Afghanistan aus der Sicht eines Elfjährigen
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awad hat im Krieg gegen die Taliban Vater und Bruder verloren, die Schwester wurde entführt. So leben er und seine Mutter leidlich geduldet bei deren Schwester und ihrer Familie in Kabul. Während Fawad das abenteuerliche und gefährliche Leben in den Straßen Kabuls genießt und mit seinen Freunden versucht, an die Devisen der Ausländer in der Chicken Street heranzukommen, leidet die Mutter sehr unter den unwürdigen Lebensbedingungen.
Doch dann findet sie eine Stelle im Haushalt einer WG dreier westlicher Ausländer. Der Kulturschock für Fawad, der die drei von einer Mauer aus beobachtet, ist gewaltig: Die Engländerin George raucht, trägt Jeans und hat dazu noch ein Liebesverhältnis mit einem mächtigen Paschtunen, der trinkfeste James liegt mit nacktem Oberkörper im Garten und May liebt Frauen. Fawad ist hin- und hergerissen zwischen Schock und Faszination.
Mauertänzer ist kein Buch über den Krieg, sondern eines über das Leben der Menschen in Afghanistan, spannend, tragisch, aber auch voller Humor, und wirkt authentisch durch die Perspektive des Kindes. Es lässt uns auch verstehen, warum unsere gut gemeinte Unterstützung so oft scheitert.
Ein sehr empfehlenswertes Buch zum Thema Afghanistan, das meiner Ansicht nach jedoch nicht ganz an Drachenläufer heranreicht.
Andrea Busfield: Mauertänzer. Aufbau 2010
www.aufbau-verlag.de


örtel ist eine griechische Landschildkröte, geschlüpft im McGrün, und von seinem lieblosen Besitzer an einer Bundesstraße ausgesetzt. Als er gerade zu verzweifeln droht, kommt die Füchsin Wendy vorbei und nimmt ihn mit nach Müggelsdorf, wo sich die Wildtiere zu einer Bande zusammengeschlossen haben. Mitglieder sind u.a. das Wildschwein Grrmpf mit seiner Familie, der Schwan Hokuspokus, der Marder Kevin und der Waschbär Zlatko, alle mit ausgeprägten Charakteren und vielen Eigenheiten, die beim Lesen großen Spaß machen. Törtel gewinnt unter ihnen viele neue Freunde und wird allmählich trotz seiner Ängstlichkeit und Langsamkeit zu einem wertvollen Bandenmitglied im Konflikt mit den arroganten Haustieren und dem tierfeindlichen Herrn Lüttkewitz.
Zwei Kurzgeschichten von Henning Mankell, die aus dem Erzählband „Wallanders erster Fall“ stammen, werden hier in einfachem Schwedisch für alle ab Niveau A2 nacherzählt. Kurze, einfach aufgebaute Sätze, übersichtliche Zeilen und Absätze, bekanntes Vokabular und trotzdem merkt man auch dieser bearbeiteten Fassung die Handschrift von Henning Mankell deutlich an, das hat mir beim Lesen besonders gefallen.
José Antonio Maria Vaz hat seinen Beruf als Bäcker mit dem Leben auf der Straße vertauscht. Als Chronist der Winde erzählt er die Geschichte der Straßenkinder von Maputo, besonders die von Nelio. Er hat ihn angeschossen auf der Bühne eines Theaters gefunden und neun Tage und Nächte lang auf dem Dach unter dem Sternenhimmel gepflegt, bis Nelio starb. In den neun Nächten hat der zehnjährige Junge José seine Lebensgeschichte erzählt, die manchmal fast wie ein afrikanisches Märchen klingt. Wie viele Bürgerkriegskinder hat Nelio durch einen Überfall marodierender Banditen seine Eltern und sein Dorf verloren. In der Stadt schließt er sich einer Bande von Straßenkinder an, deren Anführer er schließlich wird. Obwohl eigentlich chancenlos geben diese Kinder im Kampf ums tägliche Überleben nicht auf. Sie tragen die große Hoffnung in sich, dass es eines Tages besser gehen wird und ihr Halt ist die Gemeinschaft.
urz nach ihrer Hochzeit erkrankt die polnische Fernsehjournalistin und Regieassistentin Tamara Matzke im Alter von 33 Jahren an Eierstockkrebs. Couragiert und voller Hoffnung nehmen sie und ihr Mann Sven, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Europäischen Parlament in Brüssel, den Kampf gegen die Krankheit auf. Tamara beginnt, Tagebuch zu schreiben, um es nach der erhofften Heilung in Polen zu veröffentlichen, wo ihrer Meinung nach noch immer eine „Mauer der Verlogenheit“ die Krebserkrankung umgibt. Doch was als Buch zum Mutmachen geplant war, endet mit dem Tod: Genau ein Jahr nach der Diagnose stirbt Tamara Matzke.

ie Ich-Erzählerin Jane Eyre wächst als ungeliebte Waise im Hause einer Tante auf. Mit zehn Jahren kommt sie in die berüchtigte protestantische Anstalt Lowood. Doch nicht der hartherzige puritanische