Schaurig-düstere Lektüre über die Tage zwischen den Jahren
In die Zeit zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und Silvester, passt dieses Buch, denn es sind die „toten Tage“.
Wo und wann der Fantasy-Roman spielt, wird nicht explizit gesagt, aber mich hat es an Prag um 1600 erinnert, nicht nur, weil ein gewisser Kepler auftaucht, Gelehrter und Doktor der Medizin, der sich mit den Sternen beschäftigt. Mit den Morden, den Friedhöfen, den engen Gassen, den unterirdischen Labyrinthen und Kanälen wird von Anfang eine Gruselstimmung erzeugt, die sich durch das ganze Buch zieht.
Im Mittelpunkt steht Boy, ein Waisenjunge ungewisser Herkunft ohne Namen und Geburtsdatum, den der zwielichtige Illusionist, Magier und Gelehrte Valerian eher als Sklave denn als Famulus hält. Valerian hat vor 15 Jahren einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, nun soll er am Jahresende für seine magischen Kräfte mit seinem Leben bezahlen. Nur mit Hilfe eines Buches, dem „Buch der toten Tage“, kann Valerian vor dem Tod bewahrt werden. Boy und seine Freundin Willow machen sich unter Zeitdruck auf die Jagd danach, nicht nur ihm zuliebe, sondern auch, weil sie ein eigenes Interesse haben…
So ganz ist der Funke bei diesem Jugend-Fantasy-Roman für gruselerprobte Jungs und Mädchen ab ca. 13 Jahren bei mir nicht übergesprungen, vielleicht deshalb, weil ich nicht mehr zur Zielgruppe gehöre. Die Idee mit den toten Tagen, an denen Phantasie und Wirklichkeit zusammentreffen, hat mir gut gefallen, auch das Setting fand ich gelungen und die Handlung recht verwickelt und auch spannend. Andererseits war die Auflösung zumindest teilweise unbefriedigend und bei mir bleibt das Gefühl zurück, dass man aus der an sich guten Idee mehr hätte machen können.
Marcus Sedgwick: Das Buch der toten Tage. dtv 2007
www.dtv.de
„Monter à Paris“, „nach Paris aufsteigen“, nannte man es, wenn die Menschen früher ihre Dörfer verließen, um in der französischen Hauptstadt ihr Glück zu machen. Zwei Frauen tun das auf ganz unterschiedliche Weise im Roman Rendezvous im Café de Flore von Caroline Bernard.
Band zwei um die zehnjährige Marianne, genannt Krümel, und die kleine Fee in Ausbildung, Rosine, nimmt den letzten Teil des ersten Bandes noch einmal auf und erzählt, wie Rosine in die Rolle der Tochter von Krümels Nachbarn schlüpfen konnte.
Krümel heißt eigentlich Marianne, ist zehneinhalb Jahre alt, ziemlich klein und hat viele Probleme. Ihre Eltern haben sich getrennt und der Start im Gymnasium verläuft alles andere als reibungslos. Einziger Lichtblick ist ihr Großvater, aber der wohnt nicht nah genug, um Krümels Einsamkeit zu vertreiben.
Die Fahrt einer bunt zusammengewürfelten Reisegruppe an einem 24. Dezember in einem Zugabteil der dritten Klasse von Euston nach Manchester wird jäh durch einen Schneesturm gestoppt. Als einige Passagiere aussteigen, um sich zu Fuß zum nächsten Bahnhof durchzuschlagen, müssen sie in einem Landhaus Unterschlupf suchen. Sie finden es geöffnet vor, ein Kaminfeuer brennt, der Tisch im Salon ist gedeckt, die Speisekammer gefüllt, das Teewasser kocht und auf dem Küchenboden liegt ein Brotmesser, nur findet sich weit und breit kein Gastgeber.
Katherine Boo, amerikanische Journalistin und Pulitzer-Preisträgerin, hat für ihr zwischen Reportage und Roman angesiedeltes Buch Annawadi oder der Traum von einem anderen Leben drei Jahre im Mumbaier Slum Annawadi recherchiert. Das Elendsviertel, direkt neben dem Mumbaier Flughafen gelegen, entstand ursprünglich während dessen Bau und gehört zu den kleineren seiner Art.
Ich bin bei der Bewertung dieses Hörbuchs zu Lautlose Nacht von Rosamund Lupton sehr zweigespalten. Einerseits habe ich nicht unerhebliche Kritikpunkte, andererseits hat es mich doch auch gut unterhalten, so dass ich die Drei-Sterne-Bewertung keineswegs als ein Abraten verstanden wissen möchte. Lediglich sollte man vorher wissen, worauf man sich gefasst machen muss.
Wie traurig, wenn ein Scheidungskind in den Ferien „untergebracht“ werden muss, weil beide Eltern andere Pläne haben. Genauso ergeht es der zehnjährigen Lucy, deren Mutter Urlaub mit dem neuen Freund und der Vater mit seiner zweiten Familie machen will. Lucy soll eine ihr unbekannte Tante in Irland besuchen, die in der Familie als verrückt und als schwarzes Schaf gilt, Widerstand zwecklos. Doch ganz überraschend wird der Urlaub dann doch klasse, denn Tante Paula zeigt viel Verständnis und Einfühlungsvermögen und Lucy findet nicht nur neue Freunde, sondern verliebt sich wider Erwarten auch in die grüne Insel.
Ein Klassiker der amerikanischen Kinderliteratur gehört auch zu meinen liebsten Vorlesebüchern: Das große Buch von Frosch und Kröte von Arnold Lobel (1933 – 1987), nacherzählt von der deutschen Kinderbuchautorin Tilde Michels (1920 – 2012).
Nein, dieses Buch war leider überhaupt nichts für mich, obwohl ich viele Romane von Ian McEwan, Abbitte, Am Strand oder Kindeswohl, zu meinen Lieblingsbüchern zähle, der Diogenes Verlag einer meiner bevorzugten Verlage ist und Bernhard Robben zu den von mir meistgeschätzten Übersetzern gehört.