Die Sommer mit den Krebsen sind vorbei
Ein Tipp vorweg: Hätte ich das Nachwort von Stefan Moster zur politischen Situation 1972 in Finnland vor der Lektüre des Romans gelesen, hätte ich manches besser verstanden.
In ebendiesem Sommer spielt Von Männern und Menschen des 1954 in Helsinki geborenen, in seinem Heimatland sehr bekannten Autors Olli Jalonen. Der Held und Ich-Erzähler, von dem man nur erfährt, dass sein Name vermutlich mit einem „O“ beginnt, erzählt von den Sommerferien in diesem Jahr, die er nicht mit einem Stipendium in den USA und nicht mit seinen Freunden auf einer Interrailtour verbringt, denn sein Vater ist schwer herzkrank und hat deshalb seine Arbeitsstelle verloren. Die Familie lebt von den Putzarbeiten der fleißigen Mutter und O. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schulden, die durch den Kauf und die Rückgabe des Autos entstanden sind, beim Metallunternehmen Volles Rohr abzuarbeiten, auch wenn er von seinen Fähigkeiten her kein Handwerker, sondern eher Kopfarbeiter ist. Noch ist ungewiss, ob er, der begabte, wissbegierige Schüler nach den Ferien die Schule fortsetzen kann.
Eine Wehmut liegt nicht nur deshalb über dem ganzen Roman, denn der Erzähler ahnt auch von Beginn an, dass die Kindheit vorüber ist: „Für mich sind die Sommer mit den Krebsen vorbei“ (S. 49). Einerseits übernimmt er Verantwortung für seine Eltern und fühlt, dass die Positionen innerhalb der Familie sich verschoben haben, andererseits ist er aber auch sehr leicht lenkbar, sei es, wenn der Vater oder der Chef ihn Auto fahren lassen, obwohl er noch keinen Führerschein hat und das eigentlich nicht möchte, sei es beim Alkoholkonsum mit den Kollegen oder den Freunden, als sein Freund Jukka ihn dazu überredet, verbotenerweise einen Piratensender zu betreiben, oder als eine ältere Frau ihn verführt, obwohl er eigentlich die gleichaltrige Katinka liebt. Einerseits haben mir sein Fleiß, seine Gelassenheit und sein Anpassungsvermögen imponiert, andererseits hätte ich ihm mehr Ecken und Kanten gewünscht.
Im Laufe des Sommers wird O. erwachsener, er beginnt, sich immer wieder gegen andere durchzusetzen, so z. B. beim Gespräch mit dem Arzt seines Vaters oder als er die enttäuschte Katinka zurückholt. Diese Entwicklung zu verfolgen, hat Spaß gemacht. Auch fand ich es schön, Os Verhalten gegenüber dem geistig zurückgebliebenen Kollegen Rekku zu verfolgen, bei dem er dasselbe Verantwortungsbewusstsein und Fingerspitzengefühl und denselben Pragmatismus wie bei seinen Eltern zeigt.
Der Titel des Romans nimmt Bezug auf John Steinbecks Von Mäusen und Menschen aus dem Jahr 1937, in dem zwei amerikanische Wanderarbeiter, der geistig zurückgebliebene Lennie und der kluge George, den Traum von einem besseren Leben träumen. Dieses Buch, das O. bei Rekku findet, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und weist immer wieder Parallelen zum Geschehen auf.
Ich habe mich streckenweise nicht ganz leicht mit diesem Roman getan, der einige Längen und in mancher Hinsicht ein offenes Ende hat. Doch schließlich habe ich ihn mit dem Gefühl aus der Hand gelegt, dass O. seinen Weg gehen wird, mit oder ohne die Schule zu beenden, und dass er, wenn er seinen Weg weiter konzentriert beschreitet und sich noch mehr durchzusetzen lernt, ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft wird.
Olli Jalonen: Von Männern und Menschen. mare 2016
www.mare.de
Mit seinem Lachen bezaubert Anton den kleinen Gustav schon in der Vorschule. Gustav, dessen Liebe zur Mutter nicht erwidert wird, der vaterlos und bitterarm in der Nachkriegszeit in Matzlingen im Schweizer Mittelland aufwächst und zur Selbstbeherrschung erzogen wird, liebt und bewundert den klavierspielenden Bankierssohn vom ersten Augenblick an und fühlt sich in dessen Familie geborgen. Doch über 50 Jahre müssen vergehen, viele falsche Wege beschritten werden, bis beide ihr Zuhause finden.
Anlässlich des 125. Geburtstages von Stefan Zweig, einem der großen Autoren des 20. Jahrhunderts, erschien 2006 Oliver Matuscheks Biografie Drei Leben – Eine Biographie. Ich habe mich gefragt, ob es dieser angesichts von Stefan Zweigs herausragender Autobiografie Die Welt von gestern überhaupt bedarf, aber da er selber nur äußerst sparsam über sein eigenes Leben und viel mehr über die Zeit berichtet („Es wird eigentlich nicht so sehr mein Schicksal sein, das ich erzähle, sondern das einer Generation.“), erfahren wir bei Matuschek durchaus viel Neues.
Da hat sich der kleine Esel Ferdinand, den alle immer nur auf später vertrösten, so auf Emmi, die Enkelin seiner Besitzer gefreut. Bei ihr will er endlich ein richtiger Kinder-Führesel werden, aber dann findet Emmi Esel langweilig und möchte lieber ein Pony. Welche Enttäuschung!
Tariq Ali, 1943 in Pakistan geboren, der inzwischen als Journalist, Schriftsteller, Historiker und Fillmproduzent in London lebt, und den Daniel Cohn-Bendit als „Grenzgänger zwischen der westlichen und arabischen Welt“ charakterisiert, lässt in diesem historischen Roman das Osmanische Reich des Jahres 1899 wiederauferstehen.
Dies ist kein durchgängiger Roman, es ist aber auch keine zufällige Sammlung von Kurzgeschichten zum Thema Liebe, denn je länger man liest, desto mehr Verbindungen zwischen den vier Geschichten kann man entdecken, und genau daran hatte ich beim Lesen großen Spaß. Am Ende finden die Geschichten wunderbar zusammen und bilden doch ein Ganzes, obwohl sich die Figuren nur am Rande begegenen, fast wie Kugeln auf einem Billardtisch, die einander streifen oder zusammenprallen und dann wieder auseinanderdriften. Dass dies wie unausweichliche Fügungen und nicht im Mindesten konstruiert auf mich gewirkt hat, ist der Erzählkunst des Franzosen Grégoire Delacourt zuzuschreiben, der die Handlung mit spielerischer Leichtigkeit erzählt.
Dieses Buch wollte ich unbedingt lesen, weil Doktor Glas, der schwedische Klassiker von Hjalmar Söderberg aus dem Jahr 1905, auf den sich Kerstin Ekman bezieht, für mich ein großartiger Roman ist. Darin träumt ein junger, einsamer und melancholischer Arzt von einer großen Tat und bringt einen verhassten Patienten, einen Pastor, mit Zyankalipillen um. Der perfekte Mord bleibt ungesühnt.
Vorweg: Ich habe den Oscar-prämierten Film von Steve McQueen, der sehr werktreu sein soll, nicht gesehen, bin aber durch ihn auf das Buch von Solomon Northup aufmerksam geworden.
Unter dem Motto „Lesen lernen macht Spaß“ hat der Ravensburger Buchverlag in seiner Leseraben-Erstleserreihe Bücher in drei Lesestufen vom Lesestarter bis zum Überflieger im Programm mit Titeln für jeden Kindergeschmack. Bei Kung-Fu im Turnschuh handelt es sich um einen Titel der dritten Lesestufe, die für Kinder ab Mitte der zweiten Klasse zu bewältigen sein dürfte. Die Geschichte hat bereits längere Kapitel und eine umfangreichere Textmenge, ist jedoch noch in Fibelschrift gedruckt und sehr reich farbig bebildert. Ein Glossar am Ende erklärt die farblich abgesetzten, erklärungsbedürftigen Wörter im Text und auf einer Rätsel-Doppelseite kann man sein Leseverständnis beweisen. Außerdem kann man mit Büchern der Leseraben-Reihe Punkte bei www.antolin.de sammeln.