Ein Mäuserich reist durch Europa
Uwe Timm gehört für mich mit seinen Romanen für Erwachsene zu den größten lebenden deutschsprachigen Autoren. Sein Kinderbuch Die Zugmaus, erstmals erschienen 1981 und inzwischen schon ein Kinderbuchklassiker, habe ich erst jetzt kennengelernt, da meine Tochter es als Referendarin im Rahmen einer Projektprüfung in einer dritten Grundschulklasse mit den Schülerinnen und Schülern gelesen hat. Dazu hat sie auch das im BVK Verlag erschienene, sehr empfehlenswerte Zusatzmaterial Literaturprojekt zu „Die Zugmaus“ von Ulrike Itze und Jessica Steggemann für die fächerübergreifende Unterrichtsgestaltung verwendet sowie die ausgezeichnete Hörspielversion.
Die idyllische Kindheit des kleinen Hausmaus-Jungen Stefan, wegen seiner ungewöhnlichen früheren Nagegewohnheiten „Mausebiber“ genannt, endet jäh, als das alte Haus in der Münchner Paradiesstraße einem Hochhausneubau weichen muss. In der Folge ist die Familie mehr oder weniger heimatlos.
Bei seinen Ausflügen zum Bahnhof verschlägt es Stefan eines Tages in einen Zug und fortan reist der kleine Mäuserich durch Europa. Er erfährt, dass das Käseparadies Schweiz keineswegs so mäusefreundlich ist wie gedacht, findet dort aber in Wilhelm einen Reisegefährten mit einem drolligen Dialekt. Im Gourmet-Paradies Paris treffen sie auf den Artgenossen Pierre, lernen aber, dass das gute Essen mit der ständigen Bedrohungen durch die vielen Katzen teuer erkauft werden muss, und landen schließlich bei einem Zirkus, der durch England reist. Als das Heimweh zu groß wird, machen sich die beiden auf nach München, wo die Mäusefamilie sie mit viel Hallo und großer Neugier willkommen heißt.
Ein von Axel Scheffler mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen wunderbar illustriertes Kinderbuch, witzig, emotional, informativ, fantasievoll und absolut empfehlenswert!
Uwe Timm & Axel Scheffler: Die Zugmaus. dtv 2003
www.dtv.de
So super, wie der Buchtitel Super Sarah es suggeriert, ist Sarah zunächst eigentlich nicht. Sie ist ein Tollpatsch wie er im Buche steht, das schwarze Schaf der supertalentierten Familie Adams, und fliegt deshalb eher früher als später aus jeder AG. Dabei ist sie ein liebenswertes Mädchen, das einfach nur gemocht werden will und sich die allergrößte Mühe gibt, um Missgeschicke zu vermeiden.
Simone de Beauvoir, 1908 in eine gutbürgerliche Familie hineingeboren, war eine der ersten Frauen, die an der Sorbonne Philosophie studierten. Während des Studiums lernte sie Jean-Paul Sartre kennen, dessen lebenslange Begleiterin sie wurde. Die Grundregeln ihrer Partnerschaft waren sexuelle Freiheit nach allen Richtungen, keine Ehe, getrennte Wohnungen und keine hausfraulichen Pflichten.
Der Roman Der Sommer der Schmetterling der 1970 in Brasilien geborenen und seit 2007 in den USA lebenden Autorin Adriana Lisboa stammt bereits aus dem Jahr 2001 und wurde 2003 mit dem Prémio José Saramago, einem bedeutenden portugiesischen Literaturpreis ausgezeichnet. Anlässlich des Gastlandauftritts von Brasilien auf der Frankfurter Buchmesse 2013 wurde er ins Deutsche übersetzt.
Dem Nachwort ist zu entnehmen, dass dem Roman ein Text aus dem Jahr 2010 unter dem Titel Mutter auf Papier zugrunde liegt, den die Autorin nun umgearbeitet hat, damit „es jenes Buch über alternative Elternschaft ist, das ich während der Zeit unserer Familiengenese so gerne gelesen hätte“.
In der Literatur gibt es unzählige Versuche, den Tod der Eltern zu verarbeiten: John von Düffel (Hotel Angst) reist nach dem Tod des Vaters nach Bordighera, wo die Familie ihre Sommerurlaube verbracht und der Vater seinen Lebenstraum gelebt hat, Helen Macdonald richtet in H wie Habicht im Gedenken an den verstorbenen Vater ein Habichtweibchen ab, Simone de Beauvoir reflektiert in Ein sanfter Tod das schwierige Verhältnis zur verstorbenen Mutter und Milena Busquets versucht, ebenfalls autobiografisch inspiriert, ihre ca. 40-jährige Romanheldin Blanca den Tod der Mutter im Sex vergessen zu lassen („Sex gefällt mir, weil er mich im Hier und Jetzt festzurrt.“)
River ist der Debütroman der kanadischen Autorin Donna Milner und eine Familiensaga aus dem Kanada der 1960er-Jahre.
Ein namenloser Protagonist in der Midlife-Krise, der seine unerfüllten Lebenswünsche auf den verstorbenen Großvater projiziert, steht im Mittelpunkt des Romans Neringa oder Die andere Art der Heimkehr von Stefan Moster.
Auch wenn ich Isabel Allendes chilenische Romane mit dem magischen Realismus und die Romane über ihre Familie noch lieber mag, so habe ich doch auch ihren 17. Roman, Die Insel unter dem Meer, einen opulenten historischen Roman und eine beeindruckende Familiensaga, mit Freude gelesen.
Bereits in ihrem empfehlenswerten Erstling Geheime Tochter hat die indisch-kanadische Autorin Shilpi Somaya Gowda vom Leben in zwei Welten erzählt, von der Zerrissenheit zwischen Indien und den USA. Auch in ihrem neuen Roman, der wieder in einer sehr einfachen Sprache, aber packend und gekonnt erzählt ist, spielt diese Zerrissenheit eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ist es ein Roman über zwei Lebensschicksale im modernen Indien, über althergebrachte Traditionen, über Heimat und den Aufbruch zu neuen Ufern.