Ländergrenzen hinweg machen die Ursachenforschung und die Behebung der Panne kompliziert. Oder handelt es sich vielleicht sogar um eine gezielte Attacke von Terroristen, Anarchisten oder eines ganzen Staates? Während das Überleben der Bevölkerung ohne Licht, Heizung, Klospülung, Trink- und Duschwasser, Benzin, Bargeld, Lebens- und Kommunikationsmittel immer dramatischer wird und nach und nach die Notstromaggregate der Krankenhäuser und AKWs ausfallen, in Spanien das Militär putscht und das Chaos auf den Straßen droht, suchen die Verantwortlichen in Brüssel, Den Haag, Berlin und in allen betroffenen Staaten fieberhaft nach der Ursache der Katastrophe und Möglichkeiten, das Überleben der Bevölkerung zu sichern. Der IT-Spezialist, Hacker und ehemalige Anti-G8-Protestierer Piero Manzano aus Mailand ist nach einer Entdeckung an seinem intelligenten Stromzähler dem Rätsel auf der Spur, doch als er sich endlich Gehör bei den Behörden verschafft, gerät er zunächst selber unter Verdacht…
Während mich das Szenario eines Angriffs auf unsere Stromnetze begeistert hat, ich viel gelernt und so manchen Denkanstoß erhalten habe, hat mich der in meinen Augen völlig überflüssige Einsatz von „Katalysatoren“ wie den ständigen Ortswechseln und die unglaubliche Odyssee Manzanos gestört. Die Geschichte über die Verwundbarkeit unserer modernen Zivilisation ist von sich aus so dramatisch, dass es dieser „gewöhnlichen“ Thrillereffekte überhaupt nicht bedurft hätte. Im Gegenteil haben sie dem für mich gut und glaubhaften dargestellten Geschehen sogar an Authentizität genommen. 250 der 800 Seiten weniger, weniger unnötige Dramaturgie, ein Verzicht auf die Liebesgeschichte am Rande und keine Sätze wie „Manzano versank im Schmerz, fühlte, wie er kraftlos vom Stuhl glitt, in Shannons Hände“ und Blackout wäre für mich ein Fünf-Sterne-Thriller. Doch auch so bin ich froh, dieses Buch, das mit Sicherheit in Erinnerung bleiben wird, gelesen zu haben.
Marc Elsberg: Blackout. Blanvalet 2013
www.randomhouse.de

e Ausgabe der Edition Büchergilde von Wolfheinrich von der Mülbes (1879 – 1965) Klassiker Die Zauberlaterne besticht zunächst durch die hochwertige Aufmachung und die stimmungsvollen, fantasievollen Illustrationen von Rotraut Susanne Berger. Mit knapp 500 Seiten stellt sie außerdem eine Herausforderung für junge Leser ab 9 Jahren dar, die aber für ihr Durchhaltevermögen mit einer allzeit spannenden, abenteuerlichen, manchmal mystisch-schaurigen Rittergeschichte mit Augenzwinkern belohnt werden.
Der Lavendel hat es dem deutschen Krimiautor Remy Eyssen angetan: Nach Tödlicher Lavendel und Schwarzer Lavendel ermittelt der deutschstämmige Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter, der sich nur zu gerne und äußerst erfolgreich in die Arbeit der Polizei einmischt, in Gefährlicher Lavendel wieder einmal im südfranzösischen Département Var in der Provence.
Dieser Debütroman lässt mich etwas ratlos zurück, zum einen, weil ich nach dem hübsch-verspielten Cover und dem Klappentext etwas Anderes erwartet hatte, zum anderen, weil die drei Teile, in die ich ihn unterteilen würde, sehr unterschiedlich ausfallen.
Zum 100. Geburtstag Astrid Lindgrens (1907 – 2002) hat der Verlag Oetinger im Jahr 2007 diesen wunderbaren, opulenten Bildband mit Texten, Fotografien vom Småland ihrer Kindheit, Familienfotos aus ihrem eigenen Fotoalbum sowie Bildern aus Pressearchiven und von Bildagenturen herausgegeben, den ich seither immer wieder sehr gerne zur Hand nehme um Neues zu entdecken, und der eines der Schmuckstücke meiner Bibliothek ist.
18 Geschichten aus der Feder von Astrid Lindgren, darunter Märchen, Erzählungen und Ausschnitte aus ihren unübertrefflichen Kinderbüchern, vereint der Band Von Bullerbü bis Lönneberga. Als „großes Astrid-Lindgren-Hausbuch“ bezeichnet der Oetinger Verlag dieses gewohnt hochwertig gestaltete Buch mit dem Leinenrücken, auf dem bereits vorn mit Pippi Langstrumpf, Michel und Ida sowie Karlsson vom Dach vier wichtige Protagonisten zu sehen sind.
Nach der Lebensgeschichte von Nelson Mandela, Die Morgenröte unserer Freiheit, war Jenseits von Bullerbü, die Biografie über Astrid Lindgren, das zweite Buch von Maren Gottschalk für mich.
Addie Moore und Louis Waters leben schon ewig nur einen Häuserblock voneinander entfernt in der Cedar Street im Städtchen Holt, Colorado, kennen sich aber kaum. Beide sind um die 70, verwitwet und allein, vor allem nachts. Da macht Addie Louis eines Tages einen ebenso ungewöhnlichen wie direkten Vorschlag: Sie möchte gerne die einsamen Nächte mit ihm teilen und lädt ihn ein, bei ihr zu übernachten, um die Schlaflosigkeit durch Gespräche zu überbrücken. Louis, weniger mutig als sie, willigt nach kurzem Zögern ein, und so erzählen sich die beiden in langen Nächten vor dem Einschlafen ihre Lebensgeschichten, finden ihre Treffen wundervoll und können es sich bald gar nicht mehr anders vorstellen.