Geheimnisvolle Île de Porquerolles
Nach Tödlicher Lavendel, Schwarzer Lavendel und Gefährlicher Lavendel war ich sehr gespannt, welches Adjektiv die im Mittelmeerraum beheimatete Pflanze im vierten Band der provenzalischen Krimireihe von Remy Eyssen schmücken würde, doch mit Das Grab unter Zedern rückt dieses Mal eine andere botanische Gattung in den Fokus. Das bekannte Personal bleibt allerdings glücklicherweise erhalten, in erster Linie der deutsche Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter vom Krankenhaus Saint Sulpice und seine Lebenspartnerin Capitaine Isabelle Morell, stellvertretende Polizeichefin der Gendarmerie nationale von Le Lavandou. Das Duo ist nicht nur privat inzwischen ein gutes Paar, auch ihre berufliche Verbindung ist überaus erfolgreich. Die Polizistin hat die „spezielle Arbeitsweise“ Leons schätzen gelernt hat und vertraut im Gegensatz zu ihren Kollegen seinem Bauchgefühl und seinen Methoden. Umso betroffener reagieren Leon und Isabelle, als der Klinikchef ihm einen zweiten Gerichtsmediziner aus Avignon zur Disziplinierung wegen der ungewöhnlichen Vorgehensweisen zur Seite stellt. Ein Schock für den Einzelkämpfer Leon, dem Intrigen, Mobbing und Eifersüchteleien zuwider sind.
Viel Zeit zum Grübeln bleibt ihnen nicht. Kurz vor Beginn der Touristensaison wird der Vater der vor fünf Jahren spurlos verschwundenen zehnjährigen Amélie Simon vom Berufungsgerichtshof in Toulon in einem Wiederaufnahmeverfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der ursprünglich in einem Indizienprozess wegen Mordes verurteilte Paul Simon ist damit zum Entsetzen vieler Bürger wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hat die Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die Gendarmerie nationale von Le Lavandou unter der Aufsicht der für Kapitalverbrechen zuständigen Police Juridicaire, der Kriminalpolizei von Toulon, angeordnet. Noch während sich die Kollegen von Isabelle über die ihrer Ansicht nach unnötigen neuen Ermittlungen ärgern, wird nach einem Sturm die Leiche des Besitzers eines gestrandeten Bootes gefunden, dessen natürliche Todesursache Leon vehement bestreitet. Es wird nicht der letzte Tote sein, bei dem Leon seine berüchtigte Vorliebe für ungewöhnliche Mordtheorien unter Beweis stellt. Und alle Spuren scheinen – zum Leidwesen des unter Seekrankheit leidenden Gerichtsmediziners – auf die Insel Porquerolles zu führen…
Ich bin inzwischen bekennender Fan dieser leicht zu lesenden, sehr unterhaltsamen Krimireihe mit dem sympathischen Personal und dem richtigen Mix aus Ermittlungen, Privatleben und provenzalischem Flair. Allerdings war ich dieses Mal nach 180 Seiten sicher, die Auflösung zu kennen, und behielt recht. Obwohl die Spannung darunter gelitten hat, habe ich auch die zweite Hälfte gerne gelesen und verfolgt, wie Remy Eyssen falsche Spuren gelegt, die Ermittler langsam auf die richtige Spur gebracht und am Ende sogar mehr als einen dramatischen Showdown präsentiert hat.
Trotz der Einschränkung bin ich auch beim nächsten Band garantiert wieder dabei, egal ob mit Lavendel, Zedern oder einer anderen Gattung der provenzalischen Pflanzenwelt.
Remy Eyssen: Das Grab unter Zedern. Ullstein 2018
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Bis Betty Glengarry im Oktober 1943 in ihre Klasse kommt, ist die Schule für die elfjährige Ich-Erzählerin Annabelle ein friedlicher Ort und die Welt in Ordnung. Betty gilt als schwer erziehbar, weshalb ihre überforderte Mutter sie zu ihren Großeltern aufs Land geschickt hat. Annabelle dagegen kennt nur das harmonische Farmleben mit ihrer Großfamilie, in dem das Böse bisher keinen Platz hatte. Betty hat keineswegs die Absicht, ihre Chance auf einen Neuanfang zu nutzen, und Annabelle wird ihr erstes Opfers. Was vergleichsweise harmlos mit Bleistiftpiksen unter der Bank beginnt, wird schnell zu Erpressung und Annabelle, die um ihre jüngeren Brüder fürchtet, sieht zunächst keine andere Möglichkeit, als erstmals zu lügen. Es kommt noch schlimmer: Annabelles beste Freundin Ruth wird von einem geworfenen Stein schwer verletzt und einer ihrer Brüder kommt durch einen gespannten Draht zu Schaden, alles durch Bettys Bösartigkeit, wie Annabelle vermutet. Doch Betty, die so lieb aussehen und sich der vollen Unterstützung ihrer Großeltern sicher sein kann, beschuldigt stattdessen den Außenseiter und Sonderling Toby, der aus dem Nichts gekommen ist, in einer alten Räucherhütte haust und stets drei Gewehre über der Schulter trägt. Die Menschen im Dorf glauben jedenfalls eher einem Mädchen, das wie ein Unschuldslamm wirkt, als einem Mann mit dem wilden Aussehen eines Bösewichts und unklarer Vergangenheit. Annabelle jedoch ist fest von Tobys Unschuld überzeugt und setzt alles daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Kurz vor seinem 70. Geburtstag hat der deutsche Schriftsteller und Dramatiker Botho Strauß ein sehr privates Buch über seine Kindheit, vor allem aber über seinen Vater veröffentlicht. Es sind kleine Erinnerungsminiaturen, Gedankensplitter, die den Vater, für den er sich als Kind und Jugendlicher oft geschämt hat, weil er „anders“ war, rehabilitieren. Anlass für das Zusammentragen dieser Splitter waren der posthum begangene 100. Geburtstag des Vaters im Jahr 1990 und der Umzug der Mutter ins Altersheim 1996. Letzterer ging einher mit der Auflösung der seit 42 Jahren angemieteten Wohnung in Bad Ems, Römerstraße 18, dritter Stock, die am Ende der beiden Kapitel des knapp 100 Seiten umfassenden Büchleins thematisiert wird.
Ab und zu lese oder höre ich mit Vergnügen Regionalkrimis und bei einigen Reihen bin ich inzwischen zur Wiederholungstäterin geworden, so zum Beispiel bei Jörg Maurers Allgäu-Krimis, bei Jean-Luc Bannalecs Ermittlungen in der Bretagne oder bei Remy Eyssens Provencemördern. Etwas Ähnliches hatte ich mir von der Algarve-Reihe von Gil Ribeiro, Pseudonym eines deutschen Autors, versprochen, allerdings nur zum Teil gefunden. Grund dafür ist, dass mir der Schwerpunkt bei Lost in Fuseta – Die Spur der Schatten zu sehr auf dem regionalen Hintergrund einerseits und den Besonderheiten des autistischen Kommissars andererseits liegt. Der gut angelegte, bis in Portugals interessante Kolonialzeit und ins Parlament reichende Fall kommt dagegen zur kurz. Von der exakten Aufzählung von Straßennamen und Speisen aller Art war ich zeitweise genervt und die Überbetonung verstärkte nicht wie erwartet meinen Wunsch nach einer Algarvereise. Auch die ständig wiederholten Schilderungen zu Kommissar Losts Asperger-Syndrom waren für mich zuviel des Guten, weniger wäre in beiden Fällen mehr gewesen. Ausgesprochen originell fand ich dagegen das von Lost benutzte, bedauerlicherweise fiktive „Kompendium sinnloser Sätze“, aus dem der völlig emotionslose Alemão zitiert – entlarvend und urkomisch zugleich. Gerne verzichtet hätte ich aber auf Losts ebenso unnötige wie unglaubwürdige Liebesverwicklungen.
Seit sie den letzten Müller Gisbert Mühlstein erfolgreich vertrieben hat, lebt die Apfelbaumhexe Petronella Apfelmus zusammen mit ihrem Freund Lucius Hirschkäfer und den Apfelmännchen Gurkenhut, Spargelzahn, Rübenbach, Karottenwams und Bohnenhals friedlich im alten Mühlgarten. Kein Wunder also, dass sie gar nicht erfreut ist, als Familie Kuchenbrand mit den Zwillingen Luis und Lea in das Müllerhaus einzieht. Wäre doch gelacht, wenn eine Hexe wie sie die Eindringlinge nicht vertreiben könnte! Doch als Luis und Lea eines Tages über die magische Strickleiter zu ihr ins Apfelhaus kommen, geht der kleinen Hexe das Herz auf, denn die beiden Kinder sind eigentlich gar nicht so übel! Statt Gummispinnen und Unwetter gibt es nun leckeren Apfelkuchen für die „neugierigen Frettchen“ und dazu ein Rezept für den Kuchenbackwettbewerb, bei dem Lea und Luis unbedingt gewinnen wollen. Doch auch Herr Kümmerling, der unsympathische Ex-Chef ihres Vaters in der Bäckerei, möchte unbedingt siegen und schreckt vor nichts zurück. Ein Glück, dass die Kinder ihre neue magische Freundin haben! So wird am Ende doch noch alles gut für Lea und Luis, die ursprünglich keinesfalls ins Müllerhaus einziehen wollten, für Papa Paul, der eine neue Arbeit findet, und für Petronella, der der Trubel wider Erwarten gut gefällt…
756 Seiten Text, fünf Seiten baskisches Glossar, 126 Kapitel, neun Protagonisten, ein Thema, das sind die nüchternen Fakten zu Fernando Aramburus schwergewichtigem Roman Patria. Der Autor, der seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt, hat über das beherrschende Thema seiner baskischen Heimat seit der Gründung der ETA im Jahr 1959 geschrieben: den Terror. Obwohl die Organisation 2011 die Waffen offiziell niedergelegt und den Kampf für einen linksnationalistischen, unabhängigen Staat nach über 4000 Anschlägen und mehr als 800 Toten beendet hat, sind die Auswirkungen bis heute deutlich spürbar. Kein Wunder also, dass der Roman in Spanien mehrfach preisgekrönt wurde und reißenden Absatz findet.
Strandmord ist der siebte Band der Rügenkrimi-Reihe von Katharina Peters und der fünfte, den ich gelesen habe. Das besondere an dieser Reihe: Alle Bände sind von gleichmäßig guter Qualität, die Handlungen spannend, die Ermittlerin Romy Beccare, Münchnerin mit italienischen Wurzeln und dem entsprechenden Temperament, sympathisch, die Sprache einfach, aber nicht platt. Für mich sind diese Krimis eine perfekte Bahnlektüre, auch mit der Gefahr, meine Haltestelle zu verpassen.
Das „Dings“, das eines Tages in der Ferne vom Himmel fällt, kann nur ein Heißluftballon sein, jedenfalls vermutet Hase das nach einem Blick in Holunderbärs dickes Buch. Also machen sich die beiden Freunde auf eine lange, abenteuerliche Wanderung dorthin und finden den heldenhaften Ballonfahrer Hardi Kuhlewong Koala, der gerade allerdings eher ein schlechtgelaunter, hungriger, tollpatschiger, sehr anspruchsvoller und aufschneiderischer Bruchpilot ist. Nicht nur den Freunden Hase und Holunderbär geht er auf die Nerven, auch ihre Freunde auf der Hasenheide sind nicht gerade begeistert…
Es ist kaum zu glauben: Auf der Hasenheide gibt es einen nächtlichen Dieb, der den Tieren das Futter klaut. Kann es sein, dass gar einer der Bewohner seine Freunde bestiehlt? Die Freunde Hase und Holunderbär wollen den Dieb entlarven, aber das ist gar nicht so leicht. Es bedarf der gewohnt guten Teamarbeit der beiden, um den Fall aufzuklären und den Täter zu stellen… Wie gut, dass Hase und Holunderbär so gewitzt sind und am Ende der Frieden wiederhergestellt ist!
Wie gut, dass Hase und Holunderbär lesen können, sonst hätten sie nie erfahren, dass am Ende eines jeden Regenbogens ein Goldschatz begraben liegt. So aber machen sie sich mit ihrem Ruderboot auf den Weg zu Holunderinsel, wo einst die Mümmelsee-Piraten ihr Unwesen trieben. Einen Schatz finden sie zwar nicht, aber es werden zwei aufregende Tage und am Ende haben sie etwas gewonnen, das „weit mehr als ein Goldschatz“ ist: einen neuen Freund.