Mit den Tintenkecksern kann man was erleben…
Die Autorin und Illustratorin Dagmar Geisler, bekannt vor allem für ihre exzellenten Kindersachbücher und die von Kindern, Eltern und Buchhändlern gleichermaßen geliebte Wanda-Reihe, hat mit Die Tintenkleckser – Mit Schlafsack in die Schule erneut einen sehr empfehlenswerten Auftaktband zu einer Reihe für alle ab ca. sechs Jahren zum Vorlesen, ab der dritten Klasse zum Selberlesen, geschrieben und illustriert. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Reihe sowohl für Jungs als auch für Mädchen geeignet ist, da eine ganze Klasse im Mittelpunkt steht. Die sehr zahlreichen, schwarz-weiß-blauen, comicartigen Zeichnungen ergänzen den Text wunderbar, die ausführliche Vorstellung aller Kinder hilft beim Kennenlernen der Klasse, die Schrift ist groß und sehr deutlich und die Textmenge pro Seite und pro Kapital für Achtjährige durchaus zu bewältigen.
Kurz vor der heißersehnten Lesenacht in der Schulbibliothek verschwindet im Klassenzimmer Jana-Inas kleiner weißer Gummitiger. Gibt es etwa einen Dieb bei den Tintenklecksern? Gehörte der Tiger überhaupt Jana-Ina oder nicht vielmehr Zilly? Die Klassenlehrerin, Frau Fauser, ist enttäuscht über den Vorfall, möchte aber die Lesenacht nicht absagen. Und so kommen am Abend eine ganze Menge Kinder mit einem schlechten Gewissen in die Schule, die nichts mehr möchten, als den unglücklichen Vorfall aus der Welt zu schaffen. Dazu schleichen sie sich nach und nach aus der Bibliothek, während die Lehrerin vorliest. Doch wer hätte gedacht, dass ein dunkles Schulhaus so überaus gruselig sein kann! Nicht nur der empfindliche Fisch Balduin im Aquarium von Frau Fauser erschreckt sich in dieser Nacht fast zu Tode…
Die Geschichte ist rund und kindgerecht erzählt, ist spannend, gruselig und anregend und nimmt die ganz normalen Interaktionen einer dritten Klasse auf. Themen wie Vertrauen, Freundschaft und Ängste spielen eine große Rolle im Buch. Dass zuletzt alles wieder in Ordnung kommt, ist nicht zuletzt der verständnisvollen Klassenlehrerin zu verdanken, die nicht nur klare Regeln vorgibt, sondern auch viel Empathie im Umgang mit ihren Schülerinnen und Schülern zeigt.
Ich freue mich schon auf den nächsten Band und ein Wiedersehen mit der 3a!
Dagmar Geisler: Die Tintenkleckser – Mit Schlafsack in die Schule. dtv junior 2016
www.dtv.de
Granola heißt nicht nur wie ein Schokoladenkeks, sie ist genauso zuckersüß und sympathisch. Die Grundschülerin und Ich-Erzählerin in Timm Milans Kinderbuch Kaninchenschmuggel oder Wie ich Mehlchen vor dem Verschimmeln rettete ist mir wegen ihrer Direktheit, ihrer Ehrlichkeit und ihrem sonnigen Gemüt schnell ans Herz gewachsen, obwohl sie manchmal Ideen hat, bei denen sie sich selbst nicht sicher ist, ob sie gut sind. Dabei hätte sie jede Menge Gründe dafür, traurig und schlecht gelaunt zu sein: Ihre Lieblingslehrerin, Frau Mehl, wird nach einem Unfall durch die desinteressierte, handyspielende Frau Korn ersetzt, die absolut nichts davon mitbekommt, dass Granola und andere in der Klasse gemobbt werden, ihre beste Freundin Jule hat sich von ihr ab- und Vanessa zugewandt, die Mutter erlaubt kein Kaninchen als Haustier und darüber hinaus kämpft Granola gegen das, was sie als „Grammatik-Intoleranz“ bezeichnet: Wortverdrehungen, -verwechslungen und Rechtschreibprobleme.
Ich hatte zugegebenermaßen hohe Erwartungen an diesen Thriller, aber er hat mich enttäuscht. Weder hat er gehalten, was die Leseprobe oder der Klappentext versprochen haben, noch kann ich die euphorischen Kommentare wie „ein Pageturner, der süchtig macht“ (oprah.com) oder „temporeich und packend“ (The Independent) wirklich nachvollziehen. Vielmehr war die Autorin einer an sich sehr guten Idee nicht so richtig gewachsen und hat viel Potential verschenkt. Trotz aller Kritik hätte ich das Buch aber nicht weglegen wollen, dazu war ich dann doch zu neugierig auf das Ende.
Deon Meyer wird gerne als der Henning Mankell Südafrikas bezeichnet, und obwohl ich solche Vergleiche eigentlich eher nicht mag, ist dieser nicht aus der Luft gegriffen. Wie Mankell bringt uns auch Meyer die Gegenwart seines Landes nahe und zeigt darüber hinaus auf, wie der Kolonialismus, die Befreiungskriege und die Jahre der Apartheit heute noch nachwirken. Neben seiner Fähigkeit, Charaktere lebendig werden zu lassen und atemlose Spannung über hunderte von Seiten aufrecht zu erhalten, macht dies den Hauptreiz seiner Thriller für mich aus – obwohl ich sonst eher kein Fan dieses Genres bin.
Eines vorweg: Ich liebe die Bücher von Theodor Fontane (1819 – 1898) und auch Unwiederbringlich ist sprachlich überaus elegant, psychologisch raffiniert konzipiert und ergreifend. Trotzdem konnte mich dieser Roman nicht überzeugen, da mir der Raum, den Fontane der Tagespolitik und ihren kleinen, nur angedeuteten Episoden und Anekdoten widmet, zu groß war. Trotz Recherchen im Internet konnte ich leider sehr vieles nicht nachvollziehen, was dem zeitgenössischen Leser sicher vertraut war.
…diese Liedzeile seines Bruders Leff scheint wie für Anton gemacht: Der 18-jährige Ich-Erzähler und Schüler an einer EOS (=erweiterte Oberschule) ist zum Entsetzen seiner Umwelt noch unentschlossen über sein Studienfach. Während die Klassenkameraden klare Ziele verfolgen, muss er beim Direktor vorsprechen, weil er keine fristgemäße Bewerbung eingereicht hat. Doch da er aus „kaderpolitischen Gründen“, d. h. wegen Westverwandtschaft, kein Journalistik-Studium aufnehmen darf, hat es ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Direktor unterstellt ihm „eine gewisse Gleichgültigkeit“, zumal er sich auch nicht für einen verlängerten Dienst bei der Volksarmee beworben hat, und droht damit, einem „Luftikus“ wie ihm kein Reifezeugnis auszustellen. Obwohl Anton nach eigener Meinung großes Glück mit seinen Eltern hat, können auch sie ihm in dieser Situation nicht Ratgeber sein. Ohne Selbstbewusstsein und Ziel irrt er durch die Wochen vor dem Abitur: „Ich wollte nicht mehr mein Freund sein, weil ich dachte, ich bin einfach zu blöd für alles und stehe mir bloß im Wege und bereite mir immer bloß Ärger und Kummer.“ Dabei ist die fehlende Begeisterung für ein Studienfach nicht sein einziges Problem: Anton hält seine Sexualität für nicht normal, trauert der vergangenen Kindheit nach, stellt die Lehrer und das Schulsystem in Frage, leidet unter seiner Einsamkeit und den vielen unbeantworteten Fragen und hadert mit den politischen Verhältnissen. Erst ein einfühlsames Gespräch am Abend nach der Abiturprüfung mit seinem unangepassten Bruder öffnet ihm die Augen, denn: „Dir kann geholfen werden.“
Die Buchreihe Ich schenk dir eine Geschichte, deren Bände seit 1997 alljährlich zum Welttag des Buches am 23. April an inzwischen Millionen von Kindern verschenkt wurden, verbunden meist mit einem Besuch in der örtlichen Buchhandlung und unterstützt u. a. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen, hat in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung erfahren. Die inzwischen durchgehenden Geschichten sind deutlich interessanter als früher und in diesem Jahr wurde der Text zusätzlich auf 32 Seiten als Graphic Novel umgesetzt, um auch Comicfans und sprachschwächere (Migranten-)Kinder zu erreichen. Daneben lädt ein literarisches Quiz zum miträtseln ein.
Es ist die schlimmste Mordserie im südfranzösischen Département Var in der Région Provence-Alpes-Côte d’Azur: Ein unbekannter Täter entführt junge Frauen und mumifiziert sie fachmännisch. Wer kann so krank sein?
Vor einigen Jahren war Keiko, der Debütroman von Jamie Ford, ein absolutes Highlight für mich. Lange musste ich auf seinen zweites Buch warten, das mich aber auch beim zweiten Lesen nicht so überzeugen konnte wie sein erster Roman.
Selbstverständlich erfüllt die Erstleser-Reihe Leserabe aus dem Ravensburger Buchverlag alle Anforderungen an diese speziellen Leseanfänger-Bücher: Die Schrift ist eine große Fibelschrift, die Zeilen sind deutlich kürzer als der Satzspiegel breit ist, der Flattersatz erleichtert das Lesen, die Absätze und Kapitel sind kurz und durch zahlreiche Illustrationen unterbrochen. Darüber hinaus gibt es nach jedem der fünf Kapitel eine Frage und am Ende des Buches kreative Leserätsel. Und wer möchte, kann mit diesem Buch sogar bei www.antolin.de Punkte sammeln.