Selbstbestimmtes Leben und Sterben
Inspiriert von einem Bericht über 250 alte Frauen, die „nach dem Reaktor“, also nach dem Reaktorunfall von 1986 in Tschernobyl, nicht mehr in den ihnen zugeteilten Flüchtlingsunterkünften wohnen wollten, sondern in die verseuchten „Todesdörfer“ zurückkehrten, hat die deutsch-russische Autorin Alina Bronsky ihren kleinen Roman Baba Dunjas letzte Liebe verfasst. 2015 zurecht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis, ist er ein Beitrag zur Diskussion darüber, wie wir altern und sterben wollen und was echte Freiheit ist.
Baba Dunja, die eigentlich Evdokija Anatoljewna heißt, ist nach dem Gau in ihr Dorf Tschernowo zurückkehrt, als erste einer kleinen Zahl von Menschen, die die Hälfte der etwa 30 Häuser bewohnen. Die Regierung duldet sie, ansonsten schlagen sie sich alleine durch, trinken Brunnenwasser und essen, was die fruchtbaren Gärten hervorbringen. Nur selten fährt einer in die nächste, weit entfernte und schlecht zu erreichende Stadt, um die Post zu holen oder Einkäufe zu machen. Zu Besuch kommen gelegentlich Fotografen, Filmleute, Biologen oder eine Krankenschwester, alle im Strahlenschutzanzug.
Die kleine Gruppe empfindet sich nicht als Gemeinschaft, jeder ist um der Ruhe willen gekommen. Die Ich-Erzählerin Baba Dunja, die von den anderen als „Bürgermeisterin“ angesehen wird, sagt von sich, dass sie dort ihre friedlichsten Jahre verbracht hat, losgelöst von allen Verpflichtungen anderen gegenüber, sogar von ihren weit entfernt lebenden Kindern, und vor allem ohne Zeit: „Was ich in Tschernowo niemals gegen fließend Wasser und eine Telefonleitung eintauschen würde, ist die Sache mit der Zeit. Bei uns gibt es keine Zeit. Es gibt keine Fristen und keine Termine.“ Auch Angst kennt Baba Dunja nicht mehr, obwohl sie sich der unsichtbaren Bedrohung durchaus bewusst ist und den Fremden, der mit seiner gesunden kleinen Tochter zu ihnen kommt, keinesfalls im Dorf dulden möchte.
Doch auch Tschernowo ist kein rechtsfreier Raum, und als der Fremde ermordet wird, verhaftet die Miliz kurzerhand alle Dorfbewohner. Baba Dunjas letzte Liebe, ihr Haus, ihr Frieden, ihre Selbstbestimmung stehen auf dem Spiel.
Unwillkürlich habe ich bei der Lektüre begonnen, über mein eigenes Altern und die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, nachgedacht. Die Todeszone muss es nicht sein, aber ein bisschen von Baba Dunjas Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wäre schön.
Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe. Kiepenheuer & Witsch 2015
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Minus 18° war mein erster Krimi des hochgelobten schwedischen Autors Stefan Ahnhem, obwohl es sich dabei schon um Band drei der Fabian-Risk-Serie handelt, und es wäre sicher einfacher gewesen, wenn ich Herzsammler sowie Und morgen du bereits gekannt hätte. Aber auch so war der Einstieg möglich und Andeutungen bzgl. der Vorgängerbände haben meine Neugier auf die Vorgeschichte geweckt.
Viele kennen den Briten Philip B. Kerr eher aus dem Krimi- und Thriller-Genre, aber mit der Kinder- und Jugendbuchreihe Die Kinder des Dschinn hat er sich erfolgreich in den Fantasy-Bereich geschrieben.
Das Cover lässt keinen Zweifel am Verlauf der Ehe, die Raffaella Cerullo, genannt Lina oder Lila, zu Ende des ersten Bandes Meine geniale Freundin der Neapolitanischen Tetralogie von Elena Ferrante eingegangen ist. Der Brautschleier steht horizontal vom Kopf ab, der Wind reißt die Blütenblätter aus dem Brautstrauß.
Eine faszinierende Abenteuerreise von London in den Amazonas erlebt die aufgeweckte Waise Maia zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aus Manaus melden sich plötzlich Verwandte von ihr in dem Londoner Internat, wo die ca. 13-Jährige recht zufrieden lebt, auch wenn der Schmerz über den Verlust der Eltern sie bedrückt. Das Ehepaar Carter und seine Zwillinge möchten Maia bei sich aufnehmen. Neugierig auf das Land und die ihr unbekannten Verwandten bricht Maia zusammen mit ihrer Gouvernante Miss Minton nach Manaus auf und erfährt zunächst eine riesengroße Enttäuschung. Die Carters leben völlig abgekapselt von ihrer Umgebung, haben keinerlei Sinn für das Land und interessieren sich lediglich für Maias Vermögen. Doch dann lernt sie Finn kennen, verliebt sich in den Amazonas und lernt allmählich, den Schmerz über den Tod ihrer Eltern zu überwinden. Sogar die strenge Miss Minton kann schließlich in der Farbenpracht und Exotik des Regenwalds ihre strenge viktorianische Haltung hinter sich lassen und wirft ihr Korsett über Bord, besteht allerdings weiterhin auf dem Mathematikunterricht und dem Zähneputzen.
Sie waren eines der berühmtesten Paare des Literaturbetriebs, die amerikanische Dichterin Sylvia Plath (1932 – 1963) und der englische Dichter Ted Hughes (1930 – 1998). Während ihres siebenjährigen Miteinanders galt das Mitgefühl ihrer Umgebung eher ihm, denn Sylvia Plath litt seit ihrer Jugend unter einer bipolaren Störung mit schweren Depressionen und Stimmungsschwankungen, Angstattacken, Alpträumen, dem ambivalenten Verhältnis zu ihrer Mutter und der unbewältigten Trauer um den früh verstorbenen Vater sowie unter ihrem Perfektionismus und übersteigerten Ehrgeiz. 1953 unternahm sie einen ersten Selbstmordversuch und verbrachte anschließend mehrere Monate in einer psychiatrischen Klinik. Ab Ende 1958 war sie erneut in psychiatrischer Behandlung.
Rupert, der kleine Husky aus Alaska, träumt davon, ein berühmter Schlittenhund zu werden. Zum Glück schenkt Waldi, der Trapper, ihm einen alten Rennschlitten vom berühmten Rennen von Nome, den Rupert sofort auf Vordermann bringt und rot lackiert.
Françoise Sagan (1935 – 2004) war zeitweise Frankreichs erfolgreichste Bestsellerautorin. In meiner Jugend habe ich Bonjour tristesse verschlungen und geliebt, heute liegt mir Lieben Sie Brahms, ihr Roman aus dem Jahr 1959, näher, mit dem ich vor 30 Jahren eher weniger anfangen konnte. Alles eben eine Frage des Alters.