Ein Frauenschicksal im viktorianischen England
Obwohl ich nicht ganz leicht in dieses Buch hineingekommen bin, hat es mich nach einer Weile immer mehr gefesselt und insgesamt begeistert. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die hervorragende Ausstattung und die besonders passende und gelungene Umschlaggestaltung, die das Buch zu einem echten Blickfang im Meer der Neuerscheinungen macht.
Angesiedelt ist die Geschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im viktorianisch geprägten Großbritannien. Im Mittelpunkt steht Ally, älteste Tochter des Malers und Dekorationskünstlers Alfred Moberley und seiner christlich-fundamentalistischen Frau Elisabeth. Während sich deren Engagement zu Beginn des Romans noch auf Wohltätigkeit gegenüber Armen und vor allem Frauen beschränkt, wird sie mit den Jahren politischer, kämpft für die Emanzipation. Doch dieses durchaus zu begrüßende Engagement geht einher mit der Hochmütigkeit einer Besserwisserin, mit Verbissenheit, mit zur Schau gestellter Freudlosigkeit, mit Männerhass, mit einer unvorstellbaren Lieblosigkeit den eigenen Kindern gegenüber und mit der sowohl psychischen wie physischen Misshandlung Allys und ihrer jüngeren Schwester May unter dem Deckmantel der Religion.
Ally, die trotz aller Demütigungen versucht, die Achtung und Liebe ihrer Mutter zu erlangen, möchte auf deren Anregung und schließlich auch auf eigenen Wunsch hin Medizin studieren, ein in England damals nahezu unerreichbares Anliegen. Natürlich hofft man beim Lesen, dass sie ihr großes Ziel erreicht und eine der ersten approbierten Ärztinnen Englands werden kann, doch fast noch mehr habe ich ihr die Ablösung von der kalten, herrischen Mutter gewünscht. Ob sich diese Hoffnungen erfüllen, soll hier nicht verraten werden…
Den einzelnen Kapiteln, die zum Teil in großen Zeitsprüngen aufeinander folgen, sind jeweils sehr anschauliche und detaillierte Bildbeschreibungen von Gemälden Moberleys oder seines Freundes Aubrey West vorangestellt, die einen Vorgeschmack auf den folgenden Text geben.
Die 1975 in Schottland geborene Autorin Sarah Moss ist eine Meisterin der Charakterstudie und der Psychologie. Ihre Figuren wirken nie überzogen, die Entwicklungsschritte sind gut nachvollziehbar und die Schilderungen der historischen Zeitumstände empfand ich als ebenso informativ wie erschreckend.
Für mich ein Lesehighlight 2015.
Sarah Moss: Wo Licht ist. mare 2015
www.mare.de

er neunjährige Samuel ist ein zurückhaltender Junge, seiner Meinung nach in allem durchschnittlich. Er zieht sich ganz in seine Leidenschaft für das Käfersammeln zurück.
esehen vom ersten Kapitel über seine Jugend im Dritten Reich beschränkt sich der bedeutende Journalist und Auslandskorrespondent Gerd Ruge auf politische Erinnerungen.
Beim Lesen hat man den Eindruck, Carl Oskar Renners bekanntester Roman könnte vor 100 Jahren geschrieben sein, doch mit seinen gerade einmal gut 40 Jahren ist er »nur« ein moderner Klassiker.
Iwan S. Turgenjew (1818 – 1883) entstammte einer russischen Adelsfamilie und gehörte zum Kreis der russischen Realisten. Ab 1855 lebte er vorwiegend im Ausland und war mit Flaubert, Mérimée und Storm befreundet. Während er in seinen Romanen ein Bild der zeitgenössischen Gesellschaft Russlands zeichnete (z. B. Väter und Söhne), wandte er sich in seinen Novellen allgemein menschlichen Themen zu.
Sicherlich leuchtet Ihnen der Zusammenhang zwischen Gastarbeitern und Speiseeis oder Hamburgern und Übergewicht ein, aber wissen Sie auch, was Ravioli und die Emanzipation, Gummibärchen und das Godesberger Programm oder Makkaroni und alternative Kinderläden verbindet?