Mein – dein – unser

Für Eltern ist es nervenaufreibend, aber Kinder sammeln dabei wichtige Erfahrungen: beim Streiten. Egal ob unter Geschwistern oder wie in diesem Bilderbuch unter allerbesten Freunden, Streit dient der Artikulation von Bedürfnissen, der Durchsetzung eigener Interessen und der Abgrenzung. Eltern und Pädagogen können und sollen ihn deshalb nicht unterbinden, aber es ist sinnvoll, Kindern die Angst zu nehmen und ihnen Auswege aus Streitsituationen zu zeigen. Genau dieses Ziel verfolgt das Bilderbuch Tafiti – Auch beste Freunde streiten mal von Julia Boehme, illustriert von Julia Ginsbach. Kindgerecht für kleine Zuhörer und Zuhörerinnen ab etwa vier Jahren zeigt es am Beispiel des Erdmännchens Tafiti und des Pinselohrschweins Pinsel, wie Streit entsteht und wie man ihn zur allseitigen Zufriedenheit beilegen kann.
Dabei beginnt alles ganz harmonisch in einer Hängematte für zwei beste Freunde unter dem funkelnden Sternenhimmel. Doch als ein Stern vom Himmel fällt, reklamiert ihn jeder für sich, und jeder hat durchaus schlüssige Gründe. Dahin ist die Harmonie, es wird gegrunzt, geschnaubt, gequiekt und gerangelt. So vertieft sind die beiden Streithähne, dass sie die Bedrohung von außen gar nicht wahrnehmen. Fast zu spät entdecken sie den hungrigen Löwen King Kofi und auf einmal sind sie wieder auf derselben Seite. Sobald sie dem Löwen ein Schnippchen geschlagen und das Recht des Stärkeren außer Kraft gesetzt haben, ist auch die Einigung unter den Freunden nicht mehr weit.
Tafiti und Pinsel haben eine für sie und für die kleinen Zuhörer und Zuhörerinnen wichtige Erfahrung gemacht: Auch unter besten Freunden kommt es zu Streit, aber mit gutem Willen und Kompromissbereitschaft kann man sich versöhnen und das „Unser“ ist schöner als das „Mein“.
Die farbigen Illustrationen von Julia Ginsbach spiegeln sehr schön die Gefühle der Tiere wider, nicht nur bei Tafiti und Pinsel, sondern auch bei den vielen kleinen Tieren, die das Geschehen am Rande beobachten, ohne im Text vorzukommen. Es gibt also viel zu entdecken, bis es am Ende über den Stern heißt: „Vor allem, weil er für uns beide funkelt. Für die besten Freunde der Welt.“
Julia Boehme & Julia Ginsbach: Tafiti – Auch beste Freunde streiten mal. Loewe 2019
www.loewe-verlag.de


Im März 1946 kehrt die wohlhabende Witwe Mrs. Giulia Masca in das piemontesische Dorf Borgo di Dentro zurück, aus dem sie 45 Jahre zuvor schwanger und fast mittellos geflohen war. Damals hatte sie für ihre überstürzte Flucht ein Ticket dritter Klasse auf einem Überseedampfer gekauft, nun kommt sie in einer Erste-Klasse-Kabine in Genua an. Während ihr Sohn Michael angeblich in Geschäftsangelegenheiten für die familieneigenen „Groceries“ unterwegs ist, bleibt ihr Zeit für einen Besuch in ihrem Geburtsort. Doch was will sie überhaupt in Borgo di Dentro, wo sie die ersten 20 Jahre ihres Lebens bitterarm verbracht und nach drei Grundschuljahren von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für einen Hungerlohn in der Spinnerei geschuftet hat, die Hände in einer Schüssel mit gekochten Seidenraupen im siedenden Wasser? Was, wenn sie ihrer damals besten Freundin, Anita Leone, wiederbegegnet, in deren Familie sie die Geborgenheit fand, die ihre Mutter ihr nicht bieten konnte? Wegen Anitas doppeltem Verrat hat sie während des großes Streiks Borgo di Dentro im Februar 1901 verlassen. War es Feigheit oder Mut? „Die Vergangenheit gibt es nicht“ ist zu Giulia Mascas Lebensmotto geworden, doch im Dorf trifft sie auf genau diese Vergangenheit.




