Ulrike Rylance: Penny Pepper – Tatort Winterwald

Bei allen sieben Winden, den Schuft werden wir finden…

„Bei allen sieben Winden, den Schuft werden wir finden“ ist das Motto von Penny Pepper und Ida, Marie und Flora. Im vierten Band der Reihe um die aufgeweckte Ich-Erzählerin Penny und ihre Detektiv-Freundinnen geht es in der Adventszeit ziemlich turbulent zu. Da muss geklärt werden, wohin die Schokolade aus dem Schul-Adventskalender verschwindet und vor allem, warum es keine Weihnachtsbäume gibt: In Buckendorf sind sie verschwunden, in Muckendorf wurden aus Versehen Krüppelkiefern gepflanzt, in Kluckendorf sind alle abgebrannt, auf dem Weihnachtsmarkt kommt die Lieferung der Spedition nicht an und die Bäume von Maries Opa scheinen an einer seltsamen Krankheit zu leiden. Nachdem auch noch bereits gekaufte Bäume von Balkonen verschwinden, glauben die cleveren Detektivinnen nicht mehr an einen Zufall und die Ermittlungen können beginnen… Vor lauter Aufregung kommt Penny kaum noch dazu, sich über die seltsamen Überraschungen in ihrem Adventskalender zu wundern, einen kleinen Ball, ungenießbare Lebkuchen, ein Mini-Frisbee, Kauknochen, ein quietschendes Gummihuhn, eine Bürste und ähnliche scheinbar nutzlose Dinge.

Welche unglaubliche Wahrheit die klugen Freundinnen im Fall der Weihnachtsbäume schließlich zu Tage fördern, wie doch noch jeder seine (echte!) Tanne bekommt, wohin die Schokolade im Schul-Adventskalender verschwunden ist, was es mit Pennys seltsamen Adventskalender-Geschenken auf sich hat und wer beim Krippenspiel in letzter Sekunde für das „geplatzte“ Jesuskind einspringen muss, wird hier natürlich nicht verraten. Nachlesen kann man es aber mit viel Spaß in Ulrike Rylances witzigem und fantasievollem Mädchen-Weihnachtskrimi Penny Pepper – Tatort: Winterwald, einem von Lisa Hänsch aufwändig illustrierten und sehr abwechslungsreich gestalteten, etwas anderen Adventsbuch ohne den üblichen Fließtext – zum Vorlesen ab sechs, zum Selberlesen ab der dritten Klasse.

Ulrike Rylance: Penny Pepper – Tatort Winterwald. dtv junior 2016
www.dtv.de

Antje Szillat & Jan Birck: Flätscher – Die Sache stinkt!

Große Klappe – großes Herz

Unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet er nun wirklich nicht, Flätscher, der bestimmt kein Marder und noch bestimmter keine Ratte, keine Katze und auch kein Hund ist, sondern das cleverste Stinktier der Großstadt und des Universums. Mit Theo, dem Sohn seines Lieblings-Semmelknödelkochs Bode, eröffnet er eine Hinterhof-Detektei, und kaum ist die Sekretärinnenstelle mit der charmanten rosaroten Wieseldame Cloe besetzt, bei der Flätscher „glühend-teuflisch-hitzig-schwitzig-kochend-heiß“ wird und „seine Beine sich wie Vanillepudding anfühlen“, schneit auch schon der erste Fall ins Haus: Meisterkoch Bode, Theos Vater, wird wiederholt von einem miesen „Rechnungsnichtbezahler“ heimgesucht, der sein Sternerestaurant Wilder Elch zu ruinieren droht. Mit vereinten Kräften und viel Köpfchen ermitteln Meisterdetektiv Flätscher und Assistent Theo im Milieu der Spitzengastronomie.

Der erste Band um das ermittelnde Stinktier und seinen Assistenten hat mir aus verschiedensten Gründen ausgezeichnet gefallen. Einmal ist Flätscher nur vordergründig eingebildet und überheblich, denn es wird schnell klar, dass er Theo ein guter Kumpel ist, einen weichen Kern hat und ein großes Herz dazu. Außerdem ist der zu lösende Fall den beiden Ermittlern und der lesenden Zielgruppe angepasst und kommt völlig ohne Gewalt aus, wenn man die Stink-Angriffe gegen menschliche Nasen ausnimmt. Die Zechprellerei ist zwar für den Koch eine ernste Angelegenheit, liest sich aber dank Flätschers kreativer Erzählweise überaus witzig. Die fantasievollen Wortneuschöpfungen machen Spaß beim Lesen und sind für Leseanfänger ab ca. Ende der zweiten Klasse zugleich herausfordernd und anspornend.

Nicht zuletzt sind die sehr zahlreichen, manchmal über mehrere Seiten gehenden frechen Illustrationen und Comicszenen von Jan Birck, der zurecht neben der Autorin Antje Szillat auf dem Cover genannt wird, herausragend. Sie passen bis in Kleinigkeiten hinein haargenau zum Text, erleichtern das Leseverständnis und machen einfach Spaß beim Betrachten.

Ein wunderbares, modernes, schräges, die Fantasie beflügelndes Kinderbuch für geübte Leser und Leserinnen ab der zweiten Klasse oder etwas später.

Antje Szillat & Jan Birck: Flätscher – Die Sache stinkt! dtv junior 2016
www.dtv.de

Henning Mankell: Tod in den Sternen

Sehr komprimiert

Ich liebe die Wallander-Krimis von Henning Mankell und Axel Milberg verkörpert den eigenbrötlerischen Kommissar stimmlich genau so, wie ich ihn mir beim Lesen der Bücher vorstelle.

Allerdings ist das Hörspiel um den geistig zurückgebliebenen Göran, der eine Bank überfällt und sich anschließend selber in die Luft sprengt, sehr komprimiert und wirkt auf mich angesichts von nur gut 70 Minuten Hörzeit überfrachtet, zumal auch noch Linda Wallanders Eintritt in das Team ihres Vaters und ihre privaten Auseinandersetzungen thematisiert werden. Die Auflösung des Falls kommt deshalb sehr plötzlich und die Zeit der Überlegungen, die sonst die Krimis von Mankell für mich maßgeblich ausmachen, kommt deutlich zu kurz.

Als Unterhaltung nebenher kann ich die CD trotzdem empfehlen, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Sprecher, auch wenn die sich überlagernde Musik mich stellenweise genervt hat.

Henning Mankell: Tod in den Sternen. DHV – Der Hörverlag 2008
www.randomhouse.de

Cynthia D’Aprix Sweeney: Das Nest

Familienfehden

Der Vater, Leonard Plumb, hat es gut mit Melody, Beatrice, Jack und Leo gemeint. Der Fond mit ihrem Erbe, von ihnen „das Nest“ genannt, soll am 40. Geburtstag der Jüngsten in der Geschwisterreihe, Melody, ausbezahlt werden. Darauf haben sie sich immer voll und ganz verlassen: Melody, die ganz in ihrer Rolle als Helikoptermutter aufgeht und für ihre Töchter nur das allerbeste bzw. die Erfüllung ihrer eigenen Träume möchte, Bea, die nach einem Erfolg als Schriftstellerin in jungen Jahren nie mehr etwas zustande gebracht hat, Jack, ein erfolgloser Antiquitätenhändler, der ein ewiges Kind geblieben ist und immer mehr vom Leben verlangt, als er bereit zu leisten ist, und Leo, der unsympathische Playboy, der sehr jung in der Medienbrache reich geworden ist und sein ganzes Geld durchgebracht hat. Eben dieser durch und durch egozentrische Älteste ist es, der mit Hilfe seiner unfähigen Mutter den Fond plündert, nachdem er wieder einmal Mist gebaut hat. Schlagartig stehen Melody, Bea und Jack vor dem Nichts und sind zum ersten Mal gezwungen, ihr Leben ohne die Aussicht auf die Erbschaft auf die Reihe zu bekommen.

Das Nest ist der Debütroman der US-Amerikanerin Cynthia d’Aprix Sweeney, mit dem sie in ihrer Heimat zu recht die Bestsellerliste gestürmt hat, denn es ist ein überaus kluger, unterhaltsamer und stellenweise sehr humorvoller Familienroman und zugleich ein scharfsinniges Gesellschaftsporträt. Die Autorin beobachtet ihre Protagonisten sehr fein und entlarvt ihre Lebenslügen, ohne sie jedoch peinlich bloßzustellen. Auch der sehr durchdachte Aufbau in drei Teilen, die jeweils in einer Familienzusammenkunft gipfeln, hat mir ausnehmend gut gefallen, ebenso wie die Schilderung New Yorks und der Auswirkungen der Finanzkrise.

Der Literaturkritiker Denis Scheck hat Das Nest einen „literarischen Wurf“ und „glänzende Unterhaltung“ genannt. Dem möchte ich nur noch hinzufügen, dass dem Klett-Cotta Verlag mit der Covergestaltung und dem großzügigen Druck ebenfalls ein bemerkenswerter Wurf gelungen ist und der Roman für mich zu besten des Jahres 2016 gehört.

Cynthia D’Aprix Sweeney: Das Nest. Klett-Cotta 2016
www.klett-cotta

Daniel Defoe: Die Pest zu London

Im Angesicht des Grauens

Daniel Defoe (ca. 1660 – 1731), der englische Schriftsteller aus der Zeit der frühen Aufklärung, wurde vor allem durch seinen Roman Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe bekannt, den er 1719 verfasste.

1665 erlebte Daniel Defoe als Kind die große Londoner Pest, bei der die Stadt ein Fünftel ihrer Einwohner verlor. In seiner 1774 unter dem Titel A Journal of the Plague Year erschienenen Chronik dieser verheerenden Epedemie schildert er in einem fiktiven Tagebuch im Stil einer journalistischen Reportage die Ereignisse des Jahres 1665 in London. Der anonym veröffentlichte Bericht wurde lange Zeit selbst in Fachkreisen für einen authentischen Augenzeugenbericht gehalten und gilt bis heute als wichtiges kulturhistorisches Zeugnis.

In einer laut CD-Hülle von Sebastian Goy als Hörspiel bearbeiteten Version, die sich jedoch beim Hören als reine Lesung des großartigen Gerd Westphal aus dem Jahr 1960 entpuppt, werden in acht Kapiteln von „Die ersten Anzeichen der Pest“ bis zu deren Abklingen viel Aspekte beleuchtet: das Auftreten von Scharlatanen, Astrologen und Wahrsagern, die Pesthäuser, Massengräber und Leichenkarren, die Boten des Todes und die Verstrickung Gottes. Der Schrecken und die Angst der Bevölkerung sind durch die detailreichen Schilderungen Defoes zum Greifen nah und die Mischung aus konkreten Einzelschicksalen und nackten Zahlen macht das Grauen sehr real.

Durch die betont sachliche Art des Textes und des Vortrags wird ein plastischer Eindruck der tragischen Ereignisse um die große Londoner Pestepedemie von 1665 vermittelt, der durch das gelungene Booklet abgerundet wird.

Daniel Defoe: Die Pest zu London. DAV – Der Audio Verlag 2002
www.der-audio-verlag.de

Tanya Stewner: Liliane Susewind – Ein Eisbär kriegt keine kalten Füße

Um Haaresbreite einer Tragödie universellen Ausmaßes entronnen!

Rüdiger Bertram: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken

Ein Stinktier fürs Leben

Für die meisten Menschen ist der zehnte Geburtstag ein Geburtstag wie jeder andere, aber für manche, wie z. B. für Zora, ist es ein ganz besonderer. Sie bekommen dann nämlich ihre „Begleiter“, sog. „Totemtiere“, die von nun an lebenslang nicht mehr von ihrer Seite weichen und für alle ohne Begleiter unsichtbar sind. Auch Zora hat bisher nichts von Lasse, dem Eisbären ihres Vaters, oder Mathilde, dem Zebra ihrer Schwester, geahnt, genausowenig wie ihre begleiterlose Mutter.

Doch dann taucht an Zoras zehntem Geburtstag plötzlich Dieter auf, das respektlose, freche, selbstbewusste, verfressene Stinktier, das gerne auch seine Stinkbomben als Waffe einsetzt. Zora ist entsetzt, erst recht, als sie feststellt, dass die coole Jessica und deren Freundin Lili ein tolles Einhorn und einen kuscheligen Fuchs haben. Nur die Außenseiter der Klasse, Leon und Anna, haben Tiere, die Zoras Stinktier vergleichbar sind: Leon die hyperaktive Ratte Jasper und Anna das Faultier Paula. Zoras Wunsch, endlich in Jessicas coole Clique aufgenommen und zu ihrer Party eingeladen zu werden, rückt in unerreichbare Ferne. Aber lohnt es sich wirklich, sich den Zicken Jessica und Lili anzudienen? Sind der unscheinbare Leon und die stille Anna nicht vielleicht sogar die interessanteren Freunde? Hat Dieter recht, wenn er Jessica und Lili als „doofe Schnepfen“ bezeichnet? Und dann hat Zora ja auch noch ihre beste Freundin Kati, die erst in einem Monat ihren zehnten Geburtstag feiert. Soll sie ihr von Dieter erzählen und wird Kati ihr überhaupt glauben?

Vordergründig ist Gegen uns könnt ihr nicht anstinken vor allem ein sehr lustiges, witzig illustriertes Kinderbuch, das man ab sechs Jahren vorlesen und ab der dritten Klasse selber lesen kann. Hinter der Geschichte um Freundschaften, Außenseiter, Mobbing und vermeintlich coole Cliquen steckt aber viel mehr als nur sehr gute Unterhaltung. Den wahren Wert von Menschen (und Begleitern) zu erkennen, Coolness von Zickigkeit zu unterscheiden, sich nicht vom äußeren Anschein blenden zu lassen und zu erkennen, dass, was auf den ersten Blick furchtbar erscheint, sich als Glück entpuppen kann, denn dass Dieter mehr als ein „stinkender Käse auf vier Beinen“ ist, erkennt Zora bald, dafür möchte dieses Buch wichtige Gedankenanstöße und Gesprächsgrundlagen geben. Ich kann es deshalb Mädchen und Jungen empfehlen und verspreche auch den Vorlesern viel Spaß und gute Unterhaltung.

Rüdiger Bertram: Gegen uns könnt ihr nicht anstinken. cbj 2016
www.randomhouse.de

Fred Vargas: Die schwarzen Wasser der Seine

Zwei Kurzkrimis um Kommissar Adamsberg

Auf einer CD mit ca. 87 Minuten Laufzeit liest die Schauspielerin Suzanne von Borsody zwei Kurzkrimis der bedeutendsten, vielfach ausgezeichneten französischen Krimiautorin Fred Vargas.

Im Mittelpunkt steht wie immer in Vargas‘ Krimis der Pariser Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, ein eigenwiller Ermittler mit viel kriminalistischem Gespür und einem ausgeprägten Bauchgefühl. Neben ihm arbeitet sein vernunftgesteuerter Leutnant Danglard.

In der ersten Geschichte hat Pi, ein Obdachloser, zufällig den Mord an einer Frau im Pelzmantel beobachtet. Mit viel Fingerspitzengefühl und psychologischem Geschick gelingt es Adamsberg, den misstrauischen, vom Leben gebeutelten Mann zu einer Aussage zu bewegen.

Im zweiten Fall scheint es sich um einen weihnachtlichen Selbstmord der klassischen Art durch Sturz von einer Seine-Brücke zu handeln, doch Adamsberg ist schnell anderer Meinung. Zur überraschenden Auflösung trägt ausgerechnet eine Nebenfigur der Geschichte bei.

Natürlich kann man diese Kurzkrimis nicht mit Fred Vargas‘ sonst überaus spannenden, verwickelten, oft unheimlichen Geschichten vergleichen. Und doch habe ich der Stimme Suzanne von Borsodys fasziniert zugehört, die jeder einzelnen Figur eigene Nuancen  verleiht, und habe darüber gestaunt, wieviele überraschende Wendungen und wieviel Charakterstudium in so kurzer Zeit Platz finden.

Fred Vargas: Die schwarzen Wasser der Seine. DAV – Der Audio Verlag 2007
www.der-audio-verlag.de

Cornelia Funke: Drachenreiter – Die Feder eines Greifs

Greif gegen Drache – Drache gegen Greif

Nachdem ich in der Vorbereitung auf die Fortsetzung zu Cornelia Funkes 1997 erschienenem Drachenreiter den ersten Band noch einmal mit Begeisterung gelesen hatte, war ich skeptisch, ob ein zweiter Band die hohe Vorgabe des ersten würde halten können, doch die Zweifel waren unbegründet. Der neue Band Drachenreiter – Die Feder eines Greifs steht dem ersten weder in der Spannung noch in der Fantasie oder Sprache im Geringsten nach und ist durch die vielen Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die Zitate am Anfang jedes Kapitels und den sehr detaillierten zwölfseitigen Anhang über Figuren und Orte noch deutlich mehr ausgeschmückt.

Zwei Jahre, nachdem der Silberdrache Lung, sein Drachenreiter Ben, das Koboldmädchen Schwefelfell, der Homukulus Fliegenbein und ihre vielen  Helfer aus der Fabel-, Tier- und Menschenwelt Nesselbrand, den Goldenen, besiegt haben, gibt es wieder Arbeit für sie. Der letzte Pegasus hat seine Frau durch einen Unglücksfall verloren und die drei mutterlosen Pegasuseier können nur mit Hilfe der Sonnenfeder eines Greifs gerettet werden. Ben, der inzwischen mit seinen „adoptierten Eltern“ Barnabas und Vita Wiesengrund sowie deren Tochter Guinever als Fabelwesen-Schützer bedrohten Geschöpfen aller Art im norwegischen MÍMAMEIÐR Unterschlupf bietet, macht sich auf den Weg nach Indonesien, zusammen mit Barnabas, dem ängstlichen Fliegenbein, der abenteuerlustigen, verrückten und witzigen Rättin Lola Grauschwanz und dem Fjordtroll Hothbrodd. Die Mission ist überaus gefährlich, denn Greife gelten als habsüchtig und bösartig, verfügen über Furcht einflößende Schnäbel, Löwenpranken und eine Giftschlange als Schwanz und sind die einzigen Fabelwesen, denen Barnabas Wiesengrund eigentlich nie begegnen wollte. Drachen sind ihnen besonders verhasst, weshalb Lung mit einer List davon abgehalten werden muss, mit ihnen nach Indonesien zu kommen. Zehn Tage haben die vier Freunde Zeit, um die Feder zu erobern, eine nahezu unlösbare Aufgabe.

Die Ankunft auf der indonesischen Insel Pulau Bulu gestaltet sich dann auch sehr problematisch, weil sie mitten in den Machtkampf zwischen dem jungen Greif Shrii, der die Tiere der Insel beschützen möchte, und dem seit ewigen Zeiten grausam herrschenden Kraa, dem Schrecklichen, geraten. Zum Glück ist Lung doch noch rechtzeitig zur Stelle, da sich Barnabas‘ Hoffnung auf friedliche Verhandlungen keineswegs erfüllt, und so kommt es im indonesischen Dschungel zum Kampf Greif gegen Drache…

Auch wenn die Mission am Ende wie erwartet erfolgreich ist, die Freude in MÍMAMEIÐR laut herausgeschrien, -geschnattert und -gewiehert und Pulau Bulu eine glücklichere Insel wird, bleibt für Ben der Wehmutstropfen, dass er sich zwischen Norwegen mit seiner Familie und der großen Aufgabe und dem Himalaja, wo Lung und die Drachen am Saum des Himmels leben, entscheiden muss.

Das Abenteuer zur Rettung der Pegasuseier ist so spannend und fantasievoll erzählt und die Charaktere der verschiedenen Fabelwesen, Tiere und Menschen sind so überaus liebevoll ausgeschmückt, dass mir das Lesen von der ersten bis zur letzten Seite große Freude bereitet hat. Ich halte dieses zweite Fantasy-Märchen um den Drachenreiter und seine Freunde für ein ideales Vorlesebuch für die ganze Familie, würde die Altersgrenze mit zehn Jahren allerdings etwas höher ansetzen als beim ersten Teil.

Dass der letzte Satz eine Fortsetzung möglich erscheinen lässt, ist deshalb mehr als erfreulich, denn die Fantasie Cornelia Funkes scheint unerschöpflich!

Cornelia Funke: Drachenreiter – Die Feder eines Greifs. Dressler 2016
www.dressler-verlag.de

Cornelia Funke: Drachenreiter

Wunderbar interpretiert – aber leider gekürzt

Auf vier CDs liest Monty Arnold Cornelia Funkes geniales Fantasymärchen Drachenreiter mit angenehmer, nuancenreicher Stimme, ergänzt durch kurze Musiksequenzen von Ulrich Maske. Monty Arnold bringt die Stärken des Textes sehr gut zur Geltung, indem er den vielfältigen Charakteren durch die Stimmveränderungen noch mehr Leben einhaucht.

Leider bieten die vier CDs in insgesamt viereinhalb Stunden Hörzeit nur eine deutlich gekürzte Version des Kinder- und Jugendbuchs. Obwohl der Text trotzdem verständlich bleibt und die Grundhandlung natürlich dieselbe ist, tut es mir in diesem Fall um jede fehlende Szene leid, und ich würde eine vollständige Lesung deutlich der gekürzten vorziehen.

Cornelia Funke: Drachenreiter. Goya libre 2008
www.jumboverlag.de