Eine verlässliche Krimireihe
Strandmord ist der siebte Band der Rügenkrimi-Reihe von Katharina Peters und der fünfte, den ich gelesen habe. Das besondere an dieser Reihe: Alle Bände sind von gleichmäßig guter Qualität, die Handlungen spannend, die Ermittlerin Romy Beccare, Münchnerin mit italienischen Wurzeln und dem entsprechenden Temperament, sympathisch, die Sprache einfach, aber nicht platt. Für mich sind diese Krimis eine perfekte Bahnlektüre, auch mit der Gefahr, meine Haltestelle zu verpassen.
Ein Leichenfund an einem Strand zwischen Glowe und Juliusruh erinnert Romy in diesem Band fatal an einen schmerzlichen Fall 15 Jahre zuvor während ihrer Zeit bei der Kripo München. Damals wurden die Opfer exakt auf die gleiche Weise sadistisch misshandelt und missbraucht, haben allerdings überlebt. Dass Romy damals den Lockvogel bei der Ergreifung des Täters gespielt hat und der ihr bei seiner Verhaftung übel gedroht hat, hängt ihr immer noch nach. Nun lebt der inzwischen aus der Haft entlassene Konrad Ahlbeck in Neustrelitz. Hat er der Pharmareferentin Karola Thiel auf „altbewährte“ Weise mitgespielt oder gibt es jemanden, der seine Methode kopiert? Doch auch im Privatleben der Opfer gibt es Ungereimtheiten. Welche Bewandtnis hat es mit den regelmäßigen Zahlungen des Kinderarztes Dr. Nebert wegen angeblicher Beratungsleistungen? Welche Rolle spielt ihr Ex-Mann, der wegen Gewalttätigkeiten eine lange Haftstrafe verbüßt hat? Und welche Bedeutung hat ihre Verbindung zur SM-Szene und zu einem zwielichtigen Geschäftsmann aus dem Milieu?
So sehr sich Romy Beccare und ihr Team bemühen, inzwischen erstmals ohne den pensionierten, nur noch beratend und als Freund tätigen Kaspar Schneider, alle Verdächtigen haben anscheinend ein wasserdichtes Alibi. Mehr als sonst braucht die auch persönlich betroffene Romy die Unterstützung ihres verständnisvollen Lebenspartners und Vorgesetzten Jan Riechter vom Kriminalkommissariat in Stralsund.
Ein flüssig und leicht zu lesender Krimi für alle, die sich mehr für die Polizeiarbeit als für das Privatleben der Ermittler interessieren, die eine sympathische und geradlinige Protagonistin schätzen, nach gut 300 spannenden Seiten eine schlüssige Auflösung bekommen möchten und die von einem Regionalkrimi nicht die detaillierte Beschreibung jeder Weggabelung und jedes Baums erwarten. Ich freue mich jedenfalls schon auf Band acht.
Katharina Peters: Strandmord. Aufbau 2018
www.aufbau-verlag.de
Das „Dings“, das eines Tages in der Ferne vom Himmel fällt, kann nur ein Heißluftballon sein, jedenfalls vermutet Hase das nach einem Blick in Holunderbärs dickes Buch. Also machen sich die beiden Freunde auf eine lange, abenteuerliche Wanderung dorthin und finden den heldenhaften Ballonfahrer Hardi Kuhlewong Koala, der gerade allerdings eher ein schlechtgelaunter, hungriger, tollpatschiger, sehr anspruchsvoller und aufschneiderischer Bruchpilot ist. Nicht nur den Freunden Hase und Holunderbär geht er auf die Nerven, auch ihre Freunde auf der Hasenheide sind nicht gerade begeistert…
Es ist kaum zu glauben: Auf der Hasenheide gibt es einen nächtlichen Dieb, der den Tieren das Futter klaut. Kann es sein, dass gar einer der Bewohner seine Freunde bestiehlt? Die Freunde Hase und Holunderbär wollen den Dieb entlarven, aber das ist gar nicht so leicht. Es bedarf der gewohnt guten Teamarbeit der beiden, um den Fall aufzuklären und den Täter zu stellen… Wie gut, dass Hase und Holunderbär so gewitzt sind und am Ende der Frieden wiederhergestellt ist!
Wie gut, dass Hase und Holunderbär lesen können, sonst hätten sie nie erfahren, dass am Ende eines jeden Regenbogens ein Goldschatz begraben liegt. So aber machen sie sich mit ihrem Ruderboot auf den Weg zu Holunderinsel, wo einst die Mümmelsee-Piraten ihr Unwesen trieben. Einen Schatz finden sie zwar nicht, aber es werden zwei aufregende Tage und am Ende haben sie etwas gewonnen, das „weit mehr als ein Goldschatz“ ist: einen neuen Freund.
Herausstechend und zweifellos preiswürdig an Krokodilwächter ist der Umschlag: eindeutig Diogenes und doch mit den Schnitten, die den Blick auf den roten Leineneinband freigeben, ganz außergewöhnlich.
Eingerahmt wird der Künstlerroman Postskriptum des Schweizers Alain Claude Sulzer von zwei Kindheitserlebnissen des 1888 in Lemberg geborenen Protagonisten Lionel Kupfer. Im Prolog wird das Ertrinken seines Bruders geschildert, das er als Sechsjähriger miterlebt, im Postskriptum geht es um die Lektüre von Goethes Ballade vom Erlkönig, mit der er zwölfjährig sein Schauspieltalent entdeckt. Dazwischen erzählt Alain Claude Sulzer ein deutsches Schauspielerleben zwischen Januar 1933, als der gefeierte Star Lionel Kupfer im berühmten Hotel Waldhaus in Sils Maria zu Gast ist, und 1963, als die durch Krieg und Exil schmerzlich unterbrochene Karriere in den USA wieder in Gang gekommen ist.
Eine wirklich gute Idee hat der Schweizer Nord-Süd Verlag hier in seiner Reihe Ich lese selber umgesetzt: ein bekannter Bilderbuchheld als Lockvogel für Erstleser. Hermann Krekeler hat den Text nach der Erzählung von Hans de Beer für Leseanfänger bearbeitet, die unverwechselbaren Illustrationen stammen natürlich weiterhin vom bekannten holländischen Künstler selbst.
Zwei ganz unterschiedliche Lebensentwürfe prallen im zweiten Roman von Celeste Ng (sprich: Ing), Kleine Feuer überall, aufeinander. Elena Richardson ist wie Shaker Heights, der Vorort von Cleveland, in dem bereits ihre Großeltern lebten und den sie selbst nur zum Studium für kurze Zeit verlassen hat: durch und durch geplant, reglementiert, geordnet. Sie und ihr Mann haben vier Kinder, zwei Häuser, vier Autos, ein kleines Boot und Angestellte für die perfekte Abwicklung des Alltags. Elena wählt demokratisch, denkt in Maßen fortschrittlich und ist der Überzeugung, dass die Welt nur richtig funktioniert, wenn man feste Regeln einhält. Einziger Wermutstropfen ist die jüngste Tochter Izzy, 14 Jahre alt, die sich seit der Schwangerschaft an keine Regel hält und das schwarze Schaf der Familie ist, impulsiv, kompromisslos und „dazu geboren, andere in Rage zu bringen“, vor allem ihre Mutter. Das ererbte Zweithaus in der Winslow Road stellt Elena als eine Form der Nächstenliebe für eine niedrige Miete Leuten zur Verfügung, „die es verdienen“. Die sorgfältig ausgewählten neuesten Bewohnerinnen sind die Fotokünstlerin Mia Warren und deren 15-jährige Tochter Pearl. Mia und Pearl führen ein Nomadenleben, besitzen nur, was sie in ihrem VW Golf transportieren können, sind seit Pearls Geburt 46 Mal umgezogen und leben, was Elena zugleich fasziniert und beunruhigt, nach eigenen Regeln. Doch dieser Umzug soll ihr letzter sein, Mia hat Pearl endlich versprochen, sesshaft zu werden.
Kann ein Tag, der mit dem Fund eines perfekten Stöckchens für ihre Mischlingshündin Frieda beim Morgenspaziergang beginnt, zum Albtraum werden? Er kann, wenn das Stöckchen wie in diesem Fall im Auge einer männlichen Leiche steckt. Von diesem Moment an geht es im Leben der Bärbel Böttcher, 54, arbeitslose Tierpräparatorin, früh verwaist, ledig, ohne Kinder und alleinlebend, drunter und drüber. Sie, deren Hauptverbindung zur Außenwelt bisher die Verkaufsshows eines Shoppingsenders waren, muss die Polizei in Person von Kommissar Lichtblau verständigen, Stunden auf dem Kommissariat verbringen und bekommt dafür nicht einmal das ersehnte Stöckchen überlassen. Am Nachmittag steht die frischgebackene Witwe vor ihrer Tür und attackiert sie mit dem Elektroschocker und einem Ausbeinmesser. Wenige Stunden später hat Bärbel zwei Gefangene und zwei Leichen an der Backe und in den kommenden zehn Tagen passiert mehr, als in den vorhergehenden 54 Jahren. Dabei geraten nicht nur Bärbels beschauliche Gegenwart und ihre Zukunft ins Wanken, auch ihre Vergangenheit stellt sich plötzlich ganz anders dar…