Leichter Unterhaltungsroman über zwei Frauen im besetzten Frankreich 1939 bis 1945
Im sehr empfehlenswerten Nachwort zu „Die Nachtigall“ schreibt die 1960 geborene US-amerikanische Autorin Kristin Hannah: „Allzu oft werden die Geschichten von Frauen im Krieg übersehen oder vergessen. Frauen neigen dazu, aus dem Kampf zurückzukehren, zu schweigen und mit ihrem Leben weiterzumachen. Die Nachtigall ist ein Roman über diese Frauen und die waghalsigen, gefährlichen Entscheidungen, die sie getroffen haben, um ihre Kinder und ihre Lebensart zu retten.“ Den Frauen im besetzten Frankreich 1939 bis 1945 ein Denkmal zu setzen und die Leser zum Nachdenken darüber anzuregen, wie sie selbst in einer solchen Situation handeln würden, ist die Intention ihres Romans. Beides ist ihr gut gelungen. Allerdings hätte ich mir gewünscht, die Handlung wäre weniger gefühlvoll und melodramatisch aufbereitet gewesen und die Sprache weniger einfach. Und doch: Wer einen spannenden, emotionalen, leichten Unterhaltungsroman zu diesem Thema lesen möchte, wird ihn hier finden.
Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Vianne und Isabelle. Nach dem Tod der Mutter und der Weigerung des aus dem Ersten Weltkrieg traumatisiert zurückgekehrten Vaters, Verantwortung für sie zu übernehmen, stehen beide mit 14 bzw. 4 Jahren fast alleine da. Während die eher brave, angepasste Vianne früh heiratet und eine Tochter bekommt, durchlebt die impulsive, leidenschaftliche Rebellin Isabelle eine Odyssee durch Klöster und Internate.
Mit der Besetzung durch die Wehrmacht und die französische Kapitulation ändert sich schlagartig beider Leben. Vianne muss ihre Tochter Sophie in Carriveau im Loiretal alleine durchbringen und mit Einquartierung, Entlassung aus dem Schuldienst, Lebensmittel- und Brennstoffmängel zurechtkommen und versucht, möglichst unauffällig zu überleben. Isabelle schließt sich – aufgerüttelt durch eine Rede Général de Gaulles – der Résistance an und bringt als legendäre „Nachtigall“ bei unzähligen Pyrenäenüberquerungen zu Fuß abgeschossene britische, kanadische und US-amerikanische Piloten über Saint-Jean-de-Luz zum britischen Konsulat nach San Sebastián. So sehr Vianne Isabelles gefährliches Treiben fürchtet und ablehnt, kann auch sie angesichts der Verschleppung der Juden aus ihrer Umgebung nicht untätig bleiben.
Kristin Hannah malt ein sehr detailliertes Bild des besetzten Frankreich und verzichtet auf eine völlige Schwarz-Weiß-Malerei. Sehr geheimnisvoll ist die Rahmenhandlung um eine alte Amerikanerin französischer Herkunft, die 1995 eine Einladung nach Paris zu einem Treffen zu Ehren der „Nachtigall“ erhält. Erst auf den letzten Seiten habe ich Gewissheit erhalten, um wen es sich dabei handelt, und das Schicksal der Schwestern bei Kriegsende völlig verstanden.
Kristin Hannah: Die Nachtigall. Aufbau 2017
www.aufbau-verlag.de



Dreh- und Angelpunkt des Debütromans Idaho der jungen US-Amerikanerin Emily Ruskovich ist eine Familientragödie. Im August 1995 unternimmt die Familie Mitchell, Vater Wade, Mutter Jenny sowie die sechs- und neunjährigen Töchter May und June, im Pick-up einen Ausflug zum Mount Loeil, um Holz für den Winter zu machen. Völlig unvermittelt erschlägt die Mutter May mit einem Axthieb, June flüchtet in den Wald und bleibt verschollen.
Aufgepasst: Falls es unter dem Hochbett niest und hustet, könnte ein Zebra ins Zimmer geklettert sein. Jedenfalls ist das bei Hanna so, die gerade mit ihren beiden Papas, Papa Paul und Papa Konrad, umgezogen ist und in ihrer neuen Schule die zweite Klasse besucht. Da sie sich dort noch ziemlich einsam fühlt, kommt Bräuninger, so der Name des sprechenden Zebras, gerade recht, denn so braucht sie ihre Papas für Schulweg nicht mehr. Doch während sich die Klassenkameraden über den Vierbeiner freuen, sind die Lehrerin und der verbiesterte Direktor trotz dessen offensichtlicher Begabung für Rechnen, Schreiben, Turnen und Fantasiereisen und seiner problemlosen Eingliederung in die Klasse gar nicht begeistert. Schließlich sieht die Schulordnung ein sprechendes Zebra nicht vor!
Wiesenstein heißt die herrschaftliche Villa Gerhart Hauptmanns im niederschlesischen Agnetendorf, abgebildet auf dem stilvollen Cover, wo der Dichter seine letzten Lebensmonate im Kreise seiner zweiten Frau Margarete und seiner Angestellten verbrachte. Zugleich ist es der Titel von Hans Pleschinskis Romanbiografie über Hauptmann, der zu seiner Zeit berühmter und reicher war als sein Dauerkonkurrent Thomas Mann. Letzterem hat Pleschinski vor einigen Jahren mit dem Roman Königsallee ein Denkmal gesetzt. Die Spannungen zwischen den beiden Rivalen mündeten im Abbild Hauptmanns als lächerlicher Mynheer Peeperkorn in Der Zauberberg, was dieser zeitlebens übelnahm.